Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1887)
- Date
- 1887-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein unparteiisches Organ sür alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 115) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Gspeöition: Leipzig» WoßpLah 17, In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 51. Jahrgang. Leipzig, den 24. Februar 1887. Nr. 8. Inhalt. Leitende Artikel: Zur vergleichenden Religionswissenschaft. — Alliance Israelifce universelle. — Ein weiterer Schritt zur Staatskirche in Oesterreich. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M., Witten. Aus Schlesien. — Oesterreich-Ungarn; Wien, Pest.— Frankreich: Paris. — Rußland: Von der russischen Grenze. — Amerika: Rew-York. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Ein Stück Orient. Bonn, 18. Februar. Zur vergleichenden Religionswissenschaft. „Ein Buddhistischer Katechismus".^ Wir haben vor einiger Zeit (1885, S. 667) aus dem Reisewerke des Prof. Rein über Japan die tiefe Stufe geschildert, auf welche der Buddhismus in Japan herabgesunken ist, und wie er sich daselbst unter der Leitung einer unwissenden, ihre eigene Lehre nicht kennenden Priesterschaft zum Polytheismus und Bilderdienst gröbster Art gestaltet hat. Ein Gegenbild wird uns durch das unten citirte Schriftchen (100 S.) geboten. Im letzten Jahrzehnd haben sich unter den Buddhisten in Indien einige Männer, von der europäischen Cultur ergriffen, zu Reformatoren aufgeworfen, ohne jedoch eine zahlreiche Gemeinde um sich schaaren zu können. In Europa, wo der Buddhismus eine Zeit lang Mode geworden, hört man nicht selten die Frage: was lehrt denn eigentlich der Buddhismus? Aber auch vom religionswissenschaftlichen Standpunkte ist die Frage von Bedeutung. Der 1) Ein Buddhistischer Katechismus nach dem Kanon der Kirche des südlichen Indiens, bearbeitet von Henry S. Olcott, Präsident der Theosophischen Gesellschaft rc. Geprüft und zum Gebrauche sür buddhistische Schulen empfohlen von H. Sumangala, dem Hohenpriester von Sripada und Galle, und Vorstand der Widyodaya Parivena. Mit den Anmerkungen der amerikanischen Ausgabe von Elliot Cones, Professor der Anatomie und Biologie, Dr. med. et phil. rc. Erste deutsche Ausgabe. 27. Tausend. Leipzig, Th. Grieben. 1887. Buddhismus ist unter mehreren Hundert Millionen Menschen verbreitet, und muß deshalb die Aufmerksamkeit derer beschäftigen, welchen es um die Erforschung des religiösen Wesens des Menschen überhaupt und um alle die Erscheinungen zu thun ist, in welchen sich die religiöse Tendenz des Menschen in so mannigfaltiger Art ausgeprägt hat. Der vorliegende buddhistische Katechismus wird deshalb unserer Prüfung unterzogen werden müssen. — Die erste Frage ist hierbei: woher stammt er? Und welche wissenschaftliche Bedeutung können wir ihm zuschreiben? Hierüber ist zu bemerken, daß derselbe eigentlich nur aus dem singhalesischen Buddhismus (Ceylon) herrührt, hinsichtlich dessen man behauptet, daß er sich unter den mannigfaltigen Gestalten, welche der Buddhismus im eigentlichen Indien, wo er sich mit dem Brahmanismus vielfach verschmolz, in Tibet, China und Japan angenommen hat, am reinsten von allen erhalten habe. Ferner ist zu betonen, daß er kein ursprüngliches Product der Singhalesen, sondern die Ausarbeitung des Herrn Olcott ist, der den Stoff aus dem Munde singhalesischer Priester gesammelt hat, wobei er jedoch, da er die singhalesische Sprache nicht versteht, sich der Dolmetscher bedienen mußte. Dies sind allerdings keine Momente, welche dem Buche eine wissenschaftliche Autorität zu verleihen vermögen. Der Vers, ist äußerst eingenommen für den Buddhismus, wie er ihn sich eben vorstellt, und will offenbar für diese Lehre Propaganda machen. Er versucht deshalb sogar den Buddhismus mit der „modernen Wissenschaft" in Einklang zu bringen, was ihm, wie wir sehen werden, völlig mißglückt, zugleich aber doch bezeugt, daß er seinem Gegenstände möglichst Helle Far-