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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-17 · Heft 7 (17.2.1887) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 7 (17.2.1887)
Date
1887-02-17
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 wie Israelit und ging sein Streben danach hin, das polnische und das jüdische Element einander zu nähern, und dadurch die nationale Eintracht zu fördern. Die intellectuelle Bildung zu verbreiten, das Schulwesen und die wohlthätigen Anstalten zu heben, war sein rastloses Bemühen. Zu einem würdigen Leichenbegängniß vereinigte sich ein städtisches und ein jüdisches Comits, und die jüdische Gemeinde trug die Kosten. Das Rathhaus und alle Gebäude, in welchen sich jüdische Institute befinden, waren schwarz beflaggt. Im Leichengefolge befanden sich sämmtliche Landtagsabgeordnete mit dem Landmarschall, der k. k. Statthalter und die ganze officielle Welt. Bor dem Trauerhause sprach Prof, vr. Roßkowski vom Balkon herab im Namen des Lemberger Stadtrathes; auf dem Friedhofe Rabbiner Löwenstein, Landtagsabgeordneter vr. Goldmann und Romanowicz und vr. Lilien. Am 25. fand im Tempel eine Gedenkfeier statt. — Berlin, 8. Febr. (Historische Notizen.) In der Sitzung der „Numismatischen Gesellschaft" vom 3. Januar wurden einige interessante Mittheilungen über jüdische Finanzmänner und Münzmeister im 13. und 14. Jahrhundert vorgetragen, worüber wir aus dem Sitzungsberichte Folgendes wiedergeben: „Im Anschluß an die in der letzten Sitzung gelieferte Besprechung der moselländischen Münz- und Geldgeschichte, welche in Lamprecht's deutscher Wirthschaftsgeschichte im Mittelalter enthalten ist, hob Herr Menavier die in demselben Werke (I. 2. 1441—1481) gegebene Darstellung der erzbischöflich-trierischen Finanzverwaltung hervor. In derselben wird gelehrt, daß nach der Uniwandlung der alten carolingischen Verwaltungsämter des Küchenmeisters und des Kämmerers in erbliche Ehrenämter und Würden, die sich bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts vollzogen, zunächst geistliche Generalrezeptoren an der Spitze der Verwaltung gestanden haben, daß sodann neben diesen bereits unter dem Erzbischof Heinrich (1260—1286) jüdische Bankiers Einfluß auf dieselbe erlangt haben, und Erzbischof Balduin statt der geistlichen Herren mehrere Jahrzehnte jüdische Finanzminister und zwar 1323—1336 den Muskin, 1336—1341 den Jacob Daniels, 1341—1349 den Michael bestellt hat, daß endlich diese um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Folge der Judenverfolgungen wieder verschwinden und die Finanzverwaltung seit 1353 durch geistliche Rentmeister besorgt wird. Nach den erhaltenen Rechnungen bildet diese jüdische Geschäftsleitung, die mit einer jüdischen Kanzlei versehen war und hebräische Bücher führte, den Höhepunkt in der Trierischen Finanzgeschichte, durch die starke Capitalkraft und den großen Geldcredit, welchen die jüdischen Häuser der Verwaltung zur Verfügung stellten. Denn während das Gesammtbudget 1250 nach Lamprecht's Berechnung 480,000 Mark (im heutigen Gelde und bei heutiger Kaufkraft desselben) betrug, verwandten die Erzbischöfe Heinrich und Boemund (1260-1299) 400,009 Mark. d. h. jährlich 100,000 Mark allein auf die Abrundung des Territoriums, vermochte Erzbischof Balduin 1316 dem Reiche 3,150,000 Mark zu borgen, und dürste das Jahresbudget von 1339 bei einer bezeugten Ausgabe von 810,000 Mark für den erzbischöflichen Haushalt und einem vermuthlichen Aufwand für das Land von 200,000 Mark gegen 1,200,000 Mark betragen haben. Diese Finanzstärke ist für die Ausbildung des Territoriums Triers von wesentlichem Einfluß gewesen. Daß sich eine gleichartige Entwickelung in irgend einem andern Territorium des deutschen Reiches mit derselben Genauigkeit werde Nachweisen lassen, ist kaum zu erwarten, aber darin irrt LamPrecht gewiß nicht, daß er eine Einwirkung der Juden auf die Finanzverwaltung auch in andern Territorien annimmt und den Nachweis von Spuren davon erhofft. Einen monumentalen Rest derselben wenigstens vermag die Münzforschung nachzuweisen in einem Denar des Bischofs Otto von Lobdeburg sl207—1223) der auf der Kehrseite in hebräischer Schrift den Namen Jehovas trägt und damit das Judenthum des betreffenden bischöflichen Münzmeisters bezeugt. Freilich ist dieser jüdische Münzmcister durch mehr als ein Jahrhundert von den jüdischen Finanzministern Triers getrennt, aber dennoch handelt es sich bei ihm um einen ähnlichen Vorgang und darf das frühe Auftreten eines Juden in solch hoher Stellung gerade in Würzburg um so weniger auffallen, als nach Ausweis noch erhaltener Urkunden (worüber zu vergleichen: Heffner, Die Juden in Franken. Rosenthal, Geschichte des Eigenthums in Würzburg) bereits 1119 ein Jude Jacob und seine Frau 2 dem Stift Neu-Münster in W. ausgelassene Hofstätten mit einem Hause zu Erbrecht erworben hat, 1169 dem Juden Walther (ein Haus bestätigt wird, von dem er dem Domcapitel zinst, 1170 dem Juden Samuel ein an die Judenschule grenzender Platz ausgethan wird, 1180 Graf Ekhard mit einem jüdischen Nachbar sich des Fensterrechts wegen auseinandergesetzt und der Jude Samuel von Rotenburg sein für 100 Mark Silber gekauftes Haus dem heiligen Kilian zu Lehen aufträgt, 1181 der Jude Samson sich verpflichtet, dem ihm vom Domcapitel verliehenen Hause keine Fenster mit dem Blick auf das Nachbarhaus Walthers zu geben, 1184 Vives und Sara ihr Haus dem heiligen Kilian auftragen, 1188 der Bischof Gotfried dem Juden Meier den Besitz eines Hauses neben der bischöflichen Curie bestätigt, 1189 die Juden Jacob und Biskelin einen Hof kaufen und ein anderer sein Haus dem heiligen Kilian aufträgt, 1197 Bives einen Hof kauft, von dem er der Kirche jährlich 30 Pfennige zinst, 1212 zwei Judengassen erwähnt iverden und ein Nathan magister Judaeorum und endlich 1218 Süßkind von Trimberg ein Stück Land am Spital der Heiligen Aegidius und Theoderich erhält."

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