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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-17 · Heft 7 (17.2.1887) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 7 (17.2.1887)
Date
1887-02-17
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 machen und auch seine theologische Wissenschaft aus dem Boden des Volkes unmittelbar erwachsen zu lassen. Darum sind auch überall die Laien die rechten Stützen der cultuellen Veranstaltungen, die ja so innerhalb des Judenthums lediglich auf freiwilligen Gaben beruhen und nur selten irgend eine Stiftung aus älterer Zeit zu ihrer Grundlage haben. So sind alle neueren Rabbinerseminare aus den Spenden freigebiger Laien hervorgegangen, mit Ausnahme des ungarischen, das aus den Mitteln jenes Fonds erhalten wird, der aus den von Haynau den ungarischen Israeliten auferlegten Contributionen entstanden ist. Der gedachten Rede ist daher auch ein erstes Verzeichniß der Spenden für das neue Collegio bis zum 24. December beigelegt worden. Es schließt ab mit 15,138 L. einmaliger Gaben, 2,050 L. jährlicher Beiträge auf eine bestimmte oder unbestimmte Zeit und 6,440 L. in 5°/0 Renten, eine schöne Summe zum Anfang, die, wie wir hoffen, allmählich anwachsen wird, um dem neuen Institute einen dauernden Bestand und eine wachsende Wirksamkeit zu sichern. Rußland. Warschau, 5. Febr. Der „Polit. Corr." wird von hier gemeldet: Jenen Zweigen der russischen Verwaltung, in welchen zur Zeit noch Juden und Katholiken zahlreiche Stellen bekleiden, was namentlich bei den Zahlanstalten der Fall ist, wurde seitens der Regierung die Pflicht eingeschärft, die genannten Elemente aus den Aemtern allmälig zu entfernen und die erledigten Stellen ausschließlich mit Russen orthodoxen Glaubens zu besetzen. Großbritannien. London, im Februar. Ter hiesige berühmte Portraitmaler Mr. B. S. Marks hat soeben ein Bild vollendet, das aller Wahrscheinlichkeit nach in die Reihe der interessantesten bildlichen Illustrationen der Geschichte der Gegenwart gehört. Es ist ein lebensgroßes Portrait des Lord Nathaniel Mayer Rothschild, wie er dru Eid im Hause der Pairs leistet. Das Parlamentsmitglied Mr. Lionel Louis Cohen hat es auf seine Kosten malen lassen und wird es dem Verwaltungsrathe der Vereinigten Synagogen Londons dieser Tage überreichen. Es soll dadurch die Zulassung des ersten israelitischen Pairs zum Oberhause verewigt werden. Für das Judenthum ist das Ereigniß von unzweifelhafter Wichtigkeit, aber es ist auch von hohem Interesse im Zusammenhänge mit dem Forischritte der Religionsfreiheit in England. Der Vorgang machte s. Z. am 9. Juli 1885 große Epoche überall. Der Maler hatte große Schwierigkeiten zu überwinden. So z. B. mußte dem Ueberfluß an Scharlachroth in der Pairsrobe ein Gegengewicht geboten werden, um das Bild nicht zu grell zu machen. Eine weitere Schwierigkeit war die, daß keine Portraits der zur Zeit anwesenden anderen Personen im Bilde figuriren durften. Alle diese Schwierigkeiten hat der Künstler mit großem Erfolge höchst genial gelöst; er hat nicht nur ein vorzüglich gelungenes Portrait, sondern ein höchst bewundernswürdiges Bild geschaffen, das seine Meisterschaft von neuem bekundet. Lord Rothschild ist dargestellt, wie er am Tisch des Hauses steht und zwar zur Rechten der Tafel. Er hat das Haupt bedeckt, (wohl das erste Mal seit seinem Bestehen hat ein Pair im Oberhause jemals bedeckten Hauptes den Eid geleistet.) In der rechten Hand hält er das alte Testament, mit der linken faßt er die Pairsrobe. Er ist dreiviertel Gesicht gemalt, und die Aehulichkeit ist frappant. Kühn tritt die Figur aus der Leinwand hervor. Den Hintergrund bildet das Getäfel der Seitenwand des Hauses. Der Deckel des Kastens auf dem Tische ist halb geöffnet, damit kein gegenübersitzender Pair dem Beschauer sichtbar wird. Die Pose ist äußerst natürlich und graziös, der Faltenwurf der Robe, deren Gold- und Pelzverbrämung sind ganz vortrefflich, und Licht und Schatten sind wunderbar vertheilt. Spanien. Madrid, im Febr. Wie wir bereits mitgetheit, hat sich in Madrid unter dem Vorsitz des Senators Lopez-Lapuya ein Comite zur Beförderung der Einwanderung der Juden in Spanien gebildet. Dasselbe berichtet unter dem 26. Jan. o. an Herrn Guedalla in London Folgendes: „Wir haben die Ehre Ihnen mitzutheilen, daß die Herren Lopez-Lapuya und Rospide, die vom Central-Comits besonders deleguirt waren, gestern mit H. Sagasta, dem Präsidenten des Ministerrathes, eine Unterredung hatten. Das Resultat dieser Unterredung läßt sich in folgenden Worten zusammenfassen: Die Thore Spaniens stehen der ganzen Welt offen, ohne daß die Ansichten, seien sie religiöser oder politischer Art, für irgend Jemanden ein Hinderniß sein könnten. Die Regierung hat die Ansichten nicht geändert, welche sie schon früher in den Briefen an H. Guedalla ausgesprochen hat und sie fährt fort zu erklären, daß alle Juden, welche nach Spanien zu kommen wünschen, hinkommen können und versichert sein mögen, daß die öffentliche Meinung sie dort mit Wohlwollen und Sympathie empfangen wird." Genehmigen Sie rc. Der Secretär Der Präsident Bentfeld. I. Lopez-Lapnya. Bonn, 14. Febr. (Notizen.) Einem warmen Nachrufe im Lemberger „Israelit" entnehmen mir, daß vr. Filip Zucker, Abgeordneter zum galizischen Landtage, Mitglied des Leinberger Stadtraths und Vorsitzender des israelitischen Gemeindevorstandes von Lemberg, am 21. Januar unter außergewöhnlicher Betheiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen wurde. Der Verstorbene war ebenso eifriger Pole

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