Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1887)
- Date
- 1887-02-17
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 nicht nur instinctiv, sondern ausgesprochenermaßen der erste Zweck wie die erste Veranlassung unseres Verbandes. Was wir seit sechs Jahren hier erstrebt und angebahnt, ist Ihnen Allen bekannt. Doch gilt hier vor Allem zu unterscheiden, zwischen dem, was seitens des Verbandes resp. der Berbandsleitung geschieht uud dem, was seitens der Gemeinden nicht geschieht. — Die Thätigkeit des erstern anlangend, so stehe ich nicht an, obwohl in erster Reihe hierbei bethciligt, zu sagen, daß unter obwaltenden Umständen kaum mehr geschehen konnte. Der Verband hat durch Einsetzung der Schulinspection eine Controle eingeführt, wie sie in den Ländern, wo dieselbe durch staatliche Autorität geschützt ist, nicht wirksamer sein kann. Während dort nur alle drei Jahre, wird bei uns jede Schule alle zwei Jahre besucht. Es ist ein gemeinsamer Unterrichtsplan, eine Schulordnung, in der eine ständige Ortsschulaufsicht vorgesehen, entworfen; es ist eine Auswahl der besten Schulbücher getroffen, und werden in einzelnen Fällen solche gratis an ärmere Schüler vertheilt. In zahlreichen Rundschreiben sind die Gemeinden auf die Wichtigkeit der Schule hingewiescn worden. Die Kosten der Jnspicirung trägt der Verband, ohne die Gemeinde zu belasten. Ebenso sucht der Verband durch Lehrerconferenzen, deren Kosten er gleichfalls trägt, für die Hebung des Lehrerstandes zu wirken. Endlich aber hat der Verband einen weiteren wesentlichen Schritt gethan, indem er auch die Subventionirung ärmerer Gemeinden ins Auge gefaßt, wenn auch hier seiner Thätigkeit ein enges Ziel gesteckt ist *). So der Verband oder richtiger die Verbandsleitung, der Ausschuß. Und die Gemeinden? Nun, diese sind theilweise dieser Intention gefolgt, aber ein großer Theil ist hinter denselben und unfern berechtigten Forderungen zurückgeblieben. Ich sehe hier von der Frage ab, in wie weit es einzelnen Gemeinden, die notorisch wohlhabende Mitglieder besitzen, möglich gewesen wäre, bei größerer Opferfreudigkeit auch eine geeignete Lehrkraft zu gewinnen; — da kann sich ein Fernstehender leicht irren — aber was jede Gemeinde kann und als heilige Pflicht erachten muß, ist dies, daß sich der Vorstand für den Unterricht interessirt, ihn beaufsichtigt, den Lehrer, wenn es nöthig sein sollte, controlirt, oder aber, was sicherlich nöthig ist ihn unterstützt in seiner schwierigen Lage; ohne diese Mitwirkung arbeitet der Lehrer, arbeitet der Verband umsonst. Und nun sehen Sie einmal zu, wie in vielen Gemeinden die Schulordnung publicirt ist und innegehalten wird, man darauf achtet, daß die Schüler auch Schulbücher in Händen haben, der Schulbesuch einer Controle unterliegt. M. H.! Diese Rubriken stehen zwar auf der hier 1) Seitens des Ausschusses des D.-J.-G. B. ist außerdem der Schulinspection die Summe von Einhundert Mark zur Anschaffung von Prämien überwiesen worden, wofür hier bester Dank ausgesprochen wird. schon vorgelegten Jnspectionstabelle am Ende, aber in Wirklichkeit stehen sie obenan. Hier müssen die Hebel eingesetzt werden, und der Vorstand, der hier nicht eintritt und seine volle Schuldigkeit thut, der verletzt seine heiligsten Pflichten. Hier muß es besser werden, wenn wir nicht vergeblich arbeiten und das schöne Werk innerlich verfallen lassen wollen. Wir haben mit außergewöhnlichen Schwierigkeiten ohnehin genug zu kämpfen, als daß wir sie noch durch eigene Schuld vermehren. Diese Schwierigkeiten sind schon im Berichte des Herrn Vorsitzenden berührt: es ist der durch die Ausweisungen hervorgerufene notorische Mangel an Lehrkräften und im engsten Zusammenhangs damit ein außergewöhnlicher Amtswechsel. Innerhalb eines Jahres haben sich folgende Veränderungen im Lehramte innerhalb der Provinz ergeben: Die Lehrer haben gewechselt: Braunsberg. Bischofstein, Gerdauen, Heilsberg, Holland, Lyck, Mehlsack, Memel, Rastenburg, Saalfeld, Nikolaiken, Wormditt, Stallupönen. Ohne Lehrer sind zur Stunde: Angerburg, Bischofstein, Mohrungen, Johannisburg, Rastenburg, Schippenbeil, Schirwindt, Ruß. Selbstverständlich vollzieht sich solcher Wechsel nur zum Schaden der ruhigen Entwickelung des Unterrichts. In Folge dessen hat sich aber die geplante Jnspicirung entweder als ganz unmöglich oder als zwecklos erwiesen, da dem neuen Lehrer Zeit gegönnt werden muß, sich in die neuen Verhältnisse einzuleben. An dem einen Orte ist durch den Abgang des Lehrers kaum Entwickeltes, mühsam Geschaffenes wieder zerstört, indeß er an anderen Orten von Neuem zu bauen anfangen muß, da ihm sein Vorgänger ein vaonnm hinterlassen hot. Auf diese Weise sind von den geplanten 26 Jnspicirungen 4 unterblieben und auf das nächste Jahr vertagt. Selbstverständlich stehen diesen traurigen Erscheinungen auch freundliche gegenüber. Aus den mir erstatteten Berichten der Herren Jnspicienten, die wiederum den Dank des Verbandes für ihre hingebende, selbstlose Arbeit verdient und soeben aus dem Munde unseres verehrten Vorsitzenden erhalten haben, — wofür ich bestens danke im Namen der Schulinspection, — sowie aus meinen eigenen Beobachtungen geht hervor, daß an einer ganzen Anzahl von Orten, die ich nur nicht nennen mag, um nicht die Ungenannten zu beschämen, fleißig gearbeitet und Erfreuliches erzielt worden; aber was an einzelnen Orten geschieht, muß überall geschehen, was bei der einen Gemeinde möglich, muß auch die andere vollbringen können. Es ist für uns nicht nur Herzenssache, sondern muß auch Ehrensache sein, das Angefangene zu vollenden. Je schwieriger die Zeiten, um so mehr gilt es auszuharren. M. H.! Am Schluffe der letzten Haftora heißt es: 1(1 Io w’chiposon tezeu uwimnusoh Io seleehun ki holecb lif ne ehern adonai umasifchem elohei Jisrael,