Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-10 · Heft 6 (10.2.1887) · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 6 (10.2.1887)
Date
1887-02-10
Page
Seite 93 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227670--44185-3266449
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

93 2. Straßenbau. An der wichtigen Verkehrsstraße Jaffa-Jerusalem hat die türkische Regierung weitere wesentliche Berbefferungen angebracht. Die erste Strecke, welche durch die Gärten von Jaffa hinläuft, ist nun der Art, daß man darauf im Trabe fahren kann. Mit nur kleinen Unterbrechungen ist die weitere Strecke bis nach Ramleh auch in gutem Zustand, so daß diese Hauptstation in 2 Stunden erreicht werden kann. Während der Weg von da bis Bab el-Wad noch Manches zu wünschen übrig läßt, ist der bis auf die Höhe von Saris führende von ausgezeichneter Beschaffenheit. Ganz gut ist auch die über den Gebirgssattel bei Kastell in das Wad Bet Hanina oder das Terebinthenthal hinunter führende Strecke bis Kulonije. Ueber den meist trockenen Wasserlauf im Grunde des Thals führt jetzt eine solide steinerne Brücke hinüber bis an den Fuß des Gebirgszugs, auf dessen Höhe Jerusalem liegt. Diese Brücke ist so hoch gebaut, daß der Weg in der Höhe der Zimmer des Kaffeehauses über die Thalrinne hinübergeht. Von dem im Vorjahr in Angriff genommenen Bau der Straße nach Hebron ist bereits ein Theil kunstgerecht hergestellt. Von der Tempelgemeinde auf der Ebene Rephaim ist ein Verbindungsweg mit dem oberen Bethlehemweg hergestellt worden. Eine sehr wichtige Straßenverbesserung in der Stadt besteht darin, daß man vom Jaffathor an dieselbe mit einem guten Pflaster auszustatten begonnen hat. Bei den Nivellirungen des Bodens sind alte Reste zum Vorschein gekommen. — Was Neubauten betrifft, so sind besonders die Russen aufs Eifrigste beschäftigt, in und um Jerusalem kirchliche Gebäude, Asyle für die Pilger, Hospitäler und dergl. zu errichten und werden dazu von Rußland her mit überreichen Mitteln versehen. Ist es doch schon so weit gekommen, daß die russischen Bauwerke die Stadt so umgürten, daß man von den Bergen her das eigentliche Jerusalem nicht mehr sieht und der Blick auf dasselbe jeden pietätvollen Eindruck verloren hat. Gegenwärtig ist eine drückende Geschäftsstocknng eingetreten. Die Landwirthschaft hat sich merklich dadurch gebessert, daß in Folge der Speculation der Landbau sich bedeutend vermehrt hat. Viele bisher öde gelegene Landstrecken werden jetzt angepflanzt nicht nur in den Küstenebenen, sondern auch auf dem Gebirge. Im württembergischen Verein für Handelsgeographie sprach am letzten Freitag Abend Herr Dr. F. Paulus über die deutschen Kolonien in Palästina und die Aussichten für ihr künftiges Weitergedeihen. Der Redner war selbst 21/2 Jahre im heiligen Lande als Arzt ansässig und unterhielt seitdem vielfache Verbindungen mit den Kolonisten Palästinas. Er bemerkte u. A. Die klimatischen Verhältnisse sind ganz günstige. Im Winter sinkt das Thermometer selten auf 0« C. herab, auch Schneefälle kommen nur selten vor. Nur einmal, erzählte Herr vr. Paulus, habe während seines Aufenthaltes ein starker Schneefall ihn mit einer größeren Gesellschaft zu einer Schlittenpartie nach Bethlehem verführt, die aber unterwegs eingestellt werden mußte, da in jener Gegend der Gebrauch des Bahnschlittens nicht so bekannt ist wie bei uns. Das Auftreten der Malaria, eines in den Subtropen bekannten Sumpffiebers, ist in Palästina höchst selten. Die Vegetation ist, nachdem sie in der regenlosen Zeit von Mai bis September gestockt hat, eine geradezu üppige und wunderschöne. Die politischen Verhältnisse sind des türkischen Einflusses wegen weniger schön; Handel und Verkehr werden niedergehalten, ganze Länderstrecken geradezu der Verwahrlosung überlassen. Die türkische Regierung ist namentlich mit Widerwillen gegen das Eindringen europäischer Kultur erfüllt. Auch die deutschen Kolonien in Palästina erfreuen sich in dieser Hinsicht nicht des geringsten Schutzes, weshalb sie ihre Gemeinwesen auf eigenen Verwaltungsmaßregeln basiren, wonach sie freilich auch alle Gemeindelasten selbst zu tragen haben. Dessenungeachtet haben sie die fortwährenden türkischen Unruhen in unangenehmer Weise zu fühlen gehabt, haben sich aber trotz aller Hindernisse doch nach und nach so gekräftigt, daß ihr Fortbestand unbedingt gesichert ist. — Daß aus den obigen Bemerkungen auch mancher nützliche Wink für die Beurtheilung jüdischer Colonisation im heiligen Lande hervorgeht, ist einsichtlich. Bonn, 2. Febr. (Notizen.) Die französische Academie der schönen Künste hat nach der von ihr ausgeschriebenen Conkurrenz den römischen Preis (zu einer mehrjährigen Reise nach Italien) für die Malerei den Herren Emil Lsvy und Henry Lövy, für die Architektur Herrn Ulmann, drei Israeliten, zuertheilt. — Die Universität Tübingen hat den Herren Gustav Weyl in Heidelberg und Jacob Auerbach in Frankfurt a. M. das ihnen vor 50 Jahren ertheilte Doctordiplom erneuert. Wien, 16. Jan. (Literarische Notizen.) Gestatten Sie mir einige berichtigende Bemerkungen zu der Correspondenz über meine Sachverständigen-Aussage in Nr. 2 d. Zeit, vom 11. Jan. d. I. Es liegt ja auf der Hand, daß der Angeklagte, nunmehr Verurtheilte, nicht Ariel, sondern Arjeh heißt. Sie theilen ja selbst den Satz aus meiner Aussage mit: „In der Bibel wird Juda mit einem Löwen verglichen u. s. w." Es handelt sich also um den Beinamen Juda's Arjeh. Bezüglich des Namens Avigdor habe ich erklärt, daß die beiden Worte, aus welchen dieser Name besteht, I. Ehron. 4, 4 und 18 Vorkommen. Sie bilden aber weder dort, noch Talm. Megilla 13» zusammen einen Eigennamen. Als solcher erscheinen beide erst im Midrasch zu Wajikra Cap. I., und zwar als Beiname Moses. Daß aber ein Name aus den beiden Worten überhaupt gebildet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.