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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-10 · Heft 6 (10.2.1887) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 6 (10.2.1887)
Date
1887-02-10
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 tiger Pflege eine reiche Ernte zu liefern. Die Gewähr für das Gedeihen liegt aber nicht allein in unserer unentwegten zielbewußten Thätigkeit, sondern vielmehr in dem tiefen Interesse, welches die weitesten Kreise unserer galizischen Glaubensgenossen für unsere Schulen bekunden. Jene Gemeinden, in welchen wir Schulen errichteten, sind denselben, wie kühl sie sich auch anfangs ihnen gegenüber Verhalten mochten, allmählich näher getreten, legen selbst Hand an das von uns geschaffene Werk und fördern schließlich opferfreudig ihre gedeihliche Entwickelung. Die Schule erweist sich nachgerade als aussöhnendes, ausgleichendes und nivellirendes Element zwischen den einander schroff gegenüberstehenden religiösen Parteien. Die Schule allein wird in der Zukunft unseren galizischen Glaubensgenossen den innern Frieden zu bringen vermögen." So wurde nun die neue Schule in Sablocia in blühendstem Zustande gefunden, trotzdem daß die Lehrer mit „dem aus den Dörfern herbeiströmendm noch ganz ungehobelten Materiale zu kämpfen haben." Die Schule zählt jetzt 92 Zöglinge, von welchen 40 vollständig mittellos sind und von den Gemeindemitgliedern verpflegt werden müssen, so daß manche derselben 8—10 solche Kinder wöchentlich beköstigen. In Lemberg hatte die Allianz zur Bekämpfung der Borurtheile eine Schule mit gesunden Localitäten für die Chcderkinder mit Unterricht in den profanen Gegenständen in den Abendstunden errichtet. Das hier gegebene Beispiel wirkte auf andere galizische Gemeinden. Es versteht sich, daß dies nur als im llebergang angesehen wird, um schließlich den hebräischen und den profanen Unterricht schulgemäß zu vereinigen. Die Schule zählt 320 Zöglinge und die Erhaltungskosten belaufen sich auf 9000 fl. jährlich. Die vor zwei Jahren in Brody für die Talmud-Thora-Jugend gegründete einclassige Schule ist bereits zu einer dreiclassigen angewachsen mit 171 Zöglingen. In vielen Städten, z. B. in Stryj besuchen die jüdischen Kinder die öffentlichen Schulen und hatten gar keinen Religionsunterricht. Die Allianz berief einen Religionslehrer, der zugleich in den Abendstunden der Chederjugend profanes Wissen beibringt. Diesem Unterrichte wohnen bereits über 100 Zöglinge bei. Gleiches geschah in Rohatyn, wo dem nunmehr geregelten Religionsunterricht 109 Schüler und 203 Schülerinnen anwohnen. Die im Mai vorigen Jahres eröffnete Schule in Stanislau zählt jetzt über 200 Zöglinge, welche vorher dem Cheder angehörten. Es wirken jetzt an derselben neun Lehrer. Die Allianz hat für sie auf drei Jahre jährlich 4000 fl. bewilligt. Mehr als 60 der Schulkinder werden bekleidet und während der vier Wintermonate beköstigt, wozu die Allianz noch 200 fl. steuert. Die Leistungen der Schule sind vorzüglich. So wirken die gegebenen Beispiele nach allen Seiten hin und es ist in der That in den jüdischen Gemeinden vielseitig ein großer Eifer für Schülzwecke geweckt worden. Mit großer Befriedigung berichtet auch der Borstand der Allianz, daß bei unseren Glaubensgenossen in Ungarn für diese Culturarbeit in Galizien eine große Sympathie erwacht ist, welche sich in sehr zahlreichen Beitrittserklärungen bethätigt. Daß die Allianz ihre bisherigen Subventionen zu Schulzwecken in kleineren österreichischen Gemeinden fortsetzt, ist selbstverständlich. Der obige Bericht spricht für die Bestrebungen der Allianz in so nachdrücklicher Weise, daß wir unsere Wünsche für das weitere Gedeihen derselben kaum auszusprechen brauchen. Deutschland. Bonn, 28. Jan. (Privatmitth.) Durch die Auflösung des deutschen Reichstages sind die Petitionen der Thierschutzvereine und die der jüdischen Gemeinden über das rituelle Schächten gegenstandslos geworden. Da voraussichtlich bei dem neuen Reichstage die Petitionen der Thierschutzvereine abermals einlaufen werden, so hätten die Gemeinden auch ihrerseits ihre Petitionen zu wiederholen, was ihnen nunmehr ein Leichtes sein wird. Hierbei wollen wir darauf aufmerksam machen, daß in Nr. 4 der Allgemeinen Medicinischen Centralzeitung (Berlin N. Oranienburgerstraße 42) vom 12. Januar S. 62 und 63 ein Auszug aus dem Gutachten mehrerer medicinischen und naturwissenschaftlichen Autoritäten in Berlin (Birchow, Dubois Reymond u. A. m.) enthalten ist, welche Gutachten diese Gelehrte und Praktiker abgegeben 'haben (dem Wunsche der Regierung entsprechend), um darüber zu entscheiden, ob das Schächten des Biehes — was von diversen Thierschutzvereinen als Thierquälerei denuncirt worden — durch eine humanere Schlachtmethode zu ersetzen sei. Die Aussprüche dieser Koryphäen lauteten dahin, daß die jüdische Schächtmethode die am wenigsten quälende Todesart für das Schlachtvieh sei und das beste Fleisch liefere. Berlin, 28. Januar. (Privatmitth.) In keiner Stadt der Welt blüht das Vereinswesen in so großer Ueppigkeit wie in Berlin. Es giebt keinen Beruf, keinen Stand, keine Tendenz, überhaupt feinen Gegenstand, der wenn auch nur

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