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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-10 · Heft 6 (10.2.1887) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 6 (10.2.1887)
Date
1887-02-10
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 an Stelle derselben hat das Directorium eine Jubiläumsschrift (Posen, Merzbach 1886) ausgegeben. Diese gut abgefaßte Denkschrift giebt die Geschichte dieser Anstalt, die seit 50 Jahren so vielen armen Knaben das Vaterhaus ersetzte, eine gute Erziehung gab und sie selbst in der Lehrzeit unterstützte und beaufsichtigte. Das Entstehen der Anstalt hat eine interessante Geschichte, da es durch einen edel gesinnten Christen bewirkt worden. Es heißt hierüber: „Ein Edelmann im schönsten Sinne des Wortes, evangelischer Confession, der Freiherr Ernst von Kottwitz auf Fachorze (Kreis Bomst), ein Mann, welcher sein ganzes Dasein in den Dienst der werkthätigen Menschenliebe gestellt, hatte im Jahre 1835 einem Gemeindemitglied, David Frankel, der mit ihm in geschäftlicher Verbindung stand, den Entschluß zu erkennen gegeben, eine namhafte Summe „zu Gunsten einer wohlthätigen Anstalt der hiesigen israelitischen Gemeinde zuzuwenden, wenn er zunächst darüber Auskunft erhielte, welche dieser Anstalten am zweckmäßigsten eingerichtet und der Gemeinde am ersprießlichsten wäre." Wenn es nun auch das Recht wohlthätiger Handlungen ist, keiner Begründung und Erklärung zu bedürfen, so mag doch hier angeführt werden, daß der Baron Kottwitz gerade durch die für die Empfänger ehrenvolle Ueberzeugung, „daß eine solche Fundation im Schoße der Gemeinde zu dem festgesetzten Zwecke jedenfalls und stets mit Treue und Sorgfalt verwaltet werden würde," zu diesem in seiner Art wohl einzig dastehenden Anerbieten bewogen worden ist." Einige angesehene Männer der Gemeinde beriethen sich darüber und beschlossen, dem Baron Kottwitz vorzuschlagen, eine Waisenanstalt für die jüdische Gemeinde der Stadt Posen zu gründen. Dieser bewilligte ein Capital von 5000 Thalern, und das Bemühen des provisorischen Comits's ging nun dahin, wohlthätige Menschenfreunde zu bewegen, die Ausführung dieses schönen Gedankens durch Jahresbeiträge und Schenkungen zu ermöglichen. Es kostete dies allerdings große Anstrengungen, denn in jener Zeit war die Gründung einer wohlorganisirten Anstalt noch eine ziemlich unbekannte Sache. Am thätigsten hierfür war der sel. Peter Lippmann, dessen Name deshalb einem ehrenvollen Gedächtniß übergeben werden muß. Schon am 15. Oct. 1836 erfolgte die feierliche Eröffnung der Anstalt mit 14 Zöglingen, selbstverständlich in einem gemietheten Local, aber unter der Aufsicht eines sehr gewissenhaften Pflegers. Zur Ehre des erwählten Directoriums sei bemerkt, daß jeden Tag einer der Directoren die Anstalt besuchte und controlirte. Durch weitere Bemühungen wuchsen die Einnahmen, so daß sie 1844 bereits 2403 Thaler betrugen. Bei der Unzulänglichkeit gemietheter Räume ging das Directorium 1845 nach Erlangung der Corporationsrechte daran, ein besonderes Anstaltsgebäude herzustellen, wozu der damalige König ein Gnadengeschenk von 300 Thalern gewährte. Die Einweihung des Hauses geschah am 16. Sept. 1845. Seitdem steht die Anstalt in voller Blüthe und Wirksamkeit. Das Verzeichniß der Directoren, Ehrenmütter, der Legate nnd Schenkungen ist angeschlossen. Dagegen vermissen wir einen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Anstalt und eine Angabe der Zahl der bisherigen Zöglinge. So weit gediehen, können wir die Zuversicht hegen, daß diese Anstalt auch ihr zweites halbes Jahrhundert in segensreicher Wirksamkeit verbringen, ihre Mittel wachsen, ihre Zöglinge gedeihen sehen wird. Wien, im Januar. Einen höchst erfreulichen Eindruck machen die Berichte, welche die eben ausgegebenen „Mittheilungen der Israelitischen Allianz zu Wien" bringen. Unsere Leser wissen, daß die Wiener Allianz ein selbständiger Verein ist, dessen Wirksamkeit vorzugsweise dem Fnlande, d. h. den Ländern Oesterreich - Ungarns gewidmet ist. Und wahrlich, hier giebt es für humanitäre und culturelle Zwecke viel zu thun, wobei wir rühmend hervorheben, daß diese Allianz auch die Hebung des jüdischen Religionsunterrichtes zum Gegegenstand ihrer Thätigkeit gemacht hat. Unsere Leser wissen aus früheren Artikeln, wie schlimm die Zustände bei den Juden in Galizien, und wie die Wiener Allianz nach dieser Richtung hin ihre eifrigsten Bemühungen gewendet hat. Ihr Hauptaugenmerk ist die Errichtung guter Volksschulen für die jüdische Jugend. Dies ist mit großen Schwierigkeiten verbunden, da zuerst der Mangel an den erforderlichen Geldmitteln und dann die Opposition der starren Orthodoxie überwunden werden muß. Dennoch ging die Allianz rüstig ans Werk. Gegen Ende des vorigen Jahres sandte sie ihren Secretär, Herrn vr. M. Friedländer, nach Galizien, um die gegründeten Schulen zu inspiciren und die Gründung neuer zu vermitteln. Den Berichten hierüber ist das vorliegende Heft der „Mittheilungen" gewidmet. Es heißt hier einleitend: „Wir veranlaßen am Schluffe des abgelaufenen Jahres eine Jnspicirung unserer in den letzten Jahren in Galizien in's Leben gerufenen und subventionirten Schulen. Dieselbe hat, obschon sie ohne Anmeldung und durch unseren Secretär in überraschender Weise erfolgte, ein recht erfreuliches Resultat ergeben, und wir constatiren mit großer Befriedigung, daß diese Schulen, so wenig zahlreich sie auch im Verhältnisse zu den noch zu gründenden sind, bereits die segensreichsten Anregungen gegeben, so daß selbst in den bislang schulfeindlichsten Gegenden das Verlangen nach einem regelrechten Unterrichte immer reger wird. Die Opposition, welche früher unseren culturelle» Bestrebungen hemmend in den Weg trat, beginnt, sich einer besseren Ueberzeugung zuzuneigen. Der von uns ausgestreute Samen beginnt allenthalben in die Halme zu schießen und verspricht bei entsprechender sorgfäl-

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