Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1887)
- Date
- 1887-02-10
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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83 Gebet dem Ewigen seines Namens Ehre, Huldigt dem Ewigen in heiligem Schmuck. Des Ewigen Stimme über den Wassern, Der Gott der Ehren donnert. Der Ewige über gewaltigen Wassern. Des Ewigen Stimme mit Kraft, Des Ewigen Stimme mit Pracht. Des Ewigen Stimme zerschmettert Zedern, Der Ew'ge zerschmettert die Zedern Libanon's, Und macht sie hüpfen wie Kälber, Libanon und Sirion wie junge Büffel. Des Ewigen Stimme sprüht Feuerflammen. Des Ewigen Stimme macht beben die Wüste, Der Ewige beben die Wüste Kadesch. Des Ewigen Stimme macht Hindinnen kreisen. Und entblättert Wälder: In seinem Heiligthum spricht Alles: Ehre! Der Ewige thronte bei der Fluth, Und es thront der Ewige als König immerdar. Der Ewige giebt seinem Volke Macht, Der Ewige segnet sein Volk mit Frieden." Es kann nicht zweifelhaft sein, daß der Sänger die Allmacht Gottes preisen will, wie sie sich über alle Dinge der Erde erstreckt und im Gewitter, im Stnrm, Donner und Blitz desselben kund thut. In Palästina sind die Gewitter selten, aber desto furchtbarer. Das Unwetter zieht von Westen heran über die aufgeregten Wogen des Meeres, gelangt zum Libanon und Antilibanon, die es in ihren Grnndvesten erschüttert und wo es die mächtigen Zedern zerbricht und niederwirft. Abprallend von da zieht es nach Süden über die Ebenen und die Wüste, wo es die Wälder entblättert und nach der Meinung der Alten — die Thiere des Waldes vor Schreck ihre Jungen werfen läßt. In dieser Furchtbarkeit der Naturerscheinung zittert der Mensch, ist voll Schreckens und Angst. Der Psalmist will ihn eines Besseren belehren, will ihm Zuversicht und Ruhe einflößen. Wovor du bebst, ruft er ihm zu, ist nur „die Ehre Gottes," der ruhig thront, die Schrecken enden läßt und dir und aller Welt wieder Ruhe und Frieden gewährt. Daher erhebt sich der Sänger zuerst in die Höhen der Welt. Wenn die Geschöpfe der Erde erzittern vor den Zeugen der Allmacht Gottes: droben in den Höhen der Welt ist Ruhe, und die höheren Wesen, „die Söhne Gottes in heiligem Schmuck" loben, während es drunten donnert und blitzt, die Berge zittern und die Riesen des Waldes stürzen, die Macht und Herrlichkeit Gottes. Dies flößet von vornherein dem Menschen Beruhigung ein: er braucht nicht den Zusammensturz der Welt zu fürchten, sie bleibt in allen ihren Vesten unerschüttert. Nun das Gemälde des Gewitters mit all' seinen Wirkungen. Hieran der Schluß: Wie Gott einst bei der die ganze Erde überschwemmenden Fluth „thronte", ihr Ende herbeiführte und von Neuem Frieden über alle Wesen breitete, so „thront er immerdar" und läßt auch dieses Unwetter vorüberziehen, um der geängstigten Erde Ruhe und Frieden wiederzugeben. Dies ist der Zweck des ganzen Gesanges. In den Schrecken erregenden Wirkungen des Gewitters sollen wir die Allmacht Gottes erkennen, aber sicher und zuversichtlich dem Vorüberziehen desselben entgegensehen, uns also von Furcht und Schrecken nicht überwältigen lassen. Mit feinem Gefühle spielt hierbei der Sänger auch auf die Schrecken der menschlichen Kämpfe im Schlußverse an, aus welchen Macht und Frieden hervorgehen. Darum „spricht in seinem Heiligthume Alles: Ehre!" denn auch die Allmacht Gottes übt keine Zerstörung, keine Vernichtung, sondern will nur Heil und Frieden seiner Welt bereiten. Sein Heiligthum ist eben die ganze Welt in ihren Höhen und Tiefen. Auch hier vereinigt sich die Schilderung des Realen mit dem Idealen der religiösen Ueberzeugung. Der Sänger will die Stürme und Schrecken des Lebens nicht leugnen, aber sie verklären durch die Zuversicht auf Gott, der durch den Sturm zum Frieden führt. Diese Lehre kehrt in der h. Schrift immer wieder. Pest, den 28. Januar 1887. Aus dem ungarischen Abgeordnetenhause. Der gestrige Tag war für die Herren Antisemiten ein denkwürdiger, er brachte ein fürchterliches Strafgericht über sie. Geza Polonyi ließ die Geißel feiner Beredtsamkeit über die ganze noble Gesellschaft mit wuchtigen Hieben nicdersausen. Jeder Hieb traf, und auf jeden antwortete ein ingrimmiger Aufschrei der antisemitischen Partei und frenetische Zustimmung aller andern Volksvertreter. Mit unerbittlicher Strenge hielt er den Antisemiten ihr unpatriotischcs, unmoralisches Treiben und Streben vor und beleuchtete mit köstlicher Satire ihr ganzes Programm. Geza Rücz, ein junger antisemitischer Streber, las Franz Pulzsky, der die Juden gegen die Anklage des Wuchers in Schutz genommen hatte, vor, was Luther über die Juden gesagt hat, und beschuldigte die Unabhängigkeitspartei, daß dieselbe in Kecskemet gegen einen antisemitischen Candidaten gestimmt habe. Ihm wurde dann heimgeleuchtet von Geza Polonyi, einem getreuen Anhänger der Unabhängigkeitspartei, er sagte: Als der Antisemitismus im Schoße der Regierungspartei geboren wurde, haben die Anhänger der Unabhängigkeitspartei es prophezeit, daß die Antisemiten eine Exposilur der Regierungspartei sein werden. Die gegenwärtige Debatte hat diese Prophezeiung glän- 6*