Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
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78 R. Eisik Kolisch sah sein Anbrechen — am 7. Adar I 17 8 3 40) starb er, tief betrauert von seiner Gemeinde. Ihm folgte im Rabbinate der bereits erwähnte R. Naftali Hirz Emden-Heilpern, der sich um diese Zeit schon im vorgerückteren Alter befinden mußte, da er bereits um 1755 als Dajan in der Gemeinde wirkte. Er war auch literarisch thätig.") Nach 13 jähriger Thätigkeit schied er von dannen am 14. Siwan 1706. >-) Sein Nachfolger R. Josef Leipcr, ein Sohn R. Abrahams, der Rabbiner in Böhm. Leipa war, starb schon um 1800.-") Nunmehr ward R. Jesaja Ha-Lewi aus Eidlitz (geb. 1747) auf den vacantcn Rabbinatssitz berufen. R. Jesaja Lcwi, so lautete später sein bürgerlicher Name, war eine stille, fromm angelegte Natur, die vielleicht sonst in allem, was sie betraf, zur Nachgiebigkeit geneigt war, nur nicht in religiösen Dinge». Und doch hatten die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Juden eine Wendung genommen, die nicht ohne Einfluß auf das religiöse Denken und Leben bleiben konnten! Das Toleranzedict des großen Kaisers machte naturgemäß die Bekenner des Judenthnms auf manche Ecken und Kanten, die das Ghetto an 40) Die Inschrift auf seinem Grabsteine, Nr. 97 lautet: rcni "vpvn D'en ,nv'vn rhiy pnwi ,mmn pa 2ub nrta non O'ma' 'Dv fon roppn inxj oyu 'mp ro sb ,D'Mm D'P'D^n ,d'xd^ npam nHi D"P> D'd nnfo vDi D'y;pi ny xnmixp piya pid^ min bw ^mxn -pnc r,Di7i bopd O’pinöi D'-icro o'n D-anri nvknc .p'DD rrn B'cpxp ymx^ D’5>yD m ti trx nayi $>yo pp ptpx O'sis ■'■dpi i:n“xsm uny y.x; mm u'jipx n"n O'Pintin nurtaa •"nipppn p"dx tr^xp prx pnu' amcx p"pipid royi ,yrofo pn^ nvr£ pnu' idip xppi x"y Wm Auf der andern Seite des Steines ist ferner zu lesen: •rpizm T-y;npd p"pr d'dpi D'-im p ixdd n\p D'pjyDtp D'^na a'ppy.p iddxpi “Dtp pax hpin ttnpen n'm r.rnp 'boxep"pb miDi 2~h s-2pm D"nxi B'Ddpibdi D’jixj rr-D not? Di’D rr.nDn ntpnpE inDB'J xm “p'BOD nD-mxiBD y'opn ytpxnn Pix y 'x di1 'ntpippn min 1^ ^mn pax .hifcin p"s^ 41) Auf dem Grabsteine wird er der Verfasser der Werke 'PnBj'D und pys? genannt. Ob sie je gedruckt wurden, konnte ich nicht eruiren. 42) Die Inschrift auf seinem Grabsteine, Nr. 96 lautet: i"“D nij’PDP ddpibop flx.m mn hpin PiPi“ j"b b-j2 U'n^ppp p":x ppB^'m nnBSPDD poy p\p '^tibj ■pxs’ pm y25P ’^nsj ,'^nDJ pyrn ’^nsJ cmip ’pbd prno ^,P7 P12B2 PDpJl *|VD P'1 nnJD PPIX 'p nD5P nP“D3 inDtW .upn bi-m mc- P'D 1D 'x Dl' lrnnoi’ 43) Die Inschrift auf seinem Grabsteine, Nr. 103 lautet: yxrn p W: riDv p"pm p"dn nn mm hpid mxn j"d .pp 0"pn |D': 1"D 2 D"2 J"1J . . . |B"^ p"p2 P"3X DPP3X P"P1HD ihrem Körper und Geiste erzogen und gefördert, aufmerksam. — Schliff um jeden Preis war die Lösung! Auch die nunmehr gesetzlich gebotene Schulbildung, die mit Durst von ihnen, denen dieser Quell des Lebens lange verstopft gewesen, ausgenommen wird, brachte nicht selten Erscheinungen zu Tage, die in den Augen der Strengfrommen zum Schrecken wurden. Die Macht der Geistlichkeit war gebrochen, aber noch immer bleibt die Macht der Kirche, ihre Unabhängigkeit von Gemeinde und Laienwelt. Auch die Macht und der Einfluß des Rabbiners war gesunken, denn der Bann durfte nicht mehr ausgesprochen werden, und Streitsachen kamen vor den weltlichen Richter; hingegen blieb die alte Abhängigkeit von der Gemeinde, auf die der Rabbiner nicht einmal geistig einwirken konnte, da ihm alles weltliche moderne Wissen abging, währen) einzelne Gemeindemitglieder, zumal hier, wo sich zu jener Zeit die Besten aller Kreise und Länder alljährlich zur Sommerzeit ein Stelldichein gaben, mit Leichtigkeit die Errungenschaften des modernen Lebens, wenigstens der Außenseite nach, sich eigen machten. Auch das Mendelsohn'sche Wirken war hier bald bekannt, da die Stadt stets mit Deutschland in inniger Berührung stand und der Schmuggel noch lange, wenn die schlauen und schlimmen Fangarme der Censur in Zeiten der Reaction neue Bücher und Schriften, die einen freieren Geist athmeten, nicht über die Grenze ließen, auch den geistigen Wohlstand förderte. So schaute der lang geknebelte, auch sonst zum Scepticismus leicht geneigte Jude plötzlich Helles, grelles Licht, das sein an Dunkelheit gewohntes Auge leicht blendete. — Die religiösen Formen und Satzungen verloren gar rasch ihre Anziehungskraft und Heiligkeit. — R. Jesaja hörte wohl nicht selten von Dingen, die sein religiöses Bewußtsein arg verletzten und konnte wahrscheinlich bald nicht mehr am Sabbath sein Haus verlassen, wollte er nicht Dinge sehen, die sein Inneres empörten. Auch sonst mag es ihn nicht an Unannehmlichkeiten im Gemeindeleben gefehlt haben — ein neuer Faktor trat hier auf, der nicht selten im Gegensätze zum Rabbiner stand — der Lehrer. Der hiesige öffentliche Lehrer Jsak Stern war ein Kind der Gemeinde und ob diese anfangs auch auf Seiten des alten Rabbiners stand und jenen zwang, dem von ihm gekauften alten Manne, der das Seelsorgeamt der Gemeinde versah, Abbitte zu leisten, so trug wahrscheinlich später doch der gebildete, moderne Lehrer über den alten, dem jungen Leben und Denken entfremdeten Rabbiner den Sieg davon. So entwickelte sich im Innern des R. Jesaja ein Groll gegen Zeit und Leben, eine Kluft gähnte zwischen Rabbiner und Gemeinde, die, je länger und tiefer sic würde, desto schädlicher auf die Entwicklung des religiösen Bewußtseins einwirkte. Am 25. Schewat 1831 starb R. Jesaja mit Groll im Herzen, nachdem er in seinem Testamente den Wunsch