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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-03 · Heft 5 (3.2.1887) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 5 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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77 Gemeinden in Hebron, Safad und Liberias bestimmt. Die Erben Nissims hatten die Gültigkeit des Testaments angefochten, welche jedoch jüngst vom Gerichtshöfe zu Livorno anerkannt wurde. Sonach werden nunmehr auch die obigen Legate zur Auszahlung kommen. — Durch ein Teeret des Präsidenten der französischen Republik vom 28. Dezeniber ist der Brigade-General Levy zum Platzgouverneur von Lille und zum Obercommandanten der Vertheidigung ernannt worden. — In Hamburg feierte am 19. Januar der Präsident der dortigen Anwaltskammcr, der ehemalige nationalliberale Reichstagsabgeordnete Dr. I. Wolsfson, seinen 70. Geburtstag. Bonn, 23. Januar. (Literarische Notizen.) Der Vollständigkeit wegen bemerken wir für diejenigen unserer Leser, die sich dafür interessiren, dag Renan seinen zweiten Artikel über „das Gesetz" in der Revue des deux Mondes vom 15. December veröffentlicht hat (p. 799—822). Wir fühlen uns nicht veranlaßt, uns an dieser Stelle, nach unserer Kritik des ersten Artikels, weiter in diese Phrasen- und hypothesenreiche Schrift einzulassen. Renan bespricht hier zunächst den Leviticus, den er als einen dritten Codex ansieht und dem Ezechiel zuschreibt. Würde man ihm einwenden, daß ja im Buche dieses Propheten ein besonderer, in mehreren Punkten abweichender Codex enthalten ist, so würde er diesen mit geringer Mühe irgendwo anders unterbringen. Wer sich die Freiheit aneignet, über die alten Schriftdenkmäler nach Belieben zu verfügen, kommt in keine Verlegenheit. Am Schluffe bespricht er die Redaction der Thora, die er von Esra beenden läßt. Man sieht, daß Renan in diesen Meinungen nicht originell ist und an Beweisgründen hat er das Material nicht sehr bereichert. Aber Alles ist schön geschrieben und durch Anthithesen pikant gemacht. So lauten seine! Schlußworte: „Die Bibel wurde das Universalbuch und Alles > in Allem, wenn eine Nation die Bibel gemacht hat, kannl man ihr verzeihen, den Talmud gemacht zu haben".^) — Die Lieferung Nr. 26, October bis December 1886 der Revue des etudes juifs, Paris, Darlacher, hat einen reichen Inhalt. I. Ha levy setzt seine Untersuchung über das 10. Kap. des ersten B. Mos. fort, und zwar diesmal über den Zweck und die Bedeutung dieses Kapitels. Das von Kayserling im Jahrbuch für die Geschichle der Juden und des Judenthums B. 4 (1869) veröffentlichte Reglement der Juden von Castilien aus dem Jahre 1432 wird von Isidor Loeb von Neuem behandelt und mit den Reglements der Juden von Sicilien und anderer Länder verglichen. S. Rcinach referirt über die Synagoge von Hammamel. Eng. Neubauer bringt Ergänzungen zu der Ausgabe des N. Thanchuma von S. Buber; Scheid den Schluß der Lebensbeschreibung des Loselmann von Rosheim. In einem früheren Jahrgang dieser Zeitung analysirte Kayserling die jüdische Corrcspondence mit Johann Buxdorf. Hier setzt er denselben Gegenstand ausführlicher und mit Hilfe anderer Quellen auseinander. Endlich giebt Jonas Weyl den Schluß seiner Abhandlung über die jüdischen Schützlinge Frankreichs in der Levante und der Berberei unter Ludwig XV., indem er die betr. Documente anfügt. Isidor Loeb giebt nach Docuinenten, die in dem Boletin de la Real Academia de la Historia veröffentlicht worden, eine gegen die früheren Darstellungen berichtigte Erzählung von den Judenverfolgungen in Valencia und Madrid im Jahre 1391. Vermischtes und Noten, sowie eine bibliographische Uebersicht beschließen die vorliegende Lieferung, die sich würdig den vorangegangeneu anschließt. — l) Bekanntlich ist Renan nur wenig mit dem Talmud vertraut, und hat, wie er selbst bekennt, bei Abfassung seiner früheren Schristeu, wenn er den Talmud berührte, sich der Hilfe jüdischer Gelehrter bedient. I e u i l l e 1 o n. Skizze zur Geschichte -er Juden in Geplitz (Söhmen). Bon Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner und Prediger daselbst. (Fortsetzung.) Nach langem, langem Dunkel dämmerte es endlich auch in Oesterreich. R. Eisik Kolisch schaute noch den anbrechenden Morgen — Kaiser Josef II., vielleicht der edelste Fürst, der je auf einem Throne gesessen, wurde Alleinherrscher. Wie die Dünste schwinden, und der Nebel flieht, wie der Sonne Glanz erstrahlt, so verscheuchte sein Heller Geist, sein liebewarmcs Herz die Nacht des Wahns, das Grauen des Fanatismus. Eine Reihe von Ausnahmegesetzen fiel, der gelbe Tuchlappen, den Engherzigkeit auf jeden jüdischen Rock geheftet hatte, hörte auf — die Juden wurden Menschen. Die Schulen wurden auch ihnen eröffnet und bald war jede Gemeinde gezwungen, für die Creirung von Normalschulen zu sorgen. Ackerbau und Gewerbe wurden ihnen freigegebeu und jeder Jude mußte neben seinem althergebrachten Namen auch einen bürgerlichen tragen. Der Morgen dämmerte,

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