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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-03 · Heft 5 (3.2.1887) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 5 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 Phisch berufen!" — „Das glaube ich Ihnen auf's Wort, aber ändern kann ich die Vorschriften doch nicht!" Alle weiteren Debatten erweisen sich als fruchtlos, der Professor und sein Diener müssen die Waggons verlassen. Nun stürzt der Professor auf das Telegraphenbureau. Seine erste Depesche ist an den Kiewer Millionär gerichtet, den er von dem Vorfälle verständigt; ein zweites Telegramm sendet er an den russischen Botschafter in Wien, Fürsten Lobanoff. Inzwischen braust der Zug davon und der Professor hat bis zur Erledigung seiner Angelegenheit hinlänglich Muße, sich mit den Reizen von Podwoloczyska und Umgebung zu befassen. Nach einigen Stunden erhält er eine Depesche aus Kiew von seinem Patienten: „Ich habe Alles aufgeboten, um Ihnen die Reise zu ermöglichen. Bisher ohne Erfolg." Bald darauf eine zweite Depesche: „Der Gouverneur hat mir soeben seine Intervention zugesagt. Hoffe, Sie bald hier zu sehen." Vom Botschafter in Wien kam keine Antwort. Der Inhalt des an denselben gerichteten Telegramms war auch in der Thal gereizten Tones . . . Nach langen, bangen Stunden taucht endlich der Gendarmerie-Lieutenant wieder auf. „Herr Professor," ruft er dem fast schon Verzweifelnden zu, „.soeben telegraphirt mir Se. Excellenz der Herr Gouverneur von Kiew, daß Ihrer Reise dahin nichts mehr im Wege steht. Sie können den nächsten Zug benutzen." Und da ist auch schon der nächste Zug und der Professor, der in die russischen Verhältnisse in so kurzer Zeit so gründlichen Einblick gewonnen, dampft weiter in das Zarenreich. In Kiew operirte er seinen Patienten und machte sich raschmöglichst auf die Rückreise. Da erreichte ihn wieder eine Depesche: Der Gouverneur von Odessa telegraphirt ihm, er habe von seiner Anwesenheit in Kiew gehört, er bitte, ihn behufs Konsultation gleich zu besuchen. „Nein", sagt der Professor, „ich habe genug an meinen russischen Abentheuern." Er lehnt höflich ab und kehrt zurück nach Wien, um recht bald hier mit seinen zahlreichen Freunden über russische Cultur und russischen Fortschritt plaudern zu können . . . Großbritannien. London, 19. Januar. Ein großes Unglück hat sich in dem israelitischen dramatischen Club ereignet, über welches die „Daily News" folgendes meldet: „In dem Israelitischen Dramatischen Club, Princes Street, fand eine Vorstellung statt, welcher ungefähr 500 Personen, meist Israeliten, beiwohnten. Während der Vorstellung rief jemand auf der Galerie „Feuer", und in demselben Augenblicke wurde das Gas ausgelöscht, worauf eine furchtbare Panik entstand. Die ganze Versammlung stürzte in einer fast zusammenhängenden Masse gegen die Thür, wobei Viele unter die Füße getreten wurden. Ein Polizist, welcher das Geschrei hörte, gab mit seiner Pfeife ein Signal und erhielt Beistand, allein ehe der Saal geräumt werden konnte, lagen 16 Personen — 12 Frauen, 3 Knaben und 1 Mann — tobt auf dem Boden. Aerztliche Hülfe war bald zur Stelle, allein von derselben konnten nur Diejenigen Nutzen ziehen, welche ohnmächtig geworden waren oder Contusionen erhalten hatten. Die Letz, teren (Henry Gilberg 30; Harry Gilberg 5; Harris Goldstcin, Leon Adler, Friedman Roselander, Sarah Marks und Rachel Costa) wurden in das Londoner Hospital gebracht, von wo sie bald nach Hause befördert werden konnten. Nach einem späteren Telegramm der „K- Z." sind 17 Personen umgekommen. Unter denselben befinden sich drei Personen Namens Levy, je eine Namens Goldstein, Rosenfeld, Silbermann, zwei Krotowskis, zwei Gubert, eine Marks, Ellis, Moncadum, Aizan — zusammen 12 Frauen, 1 Mädchen, 1 Mann und 3 Knaben. Die Ausgangsthür der etwa 700 Personen fassenden Halle sei so eng, daß sie nur zwei Personen gleichzeitig den Durchgang gestattete. London, 21. Januar. Nachdem gestern Morgen die gerichtliche Todtcnschau über die Opfer der Katastrophe bei der Theatervorstellung des Hebrew Dramatic Club stattgefunden hatte, erfolgte gestern Abend die Bestattung von sechs der Unglücklichen auf dem jüdischen Friedhofe in West Ham. Die übrigen elf werden heute beerdigt werden. Der Rabbiner Spiro von der Central-Synagoge leitete gestern den rituellen Theil des Begräbnisses. — Das Jewish Chronicle hat eine Sammlung für die Verunglückten eröffnet. — Bonn, 23. Januar. (Notizen.) Man meldet aus Wien vom 17. Jannuar. Eduard Freiherr v. Todesco ist heute früh im 74. Jahre gestorben. — Aus Siebenbürgen, 10. Jan. Gestern wurde in Karlsburg Abraham Wolf, der älteste Mann Siebenbürgens, zu Grabe getragen. Er erreichte das seltene Alter von 112 Jahren und war dabei stets rüstig und bei gutem Appetit, nur das Augenlicht war etwas geschwächt. Im Jahre 1816 war er Fuhrmann, und da hatte er das Glück, im Winter desselben Jahres Kaiser Franz von Karlsburg nach Hermannstadt zu fahren. Dies war die größte That seines Lebens, der er sich auch stets rühmte. Auch erinnerte er sich recht lebhaft der französischen Gefangenen, die im Jahre 1812 bis 1815 in der Karlsburger Festung internirt wurden. — Wie uns aus Leipzig mitgetheilt wird, ist die Bemerkung in der vorletzten Nummer, daß Herr Rabbiner Dr. A. M. Goldschmidt in den Ruhestand getreten, durchaus unbegründet und beruht auf einem Mißverständniß. — Im Jahre 1873 verstarb zu Livorno, wie wir seiner Zeit mittheilten, Kaid Nissim Samama mit Hinterlassung eines großen Vermögens. Unter den Legaten waren 200,000 Frcs. für eine Jeschiba in Jerusalem und je 25,000 Frcs. für die jüdischen

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