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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-02-03 · Heft 5 (3.2.1887) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 5 (3.2.1887)
Date
1887-02-03
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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71 Äanzen, wie vou allen Aufgaben des seelsorgerischen Wir-> „Nicht dir liegt es ob, das Werk zu vollenden, aber trotzkens im Rabbinerstande gilt das herrliche Wort des Talmud: dem bist du nicht berechtigt, dich davon loszusagen." Deutschland. I Bonn, 21. Januar. Täglich kommen uns jetzt Zeitungsblätter zu, in welchen in wohlwollendster, anerkennendster Weile das 50jährige Jubiläum unsres Blattes besprochen wird. Wir sagen dafür den herzlichsten Dank. Von jüdischen Zeitschriften sind wir besonders der „Neuzeit", dem „Jewish Chronicle“ und beit „ Archives israelites“ verpflichtet. Die Redaction. Berlin, 20. Januar. (Pnvatmitth.) Es ist einsichtlich, daß, so wenig wir in diesem Blatte auf die Erörterung politischer Verhältnisse und Vorgänge einzugehen haben, doch dieselben nicht außer Acht lassen dürfen, so bald und so weit sie auf das Schicksal unsrer Glaubensgenosseuschaft in Gegenwart und Zukunft Einfluß zu üben angethan sind. Somit können wir auch die Gestaltung des Wahlkampfes und dessen Ausgang nicht mit Stillschweigen übergehen. Selbstverständlich interessiren uns diese als Angehörige des deutschen Reiches und des preußischen Staates im höchsten Grade. Die A. Z. d. Jud. aber hat sich in die politischen Kämpfe nur einzulassen, in wie weit etwa jene judenhetzerische Bewegung in der Stellung der Parteien zur Geltung kommt. Es ist aus diesem Gesichtspunkte von Bedeutung, daß die beiden conservativen Parteien mit der nationalliberalen ein Cartell abgeschlossen haben, nach welchem die gegenwärtigen Abgeordneten der beiden Parteien, sobald sie ihr Mandat behalten wollen, die Stimmen derselben erhalten müssen u. s. w. Alsbald erhob sich die Frage, ob dann die Nationalliberalen für Männer wie Stöcker, Wagner, Cremer, Liebermann von Sonnenberg ff. stimmen müssen? Die „Nationalzeitung" erklärte sich dagegen und meinte, daß solche Extremen ausgeschlossen sein müßten, da kein „gemäßigter Liberaler" für solche Herren stimmen könnte. Darüber gerieth die Kreuzzeitung in heftigen Zorn und erklärte dies sogar für einen Bruch des Vertrages. Nach dem Cartell mußten die Nationalliberalen für jeden Conservativen, der ein Mandat hat, stimmen, ohne sich ein Urtheil über dessen anderweitige Qualification anzumaßen. Gegen dieses Argument kann nichts eingewendet werden, und so wird z. B. Stöcker in Siegen wiedergewählt werden müssen, wenn auch vor einiger Zeit die dortigen Nationalliberalen erklärt haben, daß sie Stöcker nicht wieder wählen würden. Es frägt sich natürlich, ob auch alle Wähler sich den Bestimmungen des Cartells unterwerfen werden. | Nachschrift. Obigem muß ich hinzufügen, daß das Wahlcomitö der vereinigten Conservativen und Nationalliberalen nun doch beschlossen hat, Stöcker in Berlin nicht aufzustellen, sondern ihn in dem Siegeuer Kreise, den er zuletzt vertrat, zu erhalten, wo nunmehr die Nationalliberalen ihm ihre Stimmen geben sollen. Die Proteste der Kreuzzeitung und der Köln. Ztg. gegen das Fallenlassen Stöckers in Berlin haben also nichts gefruchtet. Man will Virchow gegenüber einen gemäßigten Conservativen aufstellen. Mit diesem Beschlüsse sind natürlich die Antisemiten nicht zufrieden, da sie auf diese Weise in Berlin völlig in den Schatten der Vergessenheit gedrängt werden, und weil einige ihrer Führer, namentlich Liebermann von Sonnenberg, sich schmeichelten, wenigstens als Candidaten aufgestellt zu werden und so einmal wieder in die Oeffentlichkeit zu treten. Sie haben deshalb eine Versammlung gehalten, in welcher darauf gedrungen wurde, daß nach der Militärvorlage im neuen Reichstage endlich auch die Jndenfrage zur Verhandlung kommen müsse. Liebermann von Sonnenberg verlangte, daß Stöcker im zweiten und ein anderer Antisemit — man räth leicht, wer? — im ersten Berliner Wahlbezirk aufgestellt werde, wo nicht, würden die Antisemiten in jedem Wahlbezirk einen eigenen Zählcandidaten aufstellen. Diese Drohung erscheint jetzt mehr lächerlich als gefährlich, und die ganze Demonstration erweist, daß in der That die antisemitischen Hetzer in Berlin ihre Rolle so gut wie ausgespielt haben, nur daß der Zauberlehrling die heraufbeschworenen Geister noch nicht wieder als Besen in die Ecke zu bringen vermag. — Wie man erführt, wollen die Nationalliberalen in Siegen nicht für Stöcker stimmen. Dann würde der ganze Handel, der den Hofprediger in Berlin abtreten ließ, weil Siegen durch das Cartell sicher wäre, gescheitert sein, und Stöcker wirklich nach seinem eigenen Ausdruck „vom Schlachtfelde in den Graben" geworfen sein. Doch getrost! St. versichert seinen „Christlich Socialen", er wäre nicht auf immer abgetreten! und Liebermann v.Sonnenberg gegenüber, er „würdenoch gegen die Juden sein, wenn schon die strammsten Antisemiten verschwunden sind." Sie müssen also nach dem Zeugnisse ihres eigenen Vaters im Verschwinden sein! (S. dagegen die Correspondenz aus Siegen. Red.) Berlin, 23. Januar. (Privatmitth.) Die Vorgänge in der Wahlbewegung, wie sie sich bis heute in Berlin abgespielt, haben zum Resultat, daß Stöcker und Prof. Wagner

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