Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1887)
- Date
- 1887-01-25
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227663-3227668--44151-3266413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
61 geld und bei etwaiger Verschweigung für jeden Kreuzer einen Strafgulden zu entrichten hattet). Zur Controle des ganzen Geschäftsgebahrens lag in dem jüd. Gemeindehause das Pardonsbuch auf, das natürlich unter Aufsicht der Herrschaft stand, in welches jeder Jude alltäglich alle Geschäftsabwickelungen genau specificirt eintragen mußte. Als Rabbiner der Gemeinde, wahrscheinlich als der erste, wirkte R. Löwe^o). Johann Georg Marcus starb 1700 und schon 1702 sein Nachfolger Johann Georg. Die Herrschaft überging nunmehr auf Franz Karl. Zu dieser Zeit zählte die Gemeinde etwa 180 Seelen. Um 1717 starb der hiesige Rabbiner R. Jacob, der ein Sohn des Dajan R. Maues genannt wird, betrauert von der Gemeinde, im hohen Greisenalterol). Seine Ehegattin Kele, deren Klugheit »nd Herzensgüte gerühmt wird, überlebte ihn nur um einige Jahre32). Die rasche Vermehrung der Juden im ganzen Lande, die sich am einfachsten durch den starken Zuzug von Außen erklärt, brachte das kaiserl. Patent von 1708, durch welches die Einwanderung erschwert, und das von 1727, durch das die Vermehrung eingeengt werden sollte, da nach demselben das Jncolat eines verheiratheten Juden nur auf dessen ältesten Sohn überging, die anderen männlichen Nachkommen aber aus dem Lande zu ziehen genöthigt waren. Zudem muhten sich die betreffenden Brautleute stets über den Besitz eines bestimmten Vermögens ausweisen^). 29) Vgl. John, Chron. II, 663. 30) lieber die Zeit seiner Wirksamkeit, sowie über diese selbst vermochte ich nichts zu eruiren. Herr Simon Hork in Prag, dem ich auch andere Notizen verdanke, theilte mir sreundlichst mit, daß 1690 eine Tochter des R. Löwe in Prag gestorben sei Als sicher darf angenommen werden, daß vor 1600 hier kein Rabbiner fungirt, da jonst die Instruction des Radislav Witinsky, eben, wie oben mitgetheilt wurde, unter anderen den hiesigen Juden Verbote» hatte, init ihren Rechtssachen zu dem Prager Rabbinate zu gehn, unverständlich wäre. 31) Die Inschrift auf seinem Grabsteine, Nr. 338 lautet: 7.X' bv G'Ct? IDÄ' pN7 b ~772 1377^ i?7 2pyi 3"D ,y-.;j p 3py "170 277 r,"n nitnd y^o: ,773 p7"573) '7yC2 177 7tPN p5>B'D p"|77 7"2N b"' )'17 B'ONO ,p"sb;"j?n ^D3 '3 '3 DT CD' JJ2B7 ]p: 2732’ 32) Die Inschrift auf ihrem Grabstein, Nr. 337 lautet: 7210'n 76PN7 7"7 71112^ b]l 707 77171 70372 7770 7'0 >777132 'J 7D b"\ 3py 7"0 001707?|1^N7 377 PtTN N^p 'D P"üb 2D7 1^03 I"’ 'N 0V3 773pJl p'^D 33) In dem hiesigen Gemeindebuche — von mir mit Gemeindebuch I bezeichnet — das mit Aufzeichnungen aus dem Jahre 1720 beginnt und etwa bis zum Jahre 1770 führt, wird das Formular der Bestätigung, die jeder Heirathscandidat von dem Gemeindeältesten bei seinem Ansuchen um Heirathsbewilligung ausgestellt erhielt, mitgetheilt; es lautete: Wir endesunterschriebene, Aeltesten und Gemeindeältesten der Judenschaft Teplitz, bezeugen und bekennen hiermit zur Steuer der Wahrheit, daß der N. N. des hiesigen Schutzjuden N. N. erstgeborener Sohn, seines Alters 20 Jahre, keinen ver- Das Berhältniß der hiesigen Judenschaft zur Stadtgemeinde scheint ein ziemlich befriedigendes gewesen zu sein. Am 17. März 1735 erwirkte jene nach mehrfach mißlungenen Versuchen, daß die Synagoge und das neben derselben befindliche Gemeindehaus, in dessen Parterre der jeweilige Rabbiner wohnte, ebenso das in der Hinteren Judengasse (heute „ breite Gasse" genannt) befindliche Gemeindehaus, das vom Vorbeter und Gemeindediener und sonstigen Parteien bewohnt wurde, in dessen Parterre die Gemeindebackstube und der Gemeindeofen sich befanden, grundbücherlich eingetragen wurden. Schwere Zeiten waren über die Juden seit dem Regierungsantritte Maria Therefia's hereingebrochen. Die sonst gutinüthige Kaiserin war zum Spielballe der jesuitischen Machinationen geworden. In einem Erlasse vom 18. Dez. 1744 wurde verfügt, daß künftighin in ganz Böhmen kein Jude zu dulden und nach Verlauf des Monates Juli 1745 keiner mehr anzutreffen sei. Der Erlaß wurde wohl zurückgenommen, allein die Lage der Juden verschlimmerte sich: die Judensteuer wurde erhöht und allgemeine äußere Abzeichen (lange Bärte und gelbe Tuchlappen) zu tragen, geboten. Höchstwahrscheinlich war die Gemeinde durch den Zuzug vieler Familien aus Prag ziemlich gewachsen. Um diese Zeit der Noth starb Rabbiner Abraham Poppers, Sohn des Benjamin Poppers da-Kohen aus Prag, ein Bruder Jacob Kohens, Rabbiner in Frankfurt a. M., zu dessen Werke 2p20 R. Abraham um 1741 als Teplitzer Rabbiner eine Approbation schrieb, kinderlos und R. Jonathan Eibenschütz, sein ihm wohlgesinnter Lehrer, betrauerte tief und innig seinen Tod in einer 1746 zu Metz gehaltenen Trauerrede^). Noch kurz vor seinem Tode entwarf er im Vereine mit heiratheten Bruder im Königreiche Böhmen hat und daß N. N., hiesigen Schutzjuden leibliche Tochter, Namens dl. N., ihr Alter 22 Jahre, zu heirathen versprochen ist und bekommen wirklich zum Heirathsgut 250 fl. Bei dieser Wahrheit attestiren wir und bekrästigen es mit unserer selbstigen Handunterschrist benebst beigedrucktem Jnsiegel. Gegeben Teplitz am 17. Nov. 1752. Nebenbei sei bemerkt, daß das Gemeindebuch mit jüd. Schrift geschrieben, zumeist ein Gemisch von hebräischen und deutschen Redensarten ist. 34) Den Grabstein R. Abrahams konnte ich nicht eruiren; er findet sich auch nicht in dem von der ChebraKadischa angesertigten Verzeichniß. Ich vermuthe ihn aber in dem stark verwitterten, mit No. 160 bezeichneten, aus dem noch die Worte: ^70ee0 YfOÜ P"p2 72'L"2 777 )733 zu sehen sind. Die Trauerrede R. Jonathans findet sich in dessen £Q7 ony'o ed. Warschau S. 51b s. das. den Passus: 0773N 7"10 5^0107 s-1737 277 '3 ljyöE' 71^721 71P7 7iyiOL» anOND (so muß statt das in dieser Ausgabe falschen tyyNDND gelesen werden) ->vi bbj p7> ^2 n"iy2 ioSyi> 7^,7 p^0'07 27 )'2 s>7373 B'DD '3 1'7'2'71 l'NNOO 7SW '300 p7 1^> L77' 703721 77172 ipoy b 7771 1'y» 1172 '77171 ''y O'D pll'1 '372 7N7'21