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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-18 · Heft 3 (18.1.1887) · p. Seite 45

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 3 (18.1.1887)
Date
1887-01-18
Page
Seite 45 (sequence 13)
Language
German
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45 hätte. Wir nennen nur Salvador und Saalschutz, um dies als irrig zu bezeichnen. — Einem wirklichen Bedürfnis; kommen zu Hülfe: „Sabbath - Reden für die israelitische Jugend über alle Wochcnabschnitte des Schuljahres. Von Elias Karpcles, Rabbiner und Prediger der israelitischen Tempelgemeinde Wieden und Margarethen in Wien. (Breslau, Preuß & Jünger, 1887.)" Wir heben aus dem Vorwort folgende Stelle hervor: „Die Institution des Sabbath-Gottesdienstcs für die israelitische Schuljugend, die der Initiative des Kultusvorstandcs der Wiener Gemeinde ihre Entstehung verdankt, hat sich in unserem Vatexlande schon fest eingebürgert. Sie hat unserer Jugend den Sabbath wiedergegeben, der ihr fast verloren zu gehen drohte. Möchte diese Institution auch in Deutschland und überall, wo die israelitische Jugend die allgemeinen Schulen besucht, zur Einführung gelangen, damit unsere Fugend, gekräftigt im Glauben der Väter, belehrt über Israels Vergangenheit und Zukunft, vertraut mit den Worten der Schrift und mit den Hoffnungen der Propheten, der großen, ihrer harrenden Aufgabe im Leben gerecht zu werden vermöge." Möchte dieser Wunsch in Erfüllung gehen! Die hier gebotenen Reden werden Bielen, welche einen solchen Jugendgottesdienst leite», sehr willkommen sein. Sic sind kurz, für die Jugend durchaus verständlich, innig und in dem engen Rahmen den Gegenstand erschöpfend. Wer da weiß, daß es viel schwieriger ist, eine kurze inhaltreiche Ansprache abzufassen, als einen ausführlichen, über alle Thcile des Themas sich erstreckende» Vortrag, der wird dem Verfasser für diese homiletische Gabe sich dankbar verpflichtet fühlen. Iseuille 1 on. Skizze zur Geschichte der Juden in Geplitz (Söhmen). j Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner und Prediger daselbst. > (Schluß.); Obrist Hieronymus Freiherr v. Clary, auf den die Herr-! schaft überging, war ein eifriger Protector des Jesuitencolle-; giums in Mariaschein, was sicherlich keinen allzugünstigen Einfluß auf die Lage der Judenschaft hatte. Bald brach; auch in der That ein arger Conslict zwischen der Herrschaft! und den Juden aus. Der gnädige Herr hatte beschlossen, ' den hinter dem Herrenhause an der östlichen Stadtmauer: gelegenen „Spittelgarten" (heute der Curgarten genannt), der, an den jüdischen Friedhof grenzte, zu erweitern und fand es demnach für gut, eine Thüre, die nach dem Garten durch die Stadtmauer führte, und durch die die Juden seit jeher ihre Todten zur Beerdigung trugen, zu beseitigen. Dagegen protestirten die Juden und diesmal mit ihnen die Stadtgemeinde, diese aus Furcht, die 4 Schock Groschen, die die Juden alljährlich für den Grund des Friedhofes zahlten, zu verlieren. Allein bald wurde es der Bürgerschaft begreiflich gemacht, welch' günstige Gelegenheit gekommen sei, sich der jüdischen. Concurrenz zu entledigen, zumal in derselben Zeit den Juden der Aufenthalt in Brux, Kommotau, Eger, Karlsbad, Saaz, Bilin, Dux, Klostergrab, Graupen, Karbitz, Trebnitz, Leitmeritz, Tetschen, Kamnitz, Bensen und an anderen Orten verboten wurde; was Wunder, daß die Juden vergebens protestirten und zuletzt froh sein mußten, daß im ganzen Leitmeritzer Kreise Teplitz die einzige Stadt blieb, in der wenigstens den behausten Juden der Aufenthalt gestattet war! Am 24. Januar 1667 wandte sich die Bürgerschaft an Hieronymus v. Clary, der inzwischen zum Grafen von Clary und Aldringen erhoben wurde, mit einer Beschwerdeschrift, in der namentlich geklagt wurde, die Juden entzögen der Stadt allen Handel und Wandel — thatsächlich waren sogar einige Juden zu Haus und Hof außer der Gasse gekommen — und brächten die Bürgerschaft zum äußersten Verderben, und wofern die Juden noch ferner hier geduldet werden sollten, müßte die Stadt, die ohnedies halb verödet und unbewohnt, — 1655 zählte sie nicht mehr als 500 Personen — in das äußerste Verderben gerathen; daher sie die Bitte richteten, die Herrschaft möge sich ihrer um Gottes willen annehmen und vermitteln, „daß wir arme Christen und Bürgersleute — Gott erbarme es — von dem von Gott verfluchten jüdischen Blute nicht vollends gar unterdrückt werden, damit die Juden, wo nicht alle, doch wenigstens zu zwei Dritte theilen von hier abgeschafft werden, daß ihrer höchstens ein Hundert — deren überflüssig genug wären — wenn sie ja geduldet werden müssen, allhier gelassen würden." In Folge dessen wandte sich Graf Hieronymus an den Bischof von Leitmeritz um Rath. Dieser drang vor allem darauf, daß die Juden — es loaren ihrer fünf —, die außerhalb der Gasse Häuser besaßen, dieselben mit christlichen in der Gasse vertauschen; zugleich wurde ihnen verboten, unter Christen zu baden und christliche Dienstboten zu halten, an Sonnnnd Feiertagen auszugehen; endlich aber sollten alle, die

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