Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1887)
- Date
- 1887-01-18
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
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ohne gruildobrigkeitliche Erlaubniß sich in der Stadt niedergelassen hatten, dieselbe innerhalb vier Wochen verlassen. Wohl erhoben dagegen die „deputirten Kreiseinnehmer" und „landesdeputirten Einwohner der Judenschaft", alle Beschuldigungen zurückweisend, Protest; allein was nützte es! Ein Statthaltereierlaß vom 3. Februar 1868 bestätigte vollinhaltlich die Verordnungen der Herrschaft, und so wurden am 5. April desselben Jahres, nachdem sich eine große Zahl von Juden schon früher freiwillig entfernt hatte, 21 jüdische Familien mit 124 Personen gewaltsam aus der Stadt entfernt und nur 8 Familien mit 34 Personen durften hier bleiben. Zwar waren nach einigen Monaten fast alle wieder zurückgekehrt, so daß bald wieder 262 gequält wurden; allein schon am 24. Oktober desselben Jahres wurden sie zum zweiten Male ausgewiesen, die Zurückbleibenden wurden auf „die Gasse" verwiesen, die sie an Sonn- und christlichen Feiertagen nicht verlassen durften; zudem wurde verordnet, daß alle ohne Unterschied des Geschlechts und Alters, um auf den ersten. Blick als Juden erkannt zu werden', eine große Halskrause als Abzeichen tragen sollten; der alte jüdische Friedhof wurde cassirt und ein neuer auf der Anhöhe, die früher „der große Stein", jetzt aber „der Judenberg" hieß, angelegt. Noch manche Verhandlung mußte später über den Zugang zum Friedhofe, sowie über die Ueberwachung desselben mit den Anrainern und der Stadtgemeinde stattfinden — nicht uninteressant ist es, daß man der Gemeinde nicht gestatten wollte, auf dem Friedhofe ein Todtenhäuschen zu erbauen und nur aus Furcht, es könnten mit der Zeit arme durchreisende Juden dort ihr Quartier ausschlagen — im Ganzen aber war die Frage gelöst: Die Todten wurden daselbst bis zum 23. Oktober 1862, an welchem Tage die feierliche Schließung des alten Friedhofes erfolgte-*), bestattet.! 28) Die bei dieser Gelegenheit von dem verstorbenen Kreisrabbiner Dav. Pick gehaltene Predigt: „Ich vergesse Dein nie!" ist im Drucke erschienen. Gelegentlich der Erbauung des hiesigen Stadttheaters wurden bei der Fundirung einzelne zertrümmerte Grabsteine und Reste von Leichnamen gefunden. Drei Grabsteine wurden in ziemlich gut erhaltenem Zustande nach dem alten Friedhofe gebracht und daselbst in die Mauer eingesetzt. Der älteste rührt vom Jahre 1585 her, stand am Grabe eines Vorstehers der hiesigen Gemeinde und lautet: »•in irm ppa i»' »’n nn fmur ru-ocn pn» p f]DV mpj r® O’JtP p rn \!»i man: -wn yna mim 5>npn jyijbi P in1 "o"»"n 'jtio dv omp my» '2 n:u cnina 'itaa lnmas-, ausgelöst lauten die Worte:) c"n y'P i"a »"y py pa crn (ü^d )dn py pa Dp'Dm crpn» in» ay Der zweite stammt aus dem Jahre 1599 und lautet; f]Dv Y'mnü pai ~d P"ob a"j» '’n aasJi didd rpaa i»dj Vermischtes. Der Erzherzog und der Vorsänger. Der „N. Fr. Pr." wird von Pardubitz geschrieben: Der Erzherzog Eugen, welcher seit seinem 18. Jahre Zögling des Gesangprofessors Baron Victor Rokitansky ist, garnisonirte bekanntlich vor einiger Zeit in Pardubitz. Dort wurde der Obercantor Herr Jacob Bader, welcher ein tüchtiger Musiker ist und eine prächtige Baritonstimme besitzt, vom Prinzen Rudolf Liechtenstein, der in Pardubitz seinen ständigen Wohnsitz hat und seit Jahren Zitherstunden bei jenem Cantor nimmt, dem Erzherzog Eugen als Gesang-Repetitor empfohlen. Der Erzherzog, der eine sehr schöne, äußerst sympathische Baritonstinnne hat, ließ Herrn Bader nun zu sich berufen, um bei demselben seine Gesangübungen fortzusetzen. Sehr oft mußte auch der Cantor die alten israelitischen Feiertagsgesänge vortragen, die das musikhistorische Interesse des Erzherzogs erregten. Bei gelegentlichen Gesprächen über die verschiedenen Confessionen bekundete der Erzherzog stets die liberalsten Gesinnungen. Erzherzog Eugen war übrigens der fleißigste Gast des Cantors, er versäumte nur dann seine Uebung, wenn er durch Dienstverhältnisse daran verhindert war. Erwähnung verdient wohl noch, daß, angeregt durch das Beispiel des Erzherzogs, mehrere Officiere des Pardubitzer Hussaren-Regiments sich lebhaft mit Gesang und Der dritte ist aus dem Jahre 1632 und lautet: nao 'ro troriD r\nm nmx rown ntsw nnoü p,d .*CT1D VlH D2 Der älteste Grabstein auf dem alten Friedhofe stammt aus dem Jahre 1653. Da der Statthaltereierlaß erst vom Jahre 1668 datirt, > so müssen die Beerdigungen schon früher, ehe die Regierung das letzte Wort in der Frage gesprochen, hier stattgefunden haben. Von Fremden, die auf dem alten Friedhofe ihre Ruhestätte gesunden, nennen wir: Elkele, Ehegattin eines Sanwel aus Prag, deren Gottesfurcht gerühmt wird, gest. 1706; Lea, Tochter eines Jakob Anschel aus Bunzlau, Ehegattin des Israel Duschnitz oder Duschenes aus Prag, gest. 1710; David Finzi, der als ODN nnd TDH gerühmt wird, Sohn des Jsak Juda Finzi, gest. 1729; R. Jczchak, Sohn des Salomo ha-Lewi Presseles (oder Fröscheles), Schwiegersohn des R. Gabriel, der Rabbiner in Prag, Metz nnd Nikolsburg in Mähren war. Derselbe war einer von den aus Prag Vertriebenen, und hatte sich hier besetzt; Jsak Lekisch aus Haiberstadt, gest. 1747, die Familie scheint in Dresden und Teplitz gewohnt zu haben, 1729 starb hier ein Kind des Joöl Lekisch und 1721 in Dresden R. Eljakim Lekisch; Jsak Eisik Brody, gest. 1750, der Lehrer der Gemeinde Dresden (piyTO my^ rniD) genannt wird; Esther, eine Enkelin des Jonathan Eibenschütz, verehelichte Kohn, gest. 1781; R. Simeon, Sohn des R. Elijahu aus Prag, Rabbiner in Tiktiu, Verfasser des Buches Elija rabba (vgl. Ben-Jakob -.aiN No. 706); Dr. mecl. Ahron, Sohn des Michael aus Landsberg, gest. 1806; R. Zakob, Sohn des R. Selmvn Rappaport aus Brody, gest. 1817; R. Benjamin Seeb, Sohn des Baruch Müncles, Rabbiner in Bresnitz und dessen Umgegend, gest. 1828; R. Matitjahu Neugröschel, Rabbiner von Rausnitz und Umgegend, Verfasser des Buches ]}2W "120, vgl. Ben-Jakob, a. a. O. No. 181 und der Arzt Zebi Hohenburg aus Prag, gest. 1843.