Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1887)
- Date
- 1887-01-18
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
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44 Glaubensbekenntnisses gegründet. Israelitische Studenten halten an derselben die Kurse ab. Dieses höchst lobenswerthe Beispiel wird auch in Jassy von der Gesellschaft „Junimen" befolgt. Das ist das rechte Mittel, die völlige Emancipation der Israeliten der rumänischen Intoleranz aufzuzwingen. Amerika. New-Orleans, im Dezember. (Privatmitth.) Kürzlich fand hier unter entsprechenden Feierlichkeiten und in Anwesenheit der Häupter der Freimaurerloge die Grundsteinlegung zu dem neuen israelitischen Asyl für Wittwen und Waisen statt, welches das bisherige, das zu klein geworden, ersetzen soll. Zahlreiche auswärtige Rabbiner sowie Redacteure israelitischer Zeitungen hatten sich bei der imposanten Feier eingefuuden. Es wird Ihre Leser interessiren, aus der ausführlichen, inhaltsreichen und ansprechenden Rede des Präsidenten der Gemeinde, Herrn Edwin I. Kürsheedt, einige Angaben über die Organisation und den Umfang der Wohlthätigkeitspflege unter den jüdischen Bürgern der Vereinigten Staaten zu entnehmen. Es giebt bei ihnen vier große Wohlthätigkeitsvereine: den „Unabhängigen Orden der Bnai Brith", mit ungefähr 25,000 Mitgliedern; die „Freien Söhne Israels", mit etwa 12,000; die „Verbesserten Freien Söhne Jsrael's", mit 3300 und endlich die „Kescher schel Barsel" mit mehr als 9000 Mitgliedern. Die Bnai Brith geben alljährlich, abgesehen von Krankenversicherung, fast 150,000 Dollars oder sechs Dollars per Kopf für wohlthätige Zwecke aus. Die zusammen 25,000 Mitglieder der drei andern Orden verwenden jährlich etwa vier Dollars per Kopf oder zusammen 100,000 Dollars für die gleiche Bestimmung. Das giebt für alle 250,000 Dollars (etwa 1,030,000 Mk.). Aber außer diesen umfassenden Organisationen, giebt es in beinahe jeder jüdischen Gemeinde noch örtliche Wohlthätigkeitsgesellschaften, die zusammen mindestens gleichfalls 250,000 Dollars jährlich ausbczahlen. Dazu kommen die zahlreichen Krankenhäuser, Alterversorgungs - Anstalten, Wittwen- und Waisenasyle, Schulgesellschaften, Vereine zur Beschaffung unentgeltlicher Heizung und Nahrung an Bedürftige u. s. w. Nach mäßiger Schätzung kosten alle diese Einrichtungen jährlich eine halbe Million Dollars. Endlich muß die Private und Einzelwohlthätigkeit auf mindestens einen Dollar per Kopf und Jahr oder zusammen 300,000 Dollars veranschlagt werden. So haben wir für die 300,000 Israeliten der Bereinigten Staaten eine jährliche Ausgabe, in ausschließlich jüdischer Wohlthätigkeit, von 1,300,000 Dollars (gleich 5,300,000 Mk.) oder 4'/, Dollars (gleich 17^ Mk.) per Kopf. Darunter find etwa 60,000 Familienhäupter, von denen also jeder etwa 22 Dollars jährlich '(gleich 90 Mk.) für speciell israelitische Wohlthätigkeitszwecke bestimmt. Es ist jedoch bekannt, daß die Israeliten sich nicht minder eifrig an der allgemeinen Wohlthätigkeitspflege, ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß, betheiligen. Keine andere Confession hat verhältnißmäßig Aehnliches aufzuweisen. Bonn, 9. Jan. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin: Am 13. Januar begeht der in der älteren jüdischen Literatur und durch Herausgabe verschiedener literarhistorischer Werke rühmlichst bekannte Gelehrte Lazarus Landshut seinen 70. Geburtstag. (Bor Kurzem gab Herr Redacteur Rodenberg in seinen „Wanderungen durch Berlin" in der „Deutschen Rundschau" eine interessante Schilderung der Person und Häuslichkeit dieses ehrwürdigen Greises. Red.) — Ter Herr Rabbiner Di-. A. M. Goldschmidt in Leipzig hat sich, wie uns mitgetheilt wird, wegen Kränklichkeit pensioniren lassen. — Man schreibt ans Berlin: Der Senior der israelitischen GeistlichkeitlBerlins, Di-. D. Cassel, feiert am 16. Januar seinen siebzigsten Geburtstag. Bonn, 2. Januar. (Literarische Notizen.) Der Roman des Herausgebers dieser Zeitung, „Jakob Tirado", ist in klassisch vollendeter russischer Uebersetzung zuerst in den Landau'schen jüdisch-wissenschaftlichen Monatsheften des „Wochods" in Petersburg (1886, Heft 2—10) erschienen; darauf soeben in eleganter Separatausgabe im Verlage des „Wochods". — Im Jahrgang 1876 (S. 688 ff.) haben wir einen ausführlichen Bericht über das in vielen Beziehungen treffliche Werk des freisinnigen Viscount Amberley, „An Analysis of religious Belief“ erstattet. Jüngst gab Herr H. Guedalla in London ein Kapitel aus diesem Werke: „lieber das Verhalten der Juden in dem Processe Jesu, mit einer kurzen Vorrede von Neuem heraus (London 1887, Darling & Son)". Herr G. scheint also die Ansicht des verstorbenen Lord Amberley über diesen Gegenstand zu theilen, obschon sie sehr zweideutig und von uns damals bestritten tvorden ist. Ohne eine kritische Untersuchung über den ganzen Proceß und den historischen Werth der Berichte in den Evangelien anzustellen, urtheilt Amberley schließlich, daß das Verhalten der Juden bei dem Tode Jesu mit der allgemeinen Moral nicht übereinstimme, wohl aber aus den Grundsätzen ihrer Religion erflossen sei. Wir brauchen wohl kaum auf die Resultate der neueren Untersuchungen, wie sie namentlich auch in unserer bekannten Schrift angestellt worden, hinzuweisen, um dieses Urtheil zu entkräften, welches die allgemeine Moral mit der israelitischen Religion in Gegensatz stellt. Wir begreifen nur nicht die Absicht, die Herr Guedalla bei der besonderen Herausgabe dieses Kapitels, ohne irgend welche Gegenbemerkung oder Erläuterung, gehabt hat. Erscheint auch mit der einschlägigen Literatur ganz unbekannt zu sein, da er in seinem Vorwort bemerkt: vr. Grätz wäre der erste Jude gewesen, der diesen Gegenstand behandelt