Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-18 · Heft 3 (18.1.1887) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 3 (18.1.1887)
Date
1887-01-18
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227667--44132-3266393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 sich an die Spitze einiger Juden gestellt hätten, welche den Versuch machten, ihn in den Tempel zu locken, wo irgend ein Attentat an ihm verübt werden sollte. Dieses alberne Gerücht, welches durch die systematische Verbreitung von Person zu Person ging, hatte sogar zur Folge, daß der erwähnte Arzt von einigen Leuten niedriger Bildungsstufe ernsthaft bedroht wurde. Die eingeleiteten Erhebungen ließen es als wahrscheinlich erscheinen, daß der junge Mensch geisteskrank sei und in solchem Zustande dieses Märchen erzählt habe, obwohl es auch nicht völlig ausgeschlossen ist, daß er die Geschichte nur zu seinem Vergnügen und aus Bosheit ersann. Derselbe befindet sich gegenwärtig unter Beobachtung der psychiatrischen Sachverständigen des Landgerichtes; bis zur Abgabe des ärztlichen Gutachtens über ihn ist selbstverständlich die Untersuchung wegen des Drohbriefes unterbrochen worden. Pest, den 26. Dezember. (Privatmitth.) Die hiesige israelitische Religionsgemeinde gehört bekanntlich zu den größten Europa's, das beweisen die Daten, welche wir dem Budgetentwurf derselben pro 1887 entnehmen: Der ordentliche Bedarf ist mit 224,2-10 fl. 16 kr., der außerordentliche Bedarf ist mit 5100 fl., die Schuldenamortisation mit 9300 sl., zusammen mit 238,640 fl. 16 kr., die Hauptsumme der Bedeckung mit 218.224 fl. 14 kr. präliminirt. Es ergibt sich somit ein Deficit von 20,416 fl. 2 kr., welches vom Vorstande durch Streichungen, bei einzelnen Ausgabeposten und Erhöhung mehrere^ Einnahmetitel auf 16,182 fl. 69 kr. reducirt wurde. Veranschlagt sind : Für Schulzwecke 50,521 fl. 65 kr., für Spitalsverwaltung und Armenärzte 22,342 fl., für Armenunterstützung 22,050 fl., für Waisenerhaltung 4440 fl., für Schulkinderbekleidung 5000 fl. — Der hiesige Circumciseur Julius Dessauer, der an einem Kinde die Beschneidung in so ungeschickter Weise vollzog, daß das Kind wenige Tage später verschied, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen des Vergehens der fahrlässigen Tödtnng unter Anklage gestellt. — Dem Jaaker israelitischen Einwohner Joseph Stern wurde für die mit Gefährdung des eigenen Lebens bewirkte Rettung eines Kindes das silberne Verdienstkreuz verliehen. Graz, im Dezember. Die hiesige israelitische Kultusgemeinde baut eine neue Synagoge, die erste in der Steiermark. Die behördliche Bewilligung, welche der genannten Gemeinde für die Veranstaltung einer Effekten-Lotterie zn Gunsten des Baues für das Jahr 1886 ertheilt worden ist, wurde nunmehr auf das Jahr 1887 prolongirt. Neutra, 27. Dezember. Die derouten Zustände in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und die durch leichtfertiges Schuldenmachen herbeigeführte finanzielle Misdre in derselben haben einen großen Theil der Mitglieder zum Austritte aus der Gemeinde bewogen. Um die Wiedervereinigung möglich zu machen, dankte vor Kurzem die ganze Repräsentanz sammt dem Vorstande ab und cs erfolgte am 23. d. die Neuwahl der Repräsentanz und am 26. die des Vorstandes. — Es sind nunmehr zum großen Theile neue und junge Kräfte an's Ruder gelangt und der Vorstand aus den angesehensten und intelligentesten Mitgliedern der Gemeinde zusammengestellt. Präsident ist der Großgrundbesitzer Moritz Gerstle, Vicepräsident Advokat Dr. Heinrich Pereßelinhi, Präsident der Finanzsektion Advokat vr. Armin Källai, Präsident des Kultuswesens der Kaufmann Josef Engel, Präsident des Schulstuhls der städtische Magistratsrath Emerich Arpässy, durchwegs Männer, die von dem Wunsche beseelt sind, der hiesigen Kultusgemeinde jenes Ansehen wieder zu verschaffen, welches sie in den letzten Jahren eingebüßt hat, und die israelitische Bevölkerung ist der Ueberzeugung, daß sie die Leitung der Gemeinde in die Hände solcher Personen gelegt hat, die vermöge ihrer Stellung und Intelligenz sowohl den Willen als die Macht haben, den verfahrenen Karren in das rechte Geleise zu bringen. Rußland. Warschau, 28. Dezember. In der Angelegenheit der ausländischen jüdischen Kaufleute meldet die „Pos. Ztg." noch, daß die Magistrate von Warschau und aller anderen polnischen Städte die Ausfolgung von Handelseoncessionen, sogen. Patenten, an ausländische Juden mit der Erklärung verweigern, daß solche künftig nur auf speeiellen Befehl des Finanzministers ausgegeben werden dürfen. In Folge dessen haben sich die betroffenen Kaufleute theils direkt an das Ministerium nach Petersburg gewandt, theils durch Vermittelung des Auswärtigen Amtes in Berlin mit entsprechende!: Bittschriften, deren Resultat nunmehr abzuwarten ist. Der Finanzminister ertheilt die Erlaubniß principiell nur dann, wenn der Bittsteller nachweist, daß seine Thätigkeit „den: Lande nützlich" ist. Rumänien. Bukarest, 21. Dezember. (Infratirea.) Der hochwürdige Metropolit-Primas von Rumänien hat zum Jahresschlüsse die Glückwünsche der israelitischen Geistlichkeit von Bukarest entgegengenommen und dieselben auf die liebenswürdigste Weise mit einer Ansprache beantwortet, in der er hervorhob, daß nach seiner Anschauung alle Menschen ohne Unterschied Brüder seien. — Der Ministerpräsident Bratianu hat einige! Ausweisungsbefehle gegen fremde Israeliten wieder zurückj genommen. — In der Hauptstadt hat die Gesellschaft „Mail monides" eine Schule für Erwachsene ohne Unterschied des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.