Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1887)
- Date
- 1887-01-18
- Page
- Seite 42 (sequence 10)
- Language
- German
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42 rasche und schmerzlose Weise zu vollziehen, durch den Schächtschnitt in der exaktesten Weise entsprochen. Es ist ein großer Vorzug desselben, daß er niemals fehlgeht, sondern stets im Nu mit vollendeter Sicherheit zum Ziele führt. Das muß besonders gegenüber dem Verlangen betont werden, das zu schlachtende Thier allemal zunächst durch Schlagen vor die Stirn in Betäubung zu versetzen. Ich habe selbst in Schlachthäusern wiederholt die Wahrnehmung gemacht, daß der Ochse keineswegs durch den ersten Schlag niedergeftceckt ward, sondern daß mitunter wohl zehn Schläge erforderlich -waren, um ihn besinnungslos zu machen. Da läge eher Veranlassung vor, von einer barbarischen Procedur zu reden." Hierauf prüfte der Vers, die gewöhnlichen vorbereitenden Maßregeln vor dem Schächten, und fügt einige empfehlenswerthe Verbesserungsvorschläge des Genfer Thierschutzvereins hinzu. Er schließt mit folgender Zusammenfassung seines Urtheils: „Die Behauptung, daß das Schächten eine Thierquälerei sei, ist nicht berechtigt; im Gegentheil ist dasselbe auch voni Standpunkte der Humanität aus eine durchaus empfehlenswerthe Schlachtmethode; ebensowenig kann der vorbereitende Act bei richtiger Ausführung als ein thierquälerischer bezeichnet werden; der Vorschlag dagegen, unmittelbar nach dem Schächtschnitt noch den Genickstich auszuführen, läßt sich nicht anders, denn als ein mindestens unnöthiger qualifiziren." Posen, o0. Dezember. (Privatmitth.) Gestern feierte die isr. Waisen-Knaben-Anstalt sozusagen im engsten Familienkreise — es waren nur die Direction mit ihren Familien und die Ehrendamen bei der Feier zugegen — das Fest des fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt. Im festlich geschmückten Arbeitssaale prangte die von den Ehrendamen hergerichtete Festtafel für die Zöglinge; die bekränzten Bilder Sr. Majestät des Kaisers mit darunter angebrachtem Transparent, des Stifters, des Freiherrn Friedr. Heinr. Ernst v. Kottwitz und des ersten Dirigenten Peter Lippmann sahen auf sie hernieder. Pünktlich um 6 Uhr begann das Fest. — Eine Ansprache des Anstaltinspectors Di-. Falkenheim leitete es ein, eine Ansprache des jetzigen Dirigenten des Rabbiner I)r. Bloch schloß dasselbe. Zwischen diesen Reden ordnete sich die Festtafel für die 24 Zöglinge der Anstalt. Ein Königslieb, gesungen von der Sangesclasse der Anstalt bildete den ersten Toast, dem in Zwischenräumen Ansprachen zweier Zöglinge und einige Lieder, das Mahl würzend und erheiternd, folgten. — Besondere Umstände hatten die Direclion von einer solennen öffentlichen Feier absehe» lassen, wie sie das in ihrer Jubiläumsschrift des Weiteren begründet. — Aber den Zöglingen der Anstalt hat sie in der in allen Theilen ihren gelungenen Hausfeier ein sicher für das ganze Leben nachhaltendes Erinnerungsfest bereitet. Oberingelhrim, 29. Dez. (Privatmitth.) Am 27. o. fand die Jahresschlußsitzung des Vorstands unserer Achawa in Frankfurt a. M. statt. Wir haben die Freude, vorläufig mittheilen zu können, daß in Folge der stetig wachsenden Zahl der Mitglieder) und) Ehrenmitglieder und der wachsenden Capitalzinsen, die Summe, welche in diesem Jahre zur Vertheilung kommt 8500 Mark (8060 im vor. Jahre) übersteigen wird. Es sind 54 Partien (dienstunfähige Lehrer, Lehrer- und Rabbinerwittwen und -Waisen) mit 65>/2 Theilen zu berücksichtigen. Es wird daher ein Theil 130 Mark (124 in 1885 und 112 in 1884) betragen. Wir hatten im Laufe des Jahres zwei würdige Mitglieder (Morgenthal in Idstein und Ortlieb in Heidelberg) durch den Tod verloren. Der letztere war meines Wissens bisher der einzige badische Lehrer, der stets eifrig für die Achawa wirkte und Anerkennenswerthes leistete. Er war ein tüchtiger, strebsamer Lehrer und braver Genosse. Ehre seinem Angedenken! Sein Nachfolger, Herr Kahn, hatte die Güte, die Fortsetzung der Thätigkeit für die Achawa in Heidelberg zu übernehmen; wir dürfen hoffen, mit dem gleichen Erfolge. Es kommt ja zumeist überall nur auf den guten Willen an, wenn auch, je nach der Oertlichkeit, die Größe des Erfolgs naturgemäß verschieden ist. Etwas kann doch Jeder thun. In Darmstadt wurden auf Anregung des Herrn Trier und durch das Zusammenwirken des Herrn Rabbiners vr. Landsberg mit dem Rabbiner der Separatgemeinde Herrn vr. Marx viele Ehrenmitglieder gewonnen. Neu eingetreten sind 14 Lehrer, so daß die Gesammtzahl der activen Mitglieder auf 267 gestiegen ist. Bon der Wittwe des verstorbenen Herrn C. M. v. Rothschild haben wir aus der für wohlthätige Zwecke bestimmten Summe 2000 Mark steuerfrei bekommen. Aus dem Reservefond sind im Laufe des Jahres 1675 Mark an nothleidende Familien in besonderen Fällen gegeben worden, so daß die Jahresausgaben 10,000 Mark, das Vermögen 150,000 Mark übersteigen. Oesterreich-Ungar ii. Wien, 1. Januar. Ende Ncvember 1886 erschien ein bejahrter Arbeiter unter der Anklage vor Gericht, dem Direktor der Fabrik, bei welcher ex beschäftigt war, einen Drohbrief geschickt zu haben. Die Verhandlung gegen ihn wurde vertagt, weil eine Anzeige eingelaufen war, wonach sein Sohn der Schreiber jenes Briefes war. Der Sohn wurde eruirt und verhaftet. Da ergab es sich nun, daß derselbe junge Mensch in einem Vororte Wiens eine Fabel kolportirt hatte, welche in einzelnen Kreisen der Bevölkerung dieses Ortes Aufregung hervorrief. Er hatte nichts Geringeres kolportirt, als daß ein jüdischer Arzt sowie ein jüdischer Oberlehrer