Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1887)
- Date
- 1887-01-18
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Deutschland. Berlin, 4. Januar. Die Frage des „Schächtens", welche bekanntlich in einer Petition der Thierschutzvereine dem deutschen Reichstage vorliegt, hat in jüngster Zeit auch unsere vorzüglichsten Gelehrten und anerkannte Fachmänner beschäftigt. Unter Anderen haben die Professoren du Bois- Reymond, Virchow, Richter-Königsberg, Directvr Damman- Hannover, Hoppe - Seyler - Straßburg, Heidenhain - Breslau, Hofrath Zürn-Leipzig, sowie der städtische Oberthierarzt Hertwig über die Frage sich gutachtlich geäußert. Alle stimmen darin überein, daß in jener Methode des Schlachtens eine Thierquälerei nicht zu finden sei; Einzelne gehen noch weiter und erklären, daß sie vor den sonst üblichen Methoden den Vorzug verdiene. Gegenüber diesen Gutachten, die als Beilage einer ganzen Reihe von Gegen-Petitionen beigegeben sind, werden die Thierschutzvereine schweren Stand mit ihren Wünschen haben. Die Petitions-Commission des Reichstages wird sich schon in der ersten Hälfte des Januar mit der Angelegenheit beschäftigen. Berlin, 5. Januar. (Privatmitth.) Die Entgegnung, welche Sie dem berufenen Artikel der „Berliner Volks-Ztg." widerfahren ließen, der von der Gesetzgebung die Unterdrückung der Ausübung der jüdischen Satzungen forderte, hat eine volle Bestätigung durch den Widerruf erhalten, welchen die Redaction der Volkszeitung in ihrer Nr. vom 25. Dezember aussprach. Sie giebt dort einen Gegenartikel, der zwar den extremen Resormbestrebungen huldigt, aber jede staatliche Einmischung zurückweist. In einer Anmerkung zu diesem Artikel sagt u. A. die Redaction der Volkszeitung: Wir bedauern, es bei der Aufnahme desselben (jenes Artikels) insofern an der erforderlichen redactionellen Sorgfalt haben fehlen zu lassen, als sich mehrere Punkte — so namentlich die Anregung zu einem staatlichen Einschreiten gegen jüdische Cultusgebräuche — in demselben befinden, welche in der Schrift von Lehmann nicht erörtert werden und den bisher stets von der „Volks-Zeitung" vertretenen Grundsätzen nicht nur nicht entsprechen, sondern auch scharf widersprechen. Die Schuld an dem Versehen trifft ein jüngeres Mitglied der Redaction, das übrigens den Stöcker und den Wagner in unseren Spalten zu oft zerzaust hat, als daß ihn auch nur an seinem persönlichen Theile der Verdacht antisemitischer Neigungen belasten könnte. — Seit einiger Zeit haben jüdische Zeitschriften angefangen, sensationelle Nachrichten zu bringen und diese an politische Blätter zu versenden, wo sich dann bald erwies, daß die Nachricht unbegründet sei. Der Zweck ist leicht erkennbar — aber würdig ist das nicht. — Zu oft hatten wir von den Jubelrufen zu berichten, welche Stöcker über seine Erfolge anstimmte und von seinem Standpunkte aus auch wohl anzustimmen Ursache hatte, als daß wir nicht jetzt auch seinen Klageliedern folgen sollten, die er vor seiner christlich-socialen Heilsarmee vernehmen läßt. So am Neujahr, an welchem Tage man allerdings die Bilanz über seinen gegenwärtigen Zustand zu ziehen pflegt. Da beklagt er sich dann auf's Bitterste über die Organe der Regierung, die ihm möglichste Hindernisse schaffen und eine starke Gegnerschaft bekunden. Er will — was er freilich nicht immer wollte — „keine Begünstigung von ihnen", aber sie sollten ihm nicht „seinen dreifachen Kamp-, gegen Fortschritt, Judenthum' und Socialdemokratie" noch durch einen vierten erschweren. „Das ginge über unsere Kräfte!" Man sieht, daß der wiederholt von der „Norddeutschen Allg. Ztg." über Stöcker ausgesprochene Tadel diesen sehr wurmt und daß er seine Schwäche fühlt, sobald er nicht mehr von gewisser Seite „begünstigt" wird. Bielefeld, 4. Januar. (Privatmitth.) Am 2. d. M. hielt der Vorstand der „Unterstützungscasse des Vereins isr. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" wie alljährlich seine Sitzung ab, um den Stand der Casse und die Höhe der für 1887 zu vertheilenden Beträge zu ermitteln. Es waren im Jahre 1886 eingegangen: a) an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder 519 M. (gegen 501 im Vorjahr); b) an Beiträgen von Gemeinden, Vereinen und Privatpersonen: 2128,33 M. (gegen 2108,92 im Vorjahre); o) die Zinsen: 2196,65 M. (gegen 2108,92 im Vorjahre); im Ganzen: 4843,98 (gegen 4919,89 im Vorjahre). Nach Abzug der Ausgaben für Verwaltungskosten, Drucksachen und Porto im Gesammtbetrage von 147,45 M. kommt statutenmäßig von den Einnahmen die Hälfte mit 2348 M. zur Vertheilung. Da dieser Betrag in 421/4 Antheile (gegen 461/4 im Vorjahre) zerlegt werden muß, so konnte der Antheil für 1887 auf 55 Mark (gegen 48 im Vorjahre) festgesetzt werden. Diese Erhöhung, so erfreulich sie ist, hat jedoch ihre Ursache nicht in der Vermehrung der Einnahme», die, wie man sieht, im Gegentheil um ca. 76 M. zurückgegangen sind, sondern in der Verminderung um 4 Unterstützungsantheile (verursacht durch den Tod einer Wittwe und dadurch, daß einige der unterstützten Waisen inzwischen das 18. Lebensjahr überschritten haben). Alles weitere die Kasse betreffend beliebe man aus dem bald erscheinenden Jahresbericht von 1886 zu ersehen. Wir bitten alle Freunde und Gönner unseres Vereins, sowie alle wohlthätig gesinnten Glaubensgenossen dringend, der „Unterstützungscasse" auch ferner in ihren edlen Zwecken, den alten und kranken Lehrern, sowie im Falle ihres