Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1887)
- Date
- 1887-01-18
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 wir müssen aber vorerst an der Erziehung des niederen Volkes arbeiten, welches keine Ahnung von dem wahren Cha° rakter des jüdischen Volksgeistes besitzt. Das bildet einen Theil der Aufgabe des „spanischen Central-Comitös Ich zählte folgende Herren als Mitglieder des Comitös: Don Juan Unna, ehemaliger Deputirter, General-Direetor des Unterrichts und Civil-Gouverneur a. D. Don Juan Rospide, Staatsinspecteur des Handels, Provinzgouverneur a. D., ehemaliger Deputirter. Herr I. Jonas, Bankier (Israelit). Don S. Perdiguero, Actionär der Bank von Spanien, Mitglied der Madrider Handelskammer. Don R. Beltran, Mitglied der Geographischen Gesellschaft und Advokat. Don G. Reparaz, Mitglied der Geographischen Gesellschaft. Don I. Valero, Schriftsteller und Professor. Außerdem die Herren Bentfeldt und Trouillard, über welche ich Ihnen bereits Mittheilung gemacht habe, und viele meiner Kollegen im Senat und in der Deputirtenkammer. Von Rußland habe ich eine Menge Briefe erhalten. Bereits wollen mehr als 100 jüdische Familien von dort nach Spanien einwandern. Bon Bukarest will ein 23jähriger junger Mann aus guter Familie und von hoher Intelligenz hierher kommen, um in die spanische Kriegsschule einzutreten; ich habe Schritte zu seinen Gunsten gethan und darf die Hoffnung hegen, daß dieser junge Mann seinen Wunsch erfüllt sehen wird. Aus Deutschland haben sich einige Angestellte in Handlungshäusern gemeldet. Der Consiliul Sanhendrinuli in Bukarest hat mehrere eingehende Fragen an mich gerichtet, welche beweisen, daß er an unserer gemeinsamen Arbeit Theil zu nehmen gedenkt. Ueber alle weiteren Schritte werde ich Sie informiren. Inzwischen genehmigen Sie re. Lopez Lapuya, Senator. Mehr kann man wohl im Augenblicke nicht fordern. Eingestanden wird allerdings, daß im niederen Volke die Vorurtheile, die durch so viele Jahrhunderte genährt worden, »och nicht geschwunden sind. Deshalb gestehen wir offen, daß wir eine Einwanderung von Juden in Hellen Haufen noch nicht für rathsam halten, weil dadurch die schlummernden Volksleidenschaften leicht geweckt werden könnten, noch dazu, wenn sich Priester finden, welche sie zu entflammen suchen. Die allmähliche Einwanderung dagegen wird wohl keine Hindernisse finden.') l) Im Anschluß an obiges Schreiben bringt der „Pester Lloyd" in der Beilage zu No. 1 vom i. Januar zur Characterisirung ein umfängliches Citat aus nnserm „Der Jude in Granada" aus der 1. Auflage des „Saron" von 1844 (2. Auflage, 2. Theil, 2. Band im Jahre 1860, S. 300 ff.), welches Citat allerdings aus jenem „erzählenden Gedichte" nur die eine Seite der Aufsassung zeichnet. Wien, December 1886. Jüdische Namen. Von G. Wolf. Jüngst kam hier ein Betrugsproceß gegen polnische Juden zur Verhandlung, der dadurch noch complicirt wurde, daß einer der Angeklagten Namens Ariel sich Leopold, Victor rc. und dessen Tochter Namens Taube sich Antonia nannte. Herr Rabbiner I)r. Güdemann wurde als Sachverständiger eingeladen und sollte derselbe erklären, ob die deutschen Namen sich mit den jüdischen decken. Herr Dr. Güdemann erklärte sachgemäß, daß sich manchmal die Namen decken. So bedeute Ariel Löwe, eine Bezeichnung, die der Patriarch Jacob seinem Sohne Juda beigelegt, und daher auch der Name Leo. Ebenso werde Naftali in Hirsch oder Hersch (Genesis 19, 21) rc. vertirt. Manchmal sei dies aber auch nicht der Fall. So trage er selbst, vr. G., den Namen Moses, zu deutsch jedoch heiße er Moritz; es sei also bloß der Anfangsbuchstabe beibehalten. Es sei übrigens auch das nicht nothwendig. Selbstverständlich aber, fügte Dr. Güdemann hiuzu, werde jeder ehrliche Mensch den Namen, den er einmal angenommen, auch beibehalten. Zunz sagt über diesen Gegenstand (Namen der Juden S. 101): „Wie nach und nach persische und syrische, griechische und römische, arabische und mittelalterliche Namen ihren Weg zu den Familien Israels gefunden hatten, mußten ihn die modernen europäischen auch und noch schneller finden, denn der alte Wegweiser, der Haß, hatte die junge Liebe abgelöst. So ist denn nichts neu an diesem alten Silber als das Gepräge. Uralt ist es, daß Juden europäische Namen führen, daß sie altübliche im Stiche lassen, jüngere rund umher auswählend, daß sie Namen ändern, übertragen, einführen. Und daß also Juden wie Heiden und Christen heißen, ist ein uraltes, verjährtes Recht und — was nicht allen verjährten Rechten nachzuweisen ist — so unschuldig und naturgemäß, daß seit Cyrus es Niemand angetastet hat." Zunz weist dann auf das Patent in Betreff der Namen von Juden in Böhmen vom 23. Juli 1787 hin, das unter Kaiser Josef II. erflossen ist und für alle Länder Giltigkeit hatte. Die Gründe für dies Patent waren mehrfach. Schon früher 1782 wurde befohlen, daß die Matriken in deutscher Sprache geführt werden sollen. Thatsächlich kamen Fälle vor, insbesondere in Galizien, daß Personen, um zu täuschen, ihre Namen vielfach änderten. Nun hatten aber die Juden zu jener Zeit eine Scheu deutsche Namen anzunehmen. Ich selber hörte als Knabe den Rabbiner meines Heimathsortes mit Hinweis auf die Stelle ocia nx uty n/B» in einer Derascha klagen, daß man den Kindern deutsche Namen gebe. Es wurde daher ein Berzeichniß jüdischer Namen, das kraus