Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1887)
- Date
- 1887-01-11
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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28 14,29 o/o- Es studirten 1885, 117 (20,8 o/#) Juden Medizin (1888, 90 Juden 16,2 %), Jura 71 (15,0 °/o) Juden und 1886, 61 Juden (13,6 ®/0), Physik 7 Juden (1886, 6 also 10,1 «/«), Mathematik 3 Juden (1886, 2 also 3,7 «/»), Philologie 1 Jude und 1886 auch 1, also 2,3 «/» der Gesammtstudirenden. — Das erst neu begründete Gymnasium zu Lodz besuchen jüdische Schüler 24 °/0 und jüdische Schülerinnen 33—34 «/ft der gesummten Schülerzahl. — Das I. Gymnasium in Wilna wird von 103 Juden und das II. Gymnasium von 142 Juden besucht, und zwar bilden im I. die Juden 16,3 «/« und II. 36 «/« der studirenden Gesammtzahl. — Die Handwerkerschule der jüd. Gemeinde zu Warschau wird von ca. 200 jüd. Knaben frequentirt. Vor einiger Zeit starb der 19 jährige talentvolle jüd. russische Kunstmaler und zugleich neuhebräische Publizist, Herr M. Z. M a n o in seinem Geburtsstädtchen Radoschkowitz (Gouv. Wilna). Von der Petersburger kaiserl. Kunstakademie erhielt Mano während seines dortigen Studiums die silberne Verdienstmedaille II. Classe. Moses Feinkind. Bulgarien. Philippoprl, 18. Dezember. Wie dem „P. Lloyd" von hier aus geschrieben wird, werden bei der in diesem Monate stattfindenden Rekrutirung im Ganzen 16,063 Mann, darunter 117 Juden (Spaniolen) ausgehoben. In den diesjährigen Rekrutenlisten figuriren im Ganzen 261 Juden. Türkei. Konstantinopel, im Dezember (Infratirea). Unser Glaubensgenosse Daud-Effendi Molcho, erster Uebersetzer bei dem kaiserlichen Divan in Konstantinopel, ist von der französischen Regierung zum Commandeur der Ehrenlegion ernannt worden. — Der israelitische Arzt vr. Jacob Nissim in Salonichi hat vom Sultan wegen seines langjährigen und höchst verdienstlichen medizinischen und Humanitären Wirkens den Titel „Kaimakan" erhalten. Bonn, 30. Dez. (Notizen.) Man schreibt aus München: Die Stadt München hat durch Vermächtniß des israel. Bürgers, Parfümeriefabrikaut Krön, eine reiche Stiftung für die Armen erhalten, welche sich nach Verkauf eines Hauses auf 139,000 Mk. beziffert, wovon die Zinsen alljährlich zur Hälfte an israelitische, zur Hälfte an sonstige Bedürftige zu vertheilen sind. Paris im Dezember. (Literarische Notizen.) Bei Gelegenheit, daß der auch in Deutschland rühmlich bekannte vr.Ra bbin o wicz jüngst eine französische Grammatik herausgegeben, hat der ehrwürdige Herr Levy-Bing einige Notizen über das Leben dieses gelehrten Schriftstellers in der Arch. isr. gegeben, aus welchen wir folgendes mittheilen: Seit 30 Jahren wohnt er in Paris, 10 Jahre früher, im Jahre 1843, verließ er sein Geburtsland Rußland mit einer reichen Intelligenz und sehr geringen Geldmitteln. Er wußte viel hebräisch und ein wenig deutsch. Zuerst ging er auf ein Jahr nach Brody, von da nach Breslau, wo er durch die Unterstützung seiner Glaubensgenossen drei Jahre hindurch sich zum Studium vorbereitete: zwei Jahre später verließ er das Gymnasium und studirte an der Universität Philologie. Im Jahre 1851 veröffentlichte er seine erste hebräische Grammatik, deren Widmung Alexander v. Humboldt annahm. In demselben Jahre trat er aber zur medizinischen Fakultät über und nachdem er seine zweite hebräische Grammatik 1853 herausgegeben, ging er 1854 nach Paris. Hier trat er in die medizinische Schule ein, in welcher er vorschriftsmäßig 4 Jahre verbrachte; vier weitere Jahre functionirte er als Interner in den Hospitälern von Paris. Aber, obschon er 1865 das Diplom als Or. der Medizin erlangt hatte, kehrte er zur Philologie zurück und gab eine sehr geachtete polnische Grammatik heraus. Von da ab arbeitete er seine nach den Gegenständen geordneten Auszüge und Uebersetzungen aus dem Talmud in französischer Sprache aus, worüber wir in diesem Blatte wiederholte Berichte gegeben. Er hatte einen bedeutenden Erfolg damit, und die französische Regierung gab die Fortsetzung auf ihre Kosten heraus. Außer seiner hebräischen und lateinischen Grammatik veröffentlichte er auch eine Schrift „Neue Principien der englischen Aussprache." Wir müssen auch noch seine Schriften über die talmudische Medizin, die nationale Religion der alten Hebräer, die Rolle Jesu und der Apostel u. s. w. erwähnen. In allen jenen Grammatiken hat Rabbinowicz neue Ansichten und Prinzipien ausgesprochen, über welche die Kritik sich vortheilhaft geäußert hat. Man sieht, daß wir es hier mit einem unern,üblichen Arbeiter und einem selbständigen Denker zu thun haben. Feuilleton. Zkiye zur Geschichte -er Äir-en in Geplitz (iköhmen). Von vr. Adolf Rosenzwcig, Rabbiner und Prediger daselbst. Die Judenordnung, die der gutherzige, im Volksmunde Kral dobua genannte König Wladislav, der namentlich in religiösen Dingen eine große Duldsamkeit bekundete, am 19. Mai 1497 gegen die Beschlüsse des Landtages von 1494, die den Juden durch Beschränkungen aller Art auch den einzigen ihnen gebliebenen Erwerbszweig nehmen wollte, er-