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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-11 · Heft 2 (11.1.1887) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 2 (11.1.1887)
Date
1887-01-11
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 sei die Zahl der Auswanderer bedeutend geringer, betrage aber immerhin durchschnittlich einige Tausend. Den höchsten Procentsatz an Auswanderern stellen die westlichen Gouvernements und das Gouvernement Ssuwalki. Leider sind die Aussichten für die meisten der Auswanderer auch in Amerika keine günstigen. Warschau, 19. Dez. Man schreibt der „Pos. Ztg.": Gleichwie in anderen polnischen Fabrikstädten ist auch in Lodz die Verfügung des Finanzministers zur Kenntniß gebracht worden, wonach ausländische jüdische Kaufleute, die keine Berechtigung zur Ausübung ihres Gewerbes in Rußland haben, ausgewiesen werden sollen. In Lodz würde eine derartige Maßregel in Anbetracht der zahlreichen Menge ausländischer Kaufleute und Fabrikanten weit nachhaltigere Folgen haben, als anderswo, und ohne Zweifel eine geschäftliche Krisis nach sich ziehen, die dem ganzen Fabrikorte verhängnißvoll werden könnte. Es herrscht demnach in der Lodzer Geschäftswelt eine begreifliche Aufregung, zumal da außer den jüdischen Industriellen auch viele christliche Kaufleute von der Ausweisung bedroht sind, die als Agenten und Com» mifsionäre seit Jahren in Lodz ansässig sind. Es ist nämlich in Rußland allen ausländischen Kaufleuten jede Art von Geschäftsvermittelung untersagt, doch ist sowohl dieses Gesetz als das erstere bisher in Polen nicht zur Anwendung gebracht worden. Die Lodzer Localbehörden haben bisher mit der Ausführung dieser Gesetze in Folge der in der Geschäftswelt entstandenen Panik gezögert und hierüber an die Vorgesetzte Gouvernementsregierung in Petrikau rapportirt, welche daraufhin den Steuerinspector Baron Tysenhausen zur Prüfung der Sachlage nach Lodz entsandt hat. Turek, 24. Dez. (Privatmitth.) Seitdem unter der humanen Regierung Alexanders II. s. And. die Freizügigkeit de» Juden im ganzen russischen Reiche gestattet worden ist, haben unsere Glaubensgenossen auch im wilden Uralgebiete, wo bis dahin kein Jude wohnte, ihr beständiges Domicil genommen und haben sich mit der Zeit zu Gemeinden constituirt. Vor kurzem wurde nun, wie der „Hajom (Nr. 242) mittheilt, von unseren antisemitischen Rechtsgelehrten die Frage aufgeworfen, ob die Juden in diesem Gebiete Ansiedlungsrecht besäßen, da das alte, wieder aufgefrischte Gesetz, welches den Juden dort den Aufenthalt verbietet, nicht aufgehoben sei. Die dortige Regierung griff diese Frage auf und wird ihre Entscheidung treffen. Dies wird wahrscheinlich wieder viele hunderte jüdischer Familien an den Bettelstab bringen. Wichtig und interessant sind nachstehende Thatsachen als neue Beweise dafür, worauf wir schon an dieser Stelle vielmal hingewiesen, welche schweren öconomischen und financicllen Schäden das niederdrückende Vorgehen gegen die Juden Rußlands auch für Stadt und Land im Gefolge hat und haben muß. Aus Kiew ist bereits der Protest der dortigen christlichen Grund- und Hausbesitzer an das Stadthaupt gegen die Ausweisung der dortigen Juden mitgetheilt worden. Ob dieser christliche Schmerzensschrei ausnahmsweise Erfolg haben wird, muß die Zukunft lehren. — Auch um die Wiederzulassung der Juden, wenigstens der Handwerker im Tonischen Gebiete haben bereits mehrere städtische Verwaltungen (wie z. B. Nowo-Tschertasl) petitionirt, aber ohne Berücksichtigung zu finden. Vielmehr wird mit der Ausweisung der ausländischen Juden in Polen auf eine jüngste Bestimmung des Finanzministeriums hin der Anfang gemacht. Wie >oir von befreundeter Seite hören, soll wie in Lublin der Magistrat auch zu Wai schau, Lodz, Petrokow, Kalisch, Czcnstochau u. a. m. die strenge Weisung erhalten haben, die ausländischen jüdischen Kanfleute, Handlungsgehilfen und Handwerker, die kein Heimathsrecht zur Niederlassung im russischen Reiche besitzen, auszuweisen. Auch den zum Aufenthalt in Rußland berechtigten ausländischen Juden soll von diesem Neujahr an kein Patent, um Handel und Gewerbe Hierselbst zu betreiben, ertheilt werden. Diese harte Nachricht habe in den betheiligten Kreisen eine Panik hervorgerufen, zumal da der größere Theil der jüdischen Ausländer (fast ausschließlich deutsche Unterthanen) seit einer langen Zeit da ansässig sei, und größere Fabrikbesitzer sind, wie z. B. in Lodz u. s. w. — Der russischen Zeitung „Sarja" in Kijew, welche das russische Judenthum so warm vertheidigte und wacker für ihre Existenz kämpfte, wurde auf einen Senatbeschluß das Weitererscheinen verboten. Wieder eine Heldenthat unserer Antisemiten. — Die Medaille zur Erinnerung an die Enthüllung des neuen „Alexanderdenkmals" und des „russisch türkischen Kriegsdenkmals" (1877 — 78) sind Kunstwerke unserer Glaubensgenossen A. und H. Grilliches (Vater und Sohn) — kaiserliche Kunstgraveure am russischen Münzhof. — Auf der Rückseite der Medaille des letzteren Denkmals ist der Name ihres jGraveurs „Awner Grilliches" ausgeprägt, und H. Grilliches erhielt für ersteres eine hohe Auszeichnung. — Das großartige Kunstwerk „Moses als Hirt" von unserem rühmlichst bekannten jungen Maler Asknasi, für das er den als seltene Auszeichnung geltenden Titel „Akademiker der kaiserl. russischen Akademie der Künste I. Classe, erhalten, ist für die Moskauer weltberufene Bildergallerie für einen hohen Preis angekauft worden. — In der soeben zu Warschau eröffneten Bilderausstellung findet man einige talentvolle Leistungen unserer Glaubensgenossen. — Im vorigen Jahre (1885) zählte die Universität zu Warschau 199 jüdische Studirende gegenüber der Gesammtzahl der übrigen andersgläubigen Studirenden 1228, also Inden 16,2O°/0, und gegenwärtig (1886) 160 Juden gegenüber — 1119, also 2*

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