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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-11 · Heft 2 (11.1.1887) · p. Seite 26

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 2 (11.1.1887)
Date
1887-01-11
Page
Seite 26 (sequence 10)
Language
German
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sollen und hat der Minister die nothwendigen Schritte in dieser Richtung getroffen? Ferner fragte er den Minister des Innern: Hat der Minister Kenntniß davon, daß das aus der Stiftung des weiland Generals Mayer errichtete und im Frühjahr eröffnete hauptstädtische Waisenhaus auch heute noch kein Organisationsstatut besitzt? Daß trotz des entschiedenen Verbotes jüdische Kinder in dieses Waisenhaus ausgenommen wurden und das Waisenhaus dadurch seines christlichen Charakters entkleidet wurde? Wenn er Kenntniß davon besitzt, ist er geneigt, das Testament des Stifters zu respectiren. Diejenigen, welche das christliche Institut verjudet haben, zur Verantwortung zu ziehen und die aufgenommenen jüdischen Kinder in ein jüdisches Waisenhaus zu versetzen? Frankreich. Paris, 26. Dez. Durch den Umstand, daß das Budget 1887 von den Kammern noch nicht votirt und der Regierung */i2 des vorigen Budgets bewilligt worden, hat auch der Etat sür den israelitischen Cultus das Benefiz, von den neuen von der Budget-Commission votirten Abstrichen noch nicht betroffen zu sein. — Eine der nützlichsten Anstalten in der israelitischen Pariser Gemeinde ist die Handwerkerschule (ecole du travail), die jedoch nicht diejenige Unterstützung findet, welche sie verdient. Der Großrabbiner Zadoc Kahn hat deshalb für den Gottesdienst am 1. Chanukkahtage eine Predigt anberaumt, nach welcher eine Sammlung für die Handwerke, schule stattfinden soll, der später sich andere Spender, die dem Gottesdienste nicht beiwohnten, anschließen können. Hierbei einige Notizen über die Anstalt: „Es erhellt aus einer sorgfältigen Statistik, daß im Zeitraum vom 1. Januar 1877 bis zum 1. August 1886 160 interne und 10 externe Schüler in der Handwerkerschule ausgenommen waren, unter welchen 28 Elsaß-Lothringer und 18 Pensionäre der „Alliance“ aus den, Orient stammend sich befanden. 4 davon sind während ihrer Lehrzeit gestorben, drei sind bald nach ihrem Eintritt wegen Unfähigkeit zur Handarbeit und 15 wegen mangelnder Disciplin entlassen worden. Von de» 247 klebrigen befinden sich 56 noch in der Schule als Interne und 32 als Externe. Die 155 andern, alle gute Arbeiter, wirken in ihrem Berufe, ernähren ihre Familien und 14 von ihnen stehen bereits selbst als Meister an der Spitze von Unternehmungen. Die Anmeldungen mehren sich: es giebt viele Bittgesuche und wenig Aufgenommene, da die Hülfsmittel fehlen. Für den Monat Januar kann die Schule über 4 Plätze verfügen, während 15 warten, welche bei größeren Geldmitteln hätten ausgenommen werden können. Dies ist wahrlich ein humanes Werk, und der rechten Bildung unserer Jugend durch die Handarbeit kann durch nichts Besseres Vorschub geleistet werden, als durch die Entwickelung der Handwerkerschule. Italien. Rom, 21. Dez. In der Nacht vom 18. zum 19. Dez. ist Guiseppe Finzi (Israelit) in seiner Villa bei Mantua gestorben. Im Jahre 1815 war er zu Rivaroli-Fuori geboren, und gehörte als Jüngling der Bereinigung jener edeln Verschwörer an, welche sich unter der Führung Mazzinis die Befreiung ihres Vaterlandes zur Aufgabe gemacht hatien. Während der Revolution von 1848 wurde er zum Mitgliede der provisorischen Regierung erwählt, die in Bozzolo ihren Sitz hatte, und er leitete mit großem Berständniß die Verwaltung des Kriegswesens. Nach der Niederlage bei Novara wurde er in den traurigen Prozeß von Mantua verwickelt und schmachtete einige Jahre im Gefängniß von Mamolda, ohne daß die Energie seiner Seele gebrochen wurde. Im Jahre 1857 befreite ihn die Amnestie. Beim Ausbruche der Bewegung von 1859 wurde er beauftragt, den Theil des Mantuanischen Gebietes zu regieren, welcher später der Kriegsschauplatz werden sollte. Nach dem Frieden von Villafranca begab er sich nach Mailand, wo er zusammen mit Mangili im Aufträge Garibaldi's Geld für Waffen sammelte. Er wurde dann von Cavour nach Neapel geschickt, um auf dem Kontinente die Revolution zu schüren und Garibaldi's Werk in Sizilien zu unterstützen. Im Jahre 1860 wurde er zum ersten Mal als Vertreter Viadona's in's Parlament gewählt. Der 8., 9., 10. und 11. Legislaturperiode gehörte er als Abgeordneter Mailands, Borghetto's und Lodiziano's an, in der 12. vertrat er den ersten Bezirk von Bologna und in der folgenden Pesaro. Er gehörte Anfangs zu der äußersten Linken und versuchte zwischen Garibaldi und Cavour zu vermitteln. Als seine Vermittlungsversuche an dem Widerstande seiner Parteigenossen scheiterten, ging er zur Rechten über. Am 7. Juni vorigen Jahres wurde er zum Senator ernannt. Unbeugsam in seinen Ueberzeugungen, von außerordentlicher Festigkeit und großem Muthe, war er ein Mann der That, nicht der Rede. Es starb in ihm einer der Edelsten unter den Vorkämpfern für die Einheit Italiens. Rußland. Warschau, im Dezember. Die Auswanderung der Juden aus Rußland schreitet, nach dem „Kur. Warsz.", unaufhaltsam vorwärts. Die Agenten von Gesellschaften, welche die Ueberfahrt in die neue Welt vermitteln, können der wachsenden Nachfrage wegen nicht die erforderliche Zahl von Plätzen auf Schiffen erlangen. Zwischen zwei derartigen Gesellschaften habe sich eine starke Konkurrenz entspannen, und in Folge dessen sei der Preis für die Ueberfahrt von Hamburg nach Amerika um 20 Rubel herabgegangen. Im Frühjahr sei die Auswanderung am stärksten; so hätten im Monat Mai 28,215 Juden Rußland verlassen. In den übrigen Monaten

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