Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-11 · Heft 2 (11.1.1887) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 2 (11.1.1887)
Date
1887-01-11
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227666--44109-3266369
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

21 Gottes des Landes" zu und verlangten vom Könige von Assur einen israelitischen Priester, um sie den Kultus des Gottes des Landes zu lehren, was auch der König that. Letzterer Umstand ist besonders deshalb wichtig, weil es zeigt, wie umfänglich die Wegführung der zehn Stämme war, daß in dem geringen Reste der Zurückgebliebenen nicht ein einziger Priester war. Esra 4, 2 sagen die Bewohner SamarienS zu Serubabel: „Wir opferten nicht seit den Zeiten Esar-Haddon's, Königs von Assur» der uns hierher gebracht." Und V. 9. „ihre" übrigen Genossen aus Din und Apharßathach, Tarpel, Apharas, Erech, Babel, Susa, Deha, Elam und die übrigen Völker, welche Asnappar weggeführt und eingesetzt hatte in die Stadt Samarien und die übrigen diesseits des Stromes und so fort." Was bemelden nun die Keilinschriften? Im Jahre 727 vor d. gew. Ztr. bestieg Salmanassar den assyrischen Thron; er belagerte Tyrus erfolglos, nahm den König Hosea gefangen und Samarien wurde drei Jahre lang blockirt. Während dessen starb Salmanassar, und ein assyrischer Feldherr riß unter dem Namen Sargon die Krone an sich. Er nahm Samarien 722 ein, führte 27,280 der Bewohner ins Exil, aber nur 50 Streitwagen wurden in der Stadt gefunden. Ein assyrischer Gouverneur hatte jährlich denselben Tribut zu zahlen, den Hosea gezahlt hatte, die eben angeführte geringe Zahl von Israeliten, die Sargon nach der Keilinschrift weggeführt haben soll, veranlaßt unseren Autor zu sagen: „den größeren Theil der Bevölkerung ließ man in seinem Geburtslands verbleiben. Diese Thatsachen sprechen auf's Deutlichste gegen die moderne (?) Theorie, der zufolge alle zehn Stämme weggeführt worden wären." Gegen diese Behauptung sprechen die klaren Worte der h. Schrift. Entweder die von der Keilinschrift angegebene Zahl ist irrig, oder bezieht sich blos auf die weggeführten Bewohner der Stadt Samarien, da die Notiz von 50 Streitwagen sich auch nur auf die Stadt bezieht. Denn bei einer so geringen Zahl von Weggeführten hätten nicht aus so vielen Orten fremde Stämme in das Land versetzt werden können. Nun zeigt uns Esra, d.aß — wahrscheinlich weil der Tribut von dem verödeten Lande nicht gezahlt werden konnte — die Assyrer noch ein zweites Mal das Land colonisirten. Es geschah dies unter dem Könige Asar-Haddon und dessen Sohn Asenapper, und zwar aus einer so großen Zahl von Landschaften und Städten, daß die neuen Colonisten sehr beträchtlich gewesen sein mußten. Die Verödung des Landes nach der Wegführung der zehn Stämme, erweist sich auch aus dem Umstande, daß die Löwen darin so überhand nehmen konnten. Die Ansicht unseres Autors gegen die „moderne Theorie" hat also wenig Grund für sich. Der Zug Sanherib's gegen Jerusalem fand im Jahre 705 statt. Auch hier zeigte es sich, daß die assyrischen Keilinschriften volle Glaubwürdigkeit nicht beanspruchen können, was eigentlich schon daraus einleuchtet, daß die Könige mit eigenen Worten ihre Thaten beschreiben. So verstand es Sanherib, die schmähliche Katastrophe seines Heeres vor Jerusalem zu verschweigen und dadurch zu decken, daß er zum Schlüsse die Huldigung und Geschenke beschreibt, die ihm Hiskia vor der Flucht des assyrischen Heeres gebracht hatte, um ihn abzukaufen, und die er entgegengenommen, ohne jedoch vom Kriege abzulassen. Nach den Keilinschrifien unternahm Sanherib keinen Zug nach Westen wieder; feine Niederlage vor Jerusalem ist uns auch von einer egyptischen Legende beschrieben. In der That werden durch diese Inschriften viele Stellen der Propheten nach deren factischen Unterlage verständlicher und als den Thatsachen entsprechend gezeigt. Dagegen bieten sie viel weniger für die Zeit Nebuchadnezars und des Cyrus. Man hat bis jetzt unter den keilinschriftlichen Dokumenten noch keinen Bericht über die Felvzüge Nebuchadnezars gegen Tyrus und Juda gefunden. Ueber Cyrus existiren einige solcher, die beweisen, daß er kein Perser war, sondern König von Elam, und es nur auf der Unbekanntschaft mit Jnnerasien beruht, daß man in Kleinasien den Ausdruck Persien für jene Landschaften gebrauchte. Der eigentliche Begründer des persischen Reiches war Darms, der Sohn des Hystaspes. Cyrus bemächtigte sich Babylons mit Hülfe einer unzufriedenen Partei in der Stadt und der Verf. sagt hier „wahrscheinlich der Juden", wofür aber ein Beweis nicht erbracht ist. Geschichtsforscher sollten sich aber jeder Behauptung enthalten, wofür keine Belege vorhanden. Der nächste Geschichtsschreiber läßt dann das „wahrscheinlich" weg. Die Motive, welche Cyrus bewogen, den Juden die Rückkehr nach Palästina zu gestatten und ihnen die Tempelgeräthe zurückzugeben, werden wir durch einen Cylinder aufgeklärt. Der letzte König von Babylon Nabonnid — Belsazar wird als dessen Sohn genannt — hatte, um sich zu retten, die Götzenbilder der verschiedenen Völker nach Babylon gebracht und sie dort aufgestellt. Man sah dies aber als eine Verletzung derselben an, welche ihren Zorn erregte. Cyrus ließ nun alle diese Bilder wieder nach ihren alten Sitzen bringen, stellte ihre Heiligthümer wieder her und ordnete ihre Verehrung an. Auch hatte er erkannt, daß die Politik der assyrischen Könige, die bezwungenen Völker anderswohin zu versetzen, eine falsche war, da sie nur unzufriedene Volkselemente in die neuen Sitze brachte. Er schlug den entgegengesetzten Weg ein und erwartete, daß die in ihre Heimath zurückgekehrten Volksstämme Stützen seiner Macht würden. — Wir haben hier die bedeutendsten Gegenstände, welche durch die egyptischen und assyrischen Monumente Aufklärung erhalten, aus der Schrift Sayce's hervorgehoben, und es stellt sich im Ganzen, wie der Autor auch betont, die Uebereinstimmung jener mit den Angaben der h. Schrift heraus. Die historische Glaubwürdigkeit der letzte-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.