Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1887)
- Date
- 1887-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn Dr. Philippson verbunden loar. Allein hier zeigte sich neben der unermüdlichen Schaffenskraft zugleich auch die große z Begabung und der ausgebildete Sinn für das Praktische, die! allein es in diesen! Falle ermöglichten, daß ein Verein, der schließlich aus 3500 Mitgliedern bestand, die allen Ländern der Erde angehörten, geschäftlich mit der größten Ordnung und Korrektheit geführt wurde. Der Literaturverein bestand 18 Jahre laug und hat durch die Menge der Werke, die er llerausgegeben, durch die Fülle des Wissens, das er nach allen Welttheilen hin verbreitete, durch die Ermunterung, welche er den Autoren zu Theil werden ließ, reichen Segen gestiftet. Ter Sinn für religiöses Wissen, für die Geschichte sowie die erziehende und sittlichende Kraft des Judenthums ist dadurch in den Massen angeregt und belebt worden. Nur die Israeliten aller Orten hat der Literaturverein ein geistiges Band geschlungen, der literarischen und wissenschaftlichen Thätigkeit unter ihnen einen neuen Anstoß gegeben. Wie richtig und zeitgemäß dieses Unternehmen gewesen, wird am Besten durch die Thatsache bezeugt, daß sich seitdenl mehrfach Gesellschaften ähnlicher Art gebildet haben. Der anregende schöpferische Gedanke gehört dabei, wie sooft, dieser Zeitung und ihren: Redacteur an. Es ist hier nicht der Ort hervorzuheben, welche Fülle religiöser Belehrung Dr. Philippson seinen Glaubensgenossen durch die Uebertragnng und ausführliche Kommentirung der heiligen Schriften, ferner durch seine zahlreichen religionsphilosophischen Werke geboten hat. Aber die in denselben gethane Arbeit hat er unerinüdlich auch in der A. Z. d. I. fortgesetzt. Es galt, Israeliten und Rllchtisraelüen immer wieder die hohen ethischen und dogmatischen Vorzüge des Judenthums zun: Bewußtsein zu bringen: vor allen! aber lvar es die Aufgabe dieser Blätter, darzuthun, daß die Lehre Israels, lveit entfernt, ihren Bekennen: die Erfüllung politischer und patriotischer Pflichten unmöglich zu machen, vielmehr die erhabensten, dauerndsten, noch für unsere Zeit mustcrgiltigsten socialen und politischen Prineipien verkündet. Auf Grund umfassender Gelehrsamkeit, mit einem staunenswerthen Reichthum von Ideen, mit iunner neuer und origineller Auffassung hat der Redacteur dieser Zeitung den ge schichtlichen und gesellschaftlichen Werth des Judenthums dargelegt. Und wenn wir mit Genugthuung sagen tonnen, daß derselbe in iunner weiteren Kreisen der gelehrten Welt erkannt und gewürdigt wird, und daß andererseits Hunderttausende von Israeliten mit berechtigten! Stolze auf diese ihre Eigenschaft erfüllt sind — so kommt daran das hauptsächlichste Verdienst unserem Redacteur zu. Ueberall weist er aus den geschichtlichen Geist hin, der das Judenthum, seitdem es aus dem festen Grunde der mosaischen Lehre aufgebaut worden ist, beseelt, erzieht und weiter bildet, es mit allen: durchdringt, was an den eigenthürulichen Kräfte:: der verschiedenen Zeit alter reinen und dauernden Wesens ist, es mit ihnen fortenttvickelt zu inuner höherer und edlerer Gestaltung. Deshalb kann es auch niemals seines geschichtlichen Charakters entkleidet, der Pflicht und Ausgabe entzogen werden, seine Bekenner zur vollen Durchdringung von Lehre und Leben zu erziehen: deshalb kann man ihn: niemals die Bestinnuung absprechen, inmitten der wechselnden Völker und Zeiten ständig und vollberechtigt an den Werken der Kultur mitznarbeiten. Das erste Bierteljahrhundert der Allg. Ztg. d. Jud. schloß mit den: Jahre 1861 ab. Mit Genugthuung konnten der Redakteur, die Verlagsbuchhandlung und die getreue Leserschaar aus diesen langen Zeitraum zurückblicken. Das Blatt hatte an äußeren: Umfange sich immer stattlicher gestaltet, sein Inhalt lvar inuner reicher geworden, immer ausgedehnter der Kreis seiner Freunde. Im Jahre 1873 wurde sein Format wesentlich vergrößert. Unbeirrt von allen Hindernissen, welche es auf seinem langen Gange gefunden, unbeirrt von den Angriffen der zelotischen Partei, und den kleinlichen Mitteln, deren diese sich bediente, versch:nähte es jede unwürdige Polemik und bewahrte eine edle und gleichmäßige Haltung, die es i dazu berief, das Judeuthuu: und seine Bekenner in äuge messeuster Weise zu repräseutireu. Die zahlreichen israelitischen Journale, die neben ihm und nach seinen: Muster in allen Landern gegründet waren, hatten nur die Richtigkeit der in Ihm verwirklichten Idee bewiesen, ohne ihm Abbruch zu thuu. Das von dieser Zeitung an inneren Reformen und an politischen: Fortschritt Erstrebte hatte sich zun: großen Theile,! wenigstens in den westeuropäischen Ländern, verwirklicht. In! Deutschland insbesondere galt es indes;, das theoretisch Er! langte nicht nur zu behaupten, sondern überdies in: täglichen! Leben immer mehr zur Ausführung zu bringen. Auch liier > war die Allg. Ztg. d. Jud. stets ans der Bresche. Ans ihre Aufforderung legten die jüdischen Lehrer Deutschlands 1862 den preußischen Kaminen:, als dieselben ein neues Unterrichts gesetz beriethen, in einer ausführlichen Petition ihre Bedürfnisse und Wünsche dar. Gleichzeitig regte sie zu einer Petition behufs Beseitigung des Eides more judaiuo au, der dann euch später gefallen ist. Im März 1862 hatte der damalige preußische Uuterrichtsminister von Bethinann-Holliveg in offener Kammersitzung gegen die Juden den aller Geschichte hohnsprechenden Vorwurf erhoben, daß dieselben versolgnugssüchtig