Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 51 (1887)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1887)
- Date
- 1887-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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unternommen. Durch die Stimme der Zeitung hat er das Israel der verschiedenen Länder Europa's gesammelt, damit es an der gemeinsamen geistigen Arbeit Theil nehme und mit vereinten Kräften ein Denkmal dem Geiste jüdischen Glaubens und Wissens, der Bildung und Gesittung errichten helfe. Es berührt uns eigenthiimlich, schon im ersten Jahrgauge der Zeitung die ersten Hammerschläge zur Gründung einer jüdisch - tbeologischen Fakultät zu vernehmen (1837, Ro. 88) Iil das warme Herzblut der Begeisterung taucht der junge 'Hciuicteur feine Feder zur „Aufforderung an alle Israeliten Deutschlands zu Subseriptionen, um eine jüdische Faknlät nir Deutschland zu gründen". — „Unsere Religion, so ruft er aus, ist ohne Lehrstuhle, unsere Gemeinden sind ohne Geistliche, unsere Schulen ohne Lehrer, unsere Jünglinge und minder ohne Unterricht. Wir bedürfen eines Mittelpunktes für "Alles . . . Wir bedürfen einer Fakultät zur Entwickelung und Erhaltung unserer Religion für alle Jahrhunderte, zur Bildung unserer Geistlichen, eines Seminars zur Bildung nuferer Lehrer." Tie treue Arbeit zur Begründung einer Pflanzstätte für die Wissenschaft des Judenthums fetzt sich durch mehrere Jahrgänge der Zeitung fort — viele willige .Hände regen sich zu freudiger Förderung, jedoch ohne daß vorerst das Werk ins Leben treten kann. Wenn nach Jahren die Großsinnigkeit edler Männer Schöpfungen, wie die in Rede stehende oder annähernd ähnliche, in Breslau, Berlin, Pest, Wien, London, Eineinnati ermöglicht hat: wer darf dann den zwischen diesen und den: verwandten Wirken der A. Z. d. I. in Abrede stellen, deren Redaetenr in lauge voraufgegangenen Jahren den ersten Werderuf dazu ergehen liest! Sieben Jahre verfliesteu, und die A. Z. d. I. trägt einen neuen Stein zum innern Ausbau des Judenthums herbei. In Ro. 3 1814 erlästt Herr I >r. Philippsou die Aufforderung „an alle Rabbiner und jüdische Geistliche Deutschlands zur Abhaltung alljährlicher Berfa mmlun gen". Wem konnte die Bedeutung solcher Zusammenkünfte entgehen! Wie viel Segen und gedeihlicher Fortschritt konnte aus dem gegenseitigen Ideenaustausch, der Klärung der Meinungen und Ansichten, der persönlichen Annäherung und dem daraus hervorgehenden Zusammenwirken der Rabbiner für die Gemeinden erwachsen! Ter Aufruf fand empfänglichen Boden im Herzen der .Kollegen. Drei Rabbinerversammlungen in jährlicher Aufeinanderfolge (1844 bis 1846) traten in Braunschweig, Frankfurt a. A4 und Breslau, eilte vierte int Jahre 1866 in Kassel zusammen: und derselbe Mann, der diese geschaffen, weil er von ihnen eine Erneuerung des religiösen Teltkens und Lebens erhoffte, stand niemals am äußersten Rande des Weges, joubern war stets in der mittleren Bahn zu finden und erhob sein Wort jeder Zeit im Sinne der Mäßigung, ehrfurchtsvoll für das Ueberlieferte, maßvoll in der Abänderung desselben. An dem Wendepunkte, wo der Geist des Judenthums angelangt war, um eine neue und höhere Stufe der Entwickelung zu ersteigen, nahm der einsichtsvolle Beobachter sorgfältig darauf Bedacht, die Wirkungen des Gewinnes nicht durch wichtige Verluste werthlos zu machen und dadurch Unsicherheit in beit innigsten und heiligsten Gefühlen herbeizuführeu. Daß die Rabbiner- Versammlungen, wie verschieden man auch über sie denken mag, vielfach Uebereinstimmung im Cnltus der Gemeinden begründet, aufkläreud gewirkt und dem religiösen Denken neue Bahnen geöffnet haben — kamt nicht in Zweifel gezogen werden: und ebenso gewiß ist es, daß die späteren Rabbinerversammlungen auf den Redaetenr dieser Zeitung als ihren mittelbaren Urheber znrückzuführen sind. Von der größten Bedeutung im Sinne einer idealen geistigen Bereinigung der Israeliten aller Länder, die das leitende Moment in der Seele des Dr. Philippsvn bei alten seinen Bestrebungen ausmachte, war seine Begründung des i „Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur". Es war das charakteristische Merkmal im Wirken des Mannes, daß er der jüdischen Volksseele ihr innerstes Bedürfnis; abzulauscheu, es in ihr zu wecken, durch das rechte , Wort und Mittel zum vollen Bewußtsein zu bringen ltitb zu befriedigen verstand. Die Literatur des Judenthums aber mit den reichen Schätzen von Bildung und Wissen, von Glaubenskraft und Belehrung erachtete er an erster Stelle für geeignet, die Israeliten mit Liebe und Verehrung für ihre Religion zu erfüllen und zu einer geistigen Gemeinschaft und Ganzheit zu einem Deshalb trägt die A. Z. d. I. (1855, Ro. 8) die Aufforderung „an alle deutschlesenden Israeliten" hinaus zur Gründung der vorhin bezeichneteu israelitischen Literatur-Gesellschaft. Und daß das Wort belebend gewirkt, ergiebt sich am Klarsten dadurch, daß bereits Ro. 16 desselben Jahrganges mittheilt, 1200 Theituehmer seien dem Verein beigetreten, die inneren Drganisatiousarbeiten, die Unterhandlung mit Autoren n. s. w. in .vollem Gange. Es hält schwer, sich von dem Umfang der Arbeit, der Muhe und Sorge, von der Größe der Verantwortung eine Borstellung zu machell, welche mit der Leitung des Vereins, wiewohl dieselbe in der Hand von drei Mitgliedern lag, für