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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-04 · Heft 1 (4.1.1887) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 1 (4.1.1887)
Date
1887-01-04
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Juden wurde! Wie die Fluthwellen voruub rückwärts drängen: \o stieg und fiel überall von Zeit ju Zeit der Gradmesser der bürgerlichen Gleichstellung der Juden. Illach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV. machte sich bei diesem romantischen Freunde mittelalterlicher Einrichtungelt die Absicht geltend, die Israeliten wieder von der Wehrpflicht auszuschließen, ihnen in den Sladtcollegieu, gegen Aufgebung ihres allgemeinen Wahlrechts, eine besondere Vertretung zu verleihen und sie auch künftighin voll allen StaatSälntern fernzuhalten. Phitippson bewirkte, daß — eine bis dahin unerhörte Thatsache — zahlreiche jüdische Gemeinden hiergegen unmittelbar bei dem Könige vorstellig wurden, worauf dieser in der That seilte Absicht anfgab. Vielmehr sprach die preußische Verfassung die gesetzliche Gleichberechtigung aller Staatsangehörigen altS. Kaum war aber die Reaction am Ruder, als 1856 int preußischen „Hause der Abgeordneten" der sogenaultte Wagnerische Antrag eingebracht wurde, der nichts Geringeres als die Aufhebung der verfassungsz ntäßigen bürgerlichen Gleichstellung der Inden in Preußen verlangte. Gewiß, das l'aub stand diesem Anträge ohne Zuneigullg gegeltüber, uild durch die Reihen der JSraeliteu lief ein Schrei der Entrüstulig. Alleilt von der A. Z. d. I. ging j das Stichwort zur Vereinigung aller jüdischen Gemeinden Preußens ans zullt Zwecke von Petitionell au das Abgeordtcetenhaus: 270 Gemeinden fanbicit in Folge dessen ihre Pro teste ein und erlangten die Verwerfung des Wagneuschen Antrags. Wie sehr jedoch der Redacteur dieser Zeitung mit seiner ganzelt Persönlichkeit mitten in dieser Bewegung stand und in seiner Hand alle Fäden derselben zusammenliefen, davon vermag luan nur dltrch Nachlesen tu der Zeitung selbst eine Vorstellung zu gewinnen. Und doch war dieses nur eilte Seite der großen Kraftentfaltung unserer Zeitung, die ihrer Aufgabe, Hort und Wächter alles jüdischen Interesses zu seilt, sich bewußt, über dent Anslande nicht tuinder wie über bcm Jnlande ihren Blick! schweben ließ. Man schlage jene Blätter auf, welche von der vorhin bezeichneten Frage erzählen, und man wird daneben auch zugleich Berichte über Borstellungelt bei dem Pariser Eongreß, wie bei dern Staatsministerium und den Cortes! in Spanien finden, mit jenen für die Emaneipation der Jsrae-j Iiteil im türkischen Reiche, diese für die Freiheit des Cultus! der Israeliten zu interessireu, nachdem ihnen der Wiederein-! tritt in die spanischen Lande bereits gestattet lvar. In 600! Exemplaren gedruckt und in's Spanische übersetzt, loird die! Petition an die Cortes abgesandt; die israelitischen Consistoriett tu Frankreich werden um ihre Ultterstützung ersucht; die Wahlkörper verschiedelter Städte in Spanien und einige Jourj mite dieses Landes sprechen sich sympathisch aus. Aut 26. Februar 1655 beschließen die CorteS, daß „kein Spanier oder j Ausländer wegen seiner Meinung oder seines Glaubens verfolgt werde", und am 21. Februar 1856 erläßt der Sultan einen Ferman, Inhalts dessen „keine Classe der Unterthanen seines Reichs wegen der Religion, der Sprache oder Abkunft 1 benachtheiligt werden solle." Nicht minder warm trat die , Zeitung für die Millionen unglücklicher russischer Glaubens- ' genossen ein. Diese haben die A. Z. d. I. stets als ihre! Sprecherin int Oceident betrachtet, als das -Organ, durch wel-! ches sie dent eivilisirteren und gerechteren Westeuropa ihre > Klagen, Leiden und Wünsche zu Gehör brachten. Unermüd lid) war der Redaeteur in seinen Bestrebungen zur Besserung ihrer Lage. Zltsammenfassende Leitartikel, Studiert, sorgfältig überdachte Vorschläge zu inneren uub äußeren Reformen der Lage der Inden Rußlattd'S erfüllten die Spaltetr unseres Blattes. Hub feine ebenso Herzwie geistvollen Bentühungen blieben nicht ohne Erfolg: der hochherzige Kaiser Alexander II. schaffte die Mehrzahl jener Ausnahmegesetze ab — seitdeut hat man leider deren viele wieder Angeführt — und erkannte das Verdienst Philippson'S um die sittliche und politische Hebung seiner israelitischen Unterthanen durch eilt glänzendes Zeichen seiner Huld ent. Das waren Lichtstrahlen, die warnt mrd hell in das Herz der Juden fielen mtb ihren Reflex auf die A. Z. d. I. warfen, welche mit reinster Begeisterung „im Rauten der deutschen JSraeliteu" das Banner der Glaubens und Gewissensfreiheit emporhob und den Namen der deutschen JSraeliteu mit goldener Schrift ni die Bewegung eingezeichnet hat, an welcher alle gebildeten Volker mit ihrer Gesittung und Ehre betheiligt waren. So hatte die kundige und glückliche Führung deS RedaeteurS, gestützt durch das fordersame und geschickte Walten des Verlegers, der Zeitung eine immer freundlichere Aufnahme int Publikum verschafft und sie zu dem berufenen Rathgeber in allen öffentlichen uub inneren Fragen des Judenthums gemacht. Und doch glich das bisher Geschehene nur einer Wehr, eitter Schutzmauer gegen oott außen her zu erwartende Angriffe. Alleitt wie die Bauleute an der Mauer Jerusalems in Nehemia's Tagen mit der einen Hattd ben Gegner zurück - schlugen, mit der andern den Bau vollendeten: so hat der Redaeteur uttserer Zeitung neben der zum Zwecke der materiellen Eittheit geschaffenen Umfassungsmauer zugleich auch den innern Ausbau int Glauben und Leben seitteS Volkes

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