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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-04 · Heft 1 (4.1.1887) · p. Seite 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 1 (4.1.1887)
Date
1887-01-04
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 israelitischen Gemeinde überwiesen. — Iw. I. Baert, ein! Rath vr. Ocstrcich hat der Lehrerbildungsanstalt der Berliner hervorragender Talmudist und Inhaber einer hebräischen israelitischen Gemeinde 30,000 Mark und der Alterverso» Buchhandlung zu Berlin ist vorgestern im Alter von 62 gungsanstalt 21,000 Mark letztwillig vermacht. Jahren verschieden. — Ter jüngst verstorbene Geh. San.- K e u i l l e t o n. Skizze zur Geschichte der Juden in Teplitz') (Böhmen). Von Dr. Adolf Rosenzweig, Rabbiner und Prediger daselbst. Im Norden Böhmens, wo Oesterreich hart an Sachsen streift, breitet sich das Bielathal aus, ein herrliches Stückchen Erde, umrahmt von sanft sich abhebenden Bergen, mit duftigen Wäldern, durchwogt von frisch pulsirendem Leben — ein liebliches Bild göttlicher Gnade und menschlicher Kraft. Hier wogt's und hämmert's und pocht's ohne Ende! Da keucht ächzend das Dampfroß einher, grimmig Feuer sprühend ob der Herzlosigkeit der Menschen, die ihm Lasten ohne Maß auferlegt, dort wieder windet sich trotzig der Amboß unter den wuchtigen Schlägen, vom verwandten Eisen geschlagen, die auf seinen wunden Rücken herniederfallen — so weit das Auge reicht, rauchende Essen, dampfende Schlote, ein Glühen und Blühen ernster Arbeit, reich entwickelter Culturverhältnisse. Und im Herzen dieses Thales liegt Teplitz, die alte berühmte Thermenstadt, oder wie sie sich noch lieber nennt, die ewig junge Stadt der Feste, mit etwa 18,000 Einwohnern. Wer die idyllisch gelegene Stadt mit ihren Luxusbauten und Fabriken heute betrachtet, der würde es kaum glauben, welche Kämpfe hier einst stattfanden; wer den heute so friedlich in's Land schauenden Schloßberg mit seiner in modernem Kleide sich präsentirenden Burg, in deren Räumen jetzt nicht selten fröhliche Lieder munterer Zecher erklingen, sieht, der würde es dem Alten kaum Zutrauen, wie viel Unheil er über das von ihm beherrschte Thal gebracht, wie oft er seine Herren gewechselt, wie viel er ertragen. 1) Ich halte mich in dieser Skizze, namentlich in deren politischem Theile, zumeist an Hallwich's Buch: Töplitz. Eine deutschböhmische Stadtgeschichte. Leipzig, Duncker u. Humblot, 1886, gedenke aber die Geschichte der hiesigen Gemeinde ausführlicher nach den Materialien, die die hierortigen Archive bergen, zu bearbeiten. Es ist hier nicht der Ort, auf Hallwich's Annahme, statt Teplitz sei richtiger Töplitz zu schreiben, näher einzugehen, doch kann ich mir nicht versagen zu bemerken, daß nach dieser Annahme unerklärlich bliebe, wie aus dem keltischen „toppa“, das mit dem griechischen „töpos“, Ort, davon Hag, im Zusammenhänge stehen soll, Töplitz werden konnte; denn abgesehen davon, daß die Etymologie des Keltischen gar arg in Zweifel steht und das griechische „topos“ ein zu allgemeiner Begriff ist, muß als feststehend anerkannt werden, daß eine große Zahl czechischer Ortsnamen auf ic (germanisirt itz) auslautet. Mag auch Teplitz urdeutschen Ursprungs jein, der Name ist mit dem slavischen „leplo“, warm, in Verbindung zu bringen. Aber vielleicht gerade deswegen, weil die Schönheit der Gegend gar zu schwer mit der Unruhe, die hier lange die Menschen ängstigte, in Einklang zu bringen ist, weil die Bewohner dieser Stadt selbst lange die Entwürdigung der Knechtschaft getragen, erwuchs in ihnen ein milderes Herz, das mit den Leidenden fühlte, ein freieres, toleranteres Bürgerthum, das auch die Juden, dieses Stiefkind der Geschichte, duldete: denn ob diese auch hier nicht das verlorene Paradies gefunden, obwohl ihnen auch hier manche herbe Stunde, voll Sorge und Pein schlug, so hat unsere Gemeinde dennoch allen Grund, mit Stolz und Liebe auf ihre schöne Vaterstadt zu blicken — in ganz Böhmen dürfte kaum noch eine andere Stadt zu finden fein, in der die Inden wie hier ein stetes Asyl gefunden, und auch heute wird nicht so leicht in Böhmen und weit über die Gemarkung dieses Kronlandes hinaus eine bürgerliche Gemeinschaft zu finden sein, in der Jude und Christ so friedlich neben einander lebten, wie dieses hier der Fall ist. Oder ist es nicht charakteristisch, wenn in unserer Zeit, in der Hoch und Niedrig gerne das Paraderoß, Antisemitismus genannt, reitet, und Wahn und Neid an allen Orten von dem schädlichen Einflüsse der Juden auf das öffentliche Leben predigen, unter 36 Stadtverordneten 9 Juden Sitz und Stimme haben? Doch lassen wir nunmehr die Gegenwart, wenden wir den Blick vergangenen Tagen zu. Inwieweit die Tradition, nach der bereits im achten Jahrhundert hier Junker ansässig waren-), auf Wahrheit beruht, vermögen wir nicht zu entscheiden. Immerhin wäre es möglich; denn daß die hiesigen Heilquellen nicht etwa erst im achten Jahrhundert, sondern weit länger bekannt sind, folgt mit Bestimmtheit aus der Thatsache, daß, als die hiesigen Thermen im Frühjahr 1879 zeitweilig ausblieben und zu ihrer Wiedergewinnung der Quellenschacht abgetäuft wurde, im Quellenspalte zahlreiche römische Bronce- und Silbermünzen, sowie verschiedene Schmuckgegeustände gefunden wurden, die nach Annahme der Sachverständigen um 100 — 200 v. Ehr. von den heidnischen 2) Nach Helm, Die Curorte Teplitz und Schönau, Teplitz 1868, kamen die Juden erst um I486, nach erner freundlichen Mittheilung des hochwürdigen hiesigen Kaplans Ad. Rudolf, die er dem Memorabilienbuche der Dechantei entnahm, um 1488 hierher. Allein die Angaben entstammen einer späteren Zeit und sind keines Falles maßgebend.

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