Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-04 · Heft 1 (4.1.1887) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 1 (4.1.1887)
Date
1887-01-04
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227663-3227665--44091-3266350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 wandert, und zu lange währte die unbestrittene Herrschaft des Deutschthurns, während die Czechische lediglich von den unteren Volksclassen gesprochen ward, als daß nicht die deutsche Sprache und deutsche Sitte sich in ihnen nicht hätte erhalten sollen. Allerdings haben die Juden unter der Herrschaft der Deutschen viel gelitten; wie oft schwebte das Damoklesschwert der Versagung über ihren Häuptern und fiel gelegentlich auch nieder. Besonderen Judensteuern waren sie bis 1847 unterworfen, von Grundbesitz und Handwerken ausgeschlossen, und man hatte für sie nur Mißachtung und Spott. Aber dies haben wir längst vergessen. Die jüngere Generation weiß nicht einmal mehr, unter welchem Drucke ihre Väter gelebt. Aus dem Deutschen ins Czechische bedeutet immerhin in geistiger Beziehung einen Rückgang, da die czechische Cultur noch viel zu thun hat, um sich auf das Niveau der deutschen zu erheben. Da nun ein gemeinsamer Verband außer in natureller Beziehung für die Juden nicht besteht, so ist es schließlich den Individuen überlassen, ihre Wahl zu treffen. Es giebt auch bereits unter den Juden, namentlich in Prag, czechische Heißsporne. Möge es bald gelingen, das Feuer der Zwietracht zu löschen und einen Ausgleich zwischen den beiden streitenden Nationalitäten zu finden. Niemand kann dies eifriger wünschen, als unsere böhmischen Glaubensgenossen. Frankreich. Paris, 19. Dez. Die Radikalen dringen immer von Neuem auf Trennung der Kirche vom Staate, namentlich Streichung des Cultusbudgets. Das neue Ministerium weist diese Forderung zurück, und der Ministerpräsident Goblet erklärte, dies wäre ein Contraktbruch, und das Land wünsche cs durchaus nicht. Paris, im Dezember. Das Novemberbulletin der^Ilianes isr. univ. enthält folgenden interessanten Bericht: In Folge io schmeizlicher Ereignisse, welche in den Jahren 1881 und 1882 vor sich gingen, hielt das Central-Comits es für seine Pflicht, die Ausbildung einer bestimmten Anzahl jüdischer Studenten aus Rußland zu übernehmen. Diese Maßnahme schien um so mehr gerechtfertigt, als die in Rußland ausgegebenen beschränkenden Gesetze den Israeliten immer mehr den Zutritt zu den höheren und technischen Unterrichtsanstalten untersagen. Indem das Central-Comits dieses rein transitorische Werk gründete, hatte es die Hoffnung, daß die so ausgebildeten Studenten bei ihrer späteren Rückkehr in ihr Vaterland dort auch einen heilsamen Einfluß auf ihre Glaubensgenossen und ihre Mitbürger ausüben würden. Tie Zahl dieser Studenten, die sich hauptsächlich der Medizin, der Chemie und den industriellen Künsten gewidmet, ist immer sehr beschränkt gewesen, und von heute an wird kein Antrag mehr zugelassen werden. Diese Institution fing erst im Jahre 1834 an, regelmäßig zu funktioniren. Im Verlaufe jenes Jahres hat das Central-Comits 25 junge Leute unterstützt, davon 12 Studirende der Medizin, 3 Chemiker, 2 Studenten der Wissenschaften, eine Lehrerin und einen Uhrmacher; es gab für diesen Zweck die Summe von 16,000 Frk. aus. 1885 nahm das Unternehmen eine bedeutende Ausdehnung an, das Central-Comits kam 38 Studenten und Studentinnen zu Hülfe: 16 Studenten der Medizin, 14 Chemikern, 2 Mechanikern, 2 Droguisten, 1 Zeichner, 1 Schüler der Gobelinsschule, 1 Sänger; die Kosten beliefen sich auf 24,600 Frks. Schließlich gab die Ulianes im Jahre 1886 30,000 Frks. aus, um 43 Studenten zu unterstützen, davon 13 Mediziner, 10 Chemiker, 3 Mechaniker, 2 Schüler der Handelsschule, 2 Droguisten, 1 Zeichner, 1 Schüler der Gobelinsschule, 1 Dentisten, 1 Chemiker, 1 Sänger, 1 Studenten der Wissenschaften. Der Vorstand des Mansion-House Bund in London gewährte dieser Einrichtung seinen vortrefflichen Schutz; es steuerte im Jahre 1884 und im Jahre 1885 zu oben angegebenen Summen eine jährliche Subvention von 10,000 Frk. bei. Dem Central-Comits ist es eine hohe Befriedigung, dem Vorstände des Mansion-House für seine wohlwollende Unterstützung seinen herzlichen Dank auszusprechen. Italien. Aus Italien, im Dezember. (Nach dem Arch. isr.) Ein junger Glaubensgenosse aus einer der angesehensten und reichsten Familien von Florenz, Herr Elio Medigliani, reiste vor einem Jahre ab, um Malesien zu durchforschen, zu dem Zwecke, die Geographie und Naturwissenschaft mit den Resultaten seiner Entdeckungen zu bereichern: nach einem kurzen Aufenthalte in Jsboga auf Sumatra begab er sich nach Ponto-Rial, einer sehr wichtigen, aber wenig bekannten Insel. Herr Modigliani hat zahlreiche etnographische und anthropologische Sammlungen, eine Menge photographischer Ansichten und wichtige botanische und zoologische Funde zusammengestellt: den größten Theil davon hat er für das Museum von Genua bestimmt. — Die Eröffnung des Rabbinerseminars zu Rom, die seit so lauge in Aussicht gestellt worden, scheint jetzt gesichert. Es wird mit 8 Zöglingen beginnen. Mehrere Gemeinden haben schon jährliche Beiträge votirt. Bonn, 19. Dez. (Notizen.) Aus Wien wird ge^ schrieben: den 11. v. M. starb in Corfu Giuseppe Nacamulli, der das hebräische Gebetbuch zum ersten Male ins Griechische übersetzt und in der von ihm errichteten Druckerei gedruckt hat. — Die Wittwe des Freiherr» Meyer Karl v. Rothschild hat in Ausführung des Testaments ihres verstorbenen Gemahls 10,000 Mk. dem Almosenkasten der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.