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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1887-01-04 · Heft 1 (4.1.1887) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
51 (1887)
Issue
Heft 1 (4.1.1887)
Date
1887-01-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Paris erschien und nach kurzem Dasein verschwand. Dieser Aufruf mit seinen extravaganten Auslassungen würde Crsmieux j als einen unsinnigen, unzurechnungsfähigen Menschen bezeichj net haben, noch dazu, da dieser Aufruf für die Oeffentlichkeit j bestimmt war. Wie aber jede Geschichtsfälschung sich durch irgend einen Zug als Betrug verräth, so sollte dieser Aufruf 4863 verfaßt sein. Nun war aber Crämieux an der Gründung der Ulianos gar nicht betheiligt und trat ihr erst mehrere Jahre später bei. Es versteht sich, daß sofort gegen diese Täuschung protestirt und sie als eine solche gebrandmarkt wurde. Aber das hielt die deutschen Antisemiten nicht ab, diesen Aufruf zu verbreiten und frohlockend daraus ein Zeugniß für die Anmaßungen und die geheimen Pläne der Juden zu ziehen. Auch den, jeder Gewissenhaftigkeit baren Drumont hielt es nicht ab, die Lügenschrift seinem Pamphlet einzuverleiben, und auf solche Autorität hin übernimmt sie auch Oertzen und citirt die compromittirenden Stellen daraus. Crsmieux wird überhaupt von Drumont und Oertzen wie ein Lieblingsgegenstand behandelt, und sie kehren Alles, was er gethan, ins Schmähliche um. Freilich, daß er seinen Ruf jener glänzenden Vertheidigung verdankte, die er für die angeklagten Minister Karls X. vor der Pairskammer geführt, verschweigen sie. Nun, er kann sich trösten. Drumont schmäht die Regierungen, den Adel, die sämmtlichen Politiker und Militärcommandeure, die Männer der Wissenschaft und Kunst, der Industrie Frankreichs. Nur der katholische Klerus findet Gnade vor seinen Augen und das Proletariat, ja er liebäugelt mit der socialen Revolution, fordert zu Plünderung und Mord auf und hält dies „für die erfolgreichste Revolution". Dies alles hält die protestantischen Christlich-Socialen, sollte man es glauben, nicht ab, den Herrn Drumont und sein Werk zu verherrlichen! So verblendet der Haß. Die Schrift Drumonts hat besonders unter den Klerikalen Verbreitung gefunden, und seine vielen Pikanterien erweckten eine außergewöhnliche Neugierde. Aber ernst wurde sie in Frankreich nicht genommen. Dies erweist sich dadurch, daß von den ca. 3000 geschmähten Persönlichkeiten nur einige wenige Journalisten Erklärungen gegen dieselbe erließen. Oertzen nimmt sie aber ernst. Was geht es ihn denn eigentlich an? Drumont geht nicht über die Grenzen Frankreichs hinaus; Alles, was er bespricht, ist französisch. Ja, aber die Juden spielen eine Hauptrolle darin; diese haben Frankreich an den Rand des Abgrunds gebracht; sie die französische Nation entsittlicht, zur Entartung, zum Verfall geführt. Dies ist Etwas für die Geschmacksorgane Oertzens und der Christlich-Socialen. Daß sie den lächerlichsten Unsinn mit in den Kauf nehmen, macht ihnen alle Ehre. Dabei streitet Drumont gar nicht gegen die Juden selbst, sondern nur gegen das halbe Dutzend jüdischer Finanzbarone in Paris, die an allem Unheil schuld sind. Mit dem gewöhnlichen antisemitischen Kniff wird nun Alles, was diese gethan und angerichtet haben sollen, ans alle Juden gewälzt. Besonderen Geist entwickelt Oertzen in seinem Vortrage nicht, höchstens excerpirt er geschickt. Er nimmt natürlich auch die Schilderung des gänzlichen Verfalls der französischen Nation mit herüber, und wer dies liest, muß sich doch wundern, daß trotzdem die Besorgniß vor einem Kriege mit den Franzosen in Deutschland auskömmt und zu den Motiven für die Vermehrung des deutschen Heeres gehört. Mit dieser Skizze haben wir wohl diesen Vortrag und seinen Verfasser characterisirt; in weitere Details einzugehen, halten wir für überflüssig, da in den« Kreise, in welchem Oertzen sprach und für den er seine Rede veröffentlichte, doch nichts zu bessern ist und Berichtigungen nichts helfen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 14. Dezember. Trotz seines zurückgezogenen Lebens innerhalb der Grenzen seines Binnenlandes, hatte das alte Israel vielfache Berührungen mit den umgebenden Nationen und den großen Dynasten von Süd und Ost. Schon seit Abraham steht Israel mit Egypten in Verbindung. Unter dem dritten Könige in Jerusalem wurde dieses von einem Pharao erstürmt und geplündert, und selbst über das Juda des zweiten Bestandes herrschten eine Zeit lang die egyptischen Ptolemäer. Mit den Phöniziern knüpfte Salomon Handelsverbindungen, die sich zu regelmäßigem Verkehre ausbildeten, wie uns Ezechiel belehrt (Kap. 27.) Mit den Aramäern hatte schon David, hatten die späteren Könige von Juda und von Israel mannigfache Kämpfe. Die Assyrer zerstörten das Zehnstämmereich und belagerten, wenn auch vergebens, Jerusalem. Der große Babylonier zertrümmerte das Reich Juda, dessen Hauptstadt und Heiligthum. Die Judäer lebten im Exil in Babel und babylonischen Landschaften und nach der Rückkehr und dem Wiederaufbau Jerusalems über zwei Jahrhunderte unter der Herrschaft der Perser. Welche Rolle die Kanaaniter, Philister, Moabiter re. in der Geschichte des alten Israel spielten, brauchen wir nur anzudeuten. Es war daher natürlich, daß wir in den Büchern der h. Schrift viele Notizen über alle diese Völker finden mußten, wenn diese auch über den Charakter und die Sitten aller Nationen nur wenig bieten konnten, weil eben der Blick des alten. Israel stets mehr nach Innen als nach Außen gekehrt war. Als nun seit 1799 die alte egyptische Welt der wissenschaftlichen Kenntniß sich erschloß und es unermüdlichen Forschungen gelang, die Hieroglyphen zu entziffern; als ferner seit 1842 die Ausgrabungen in den Resten von Babel und Niniveh eine ganze Bibliothek von Inschriften ans Tageslicht förderten und auch hier mühsam fortgesetzte Untersuchungen den Weg zur Erkenntniß der Keilschrift bahnten;! als endlich auch einige phönizische Denkmäler und ein moa-

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