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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-26 · Heft 52 (26.12.1889) · p. Seite 826

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 52 (26.12.1889)
Date
1889-12-26
Page
Seite 826 (sequence 14)
Language
German
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826 ihren Theil des Witzes mit. Sie nahmen auch hierbei nur die bescheidene Rolle eines Mitarbeiters, der sich nach der Dircction des Führers richtet, in Anspruch. Eine Scene ans Georg Ebers' neuestem Romane „Josua". Wir haben dieses neueste Erzeugniß der Muse Ebers' bereits in Nr. 51 besprochen und wollen hier eine der bedeutendsten Scenen dieser Dichtung unseren Lesern mittheilen. Josua, der bis dahin Hosen geheißen, war zu einer der höchsten Stellen im egyptischen Heere aufgestiegen und bei Pharao, dem er natürlich den Eid der Treue geleistet, sehr angesehen. Eben war er an der Spitze seiner Abtheilung siegreich aus einem Feldzuge in die Nähe von Ramses zurückgekehrt, als in der Nacht vorher das Volk Israel unter Moses und Ahrou ausgezogen und nach Succoth abgerückt war. Josna empfing eine Botschaft seines Vaters Nun, sofort dem Volke zu folgen und sich diesem anzuschließen; auch wurde ihm von der Begeisterung berichtet, welche sich des Volkes bemächtigt hatte, von der Zuversicht auf seinen Gott, mit welcher es seine bisherigen Heimstätten verlassen. Da entstand in Hosea's Geiste ein heftiger Kampf. Von der einen Seite der Eid der Treue gegen den König, seine hohe Stellung und das ganze egyptische Wesen, dem er sich ergeben, von der anderen die Pflicht des Gehorsams gegen den Vater und das heimliche Band der Anhänglichkeit an sein Volk. Selbst der ganze egyptische Götterglaube war ihm wie vielen Israeliten vertraut geworden. Bekanntlich giebt es Egyptologen, welche behaupten — erwiesen ist es noch nicht — daß in den Mysterien der egyptischen Priester die Einzigkeit Gottes gelehrt worden sei. Sehen wir nun, auf welche Weise Ebers diesen Conflict in Josua's Seele ausgleicht. „Gesenkten Hauptes kehrte Hosea in das Lager zurück. Der Zwiespalt in seiner Seele war ausgeglichen. Er wußte jetzt, was ihm zu thun oblag. Der Vater rief ihn, und er mußte gehorchen. Und der Gott seines Volkes! Bei der Erzählung des Alten war alles zu neuem Leben erwacht, was er als Kind von iüm vernommen, und er wußte jetzt, daß er ein anderer sei als der Seth der Asiaten in Unteregypten oder „der Eine" und „die Summe des Alles" in Adepten. Die Gebete, die er beim Schlafengehen gesprochen, biej Geschichte von der Schöpfung der Welt, die er nie genug j hören konnte, weil sie mit so herrlicher Deutlichkeit zeigte, wie nach und nach alles entstanden, was es auf Erden gab und am Himmel, bis der Mensch kam, um es in Besitz zu nehmen und es zu genießen, die Erzählung vom Vater Abraham und Jsaac, von Jacob, Esau und seinem Ahnherrn Joseph, er hatte ihnen so gern gelauscht, wenn sie ihm von j der sanften Frau, die ihm das Leben gegeben, von der Wärterin und dem Großvater Elisama mitgetheilt worden waren, und doch meinte er sie längst vergessen zu haben. Aber in der Hütte des alten Sclaven hätte er sie Wort! für Wort nacherzählen können, und er wußte nun wieder, i daß es einen unsichtbaren, allmächtigen Gott gab, der sein j Geschlecht allen anderen vorzog und ihm verheißen hatte, es zu einem großen Volke zu machen.! Was unter den Egyptern geheim gehalten ward als das größte Mysterium, das war ein Gemeinbesitz der Seinen. ' Unter ihnen konnte jeder Bettler und Sklave die Hände im; Gebet zu dem einigen unsichtbaren Gott erheben, der sich dem Abraham geoffenbaret. Klügelnde Köpfe unter den Egyptern, die sein Dasein geahnt und sein Wesen verbrämt mit Ausgeburten der eigenen Einbildungskraft und des eigenen Denkens, hatten es mit einem dichten Schleier verhüllt und hielten es vor der Menge verborgen; nur im Kreise seines Volkes war er wahr- : Haft lebendig, zeigte er sich wirksam in seiner gewaltigen,! herzerschütternden Größe.! Er war nicht die Natur, mit der die Geweihten in den i Tempeln ihn zusammenstelleu ließen; nein, hoch über alles; Geschaffene und die ganze Erfcheinungswelt, mitsammt dem Menschen, seiner letzten und vollkommensten Schöpfung, die er als sein Ebenbild gestaltet, erhob sich der Gott seiner Väter, und die gesammte Creatur war unterthan seinem Willen. Als gewaltigster aller Könige lenkte er mit gerechter Strenge alles, was lebte, und entzog er sich auch dem Blicke und dem Borstellungsvermögen der Menschen, seiner Gebilde, so war er doch ein lebendes, denkendes, bewegtes Wesen wie sie, nur daß seine Daseinsfrist die Ewigkeit war, sein Geist die Allwissenheit, der Kreis seines Herrschaftsgebietes die Unbegrenztheit. Und dieser Gott, er hatte sich selbst zum Führer seines Volkes gemacht. Es gab keinen Feldherrn, der es wagen durfte, sich mit ihm zu messen. Täuschte Mirjam nicht der prophetische Geist, und hatte er ihn wirklich berufen, sein Schwert zu führen, wie durfte er ihm widerstreben und welchen höheren Posten gab es auf Erden? Und sein Volk? Das Gesindel, dessen er eben mit Verachtung gedacht, wie schien es sich nach dem Bericht des Alten durch des Höchsten Macht gewandelt zu haben!— Es lüstete ihn jetzt, es zu führen, und mitten auf dem Wege zum Lager blieb er auf einem Tünenhügel stehen, unter dem

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