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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-26 · Heft 52 (26.12.1889) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 52 (26.12.1889)
Date
1889-12-26
Page
Seite 827 (sequence 15)
Language
German
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827 die unbegrenzte Fläche des Meeres im Glanz der verglimmenden Himmelslichter schimmerte, und erhob zum ersten Mal seit langen, langen Jahren Arme und Augen zu dem Gott, den er wieder gefunden. Mn einem Gebetlein, das ihn die Mutter gelehrt, begann er; dann aber rief er den Höchsten an wie einen mächtigen Berather und bat ihn mit inbrünstiger Wärme, ihm den Weg zu weisen, auf dem er, ohne ihm und dem Vater ungehorsam zu werden, den Eid, den er dem Könige geleistet, nicht zu brechen, und nicht zum Ehrlosen zu werden brauche in den Augen derer, denen er Großes verdankte. „Als treuer Gott, der den Eidbruch straft," rief er in die Höhe, „preisen dich die Deinen! Wie kannst du von mir fordern, daß ich mich treulos erweise und die Schwüre breche, die ich geschworen? Was ich bin und vermag, gehört dir, du Großer, und Blut und Leben bin ich gewillt, meinem Volke zu weihen. Doch bevor du mich in Ehrlosigkeit stürzest und Eidbruch, raffe mich don hinnen und betraue einen Andern, den kein heiliger Schwur bindet, mit dem Werke, zu dem du deinen Diener erkoren." So flehte er, und es war ihm, als habe er einen Freund, den er verloren gemeint, in den Armen gehalten. Dann schritt er still weiter durch die schwindende Nacht, und wie das erste Morgengrauen erwachte, ebbte in ihm die Hochfluth der Gefühle, und der besonnene Truppenführer begann wieder ruhig zu denken. — Josua beschloß, obschon er sich schwerer Strafe gewärtigen mußte, zu Pharao zu gehen und ihn um Entbindung von seinem Eide zu bitten. Pharao nahm ihn wider Erwarten freundlich auf und erfüllte sein Gesuch, aber unter der Bedingung, daß er sofort zu den Führern des Volkes sich begebe und diese überrede, nach dreitägigem Opfer in der Wüste das Volk znrückzuführen. Man wolle diesem neue fruchtbare Sitze im nordwestlichen Theile des Delta einräumen, es solle fortan von selbstgewählten Voigten regiert werden und Josua Statthalter sein. Richte er dies nicht aus, so müsse er zu Pharao zurückkehren, und hierauf hatte er einen neuen Eio zu leisten. Natürlich hatte seine Sendung keinen Erfolg, er kehrte seinem Eide gemäß zurück, wurde mit Ketten belastet und zu den Minen verurtheilt. Hier machte er sich frei, stieß zu den Israeliten und führte sie alsbald nach schwerem Kampfe zn einem glanzenden Siege über die Amalekiter. Vermischtes. Frucht der Frömmelei. Was die Frömmelei Alles zu thun im Staude ist, beweist folgende Geschichte, die sich in Nord-Ungarn jetzt abspielt. In Szilad lebte lange Jahre hindurch ein Ehepaar im besten Einvernehmen. Da erhielt die Frau von ihrem in Jerusalem lebenden Bruder einen Brief, worin sie dringend eingeladen wurden, nach Jerusalem zu kommen und dort ihre Tage zu beschließen. Der fromme Bruder theilte ihr aber noch den Rath, sich früher von ihrem Gatten scheiden zu lassen und von ihm, ihr noch seinem Tode ihr zuzufallendes Erbe von 500 Fl. zu erlangen, da sich für sie in Jerusalem eine — gute Partie finden werde. In dieser Angelegenheit standen die Alten dieser Tage vor dem Galcoczer Rabbinat, welches den Frieden unter ihnen herzustellen versuchte, was aber an dem Starrsinn des Weibes scheiterte. Die Scheidungsklage kommt nun vor das kompetente Gericht, welches sie wahrscheinlich wegen ihrer Grundlosigkeit abweisen wird. — i i Erzherzogin Marie Louise über die Jud^n in Preßburg. Da Erzherzogin Marie Louise, die als Gemahlin Napoleon I. den Thron Frankreichs bestieg, hatte im Jahre 1802 längeren Aufenthalt in Preßburg, der ungarischen Krönungsstadt, genommen. Aus dieser Zeit sind einige Briefe von ihr erhalten, in welchen sie auch der Inden erwähnt. Es sei Sitte bei den Juden Preßburgs, schreibt sie, daß, so oft; ein Reichstag staitfinde, vier Paare auf Kosten des Königs ausgeheirathet werden. Auch weiß sie von der Existenz eines i Freihauses zu berichten, bei dessen Betreten jeder Jude, er > mag gestohlen oder einen Mordschlag verübt haben, gegen! Verfolgung geschützt und geborgen ist. Dieses Haus enthielt! einen Saal, in dem sich die Statuen der Gerechtigkeit, der i Wohlthütigkeit und der Barmherzigkeit befanden. Sie wohnte j auch einmal dem Gottesdienste in der Synagoge bei, die hell! beleuchtet war und wo die Juden nach jedem Psalm unter! Begleitung von vielen Trompeten und Pauken derart laut! Vivat riefen, daß mir dies tic-tac in der Brust machte."

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