Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1889)
- Date
- 1889-12-26
- Page
- Seite 824 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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824 niß für die SachkennLniß und den emsigen Fleiß des Verfassers liefert. „Biblioteca espaiiola - portugueza - judaica. Dictionnaira bibliographique des auteurs juifs, de leurs ouvrages espagnols et portugais et des Oeuvres sur et contre les juifs et le Judaisme. (Straßburg, Trübner, 1890.)" Wer den stattlichen Band durchblättert, wird erstaunen, über die Menge der Schriftsteller und ihrer Werke, die hier, mit biographischen und bibliographischen Erläuterungen versehen, aufgeführt sind und so bezeugen, wie die Anhänglichkeit der Juden an jenes Land, das sie so grausam ausgestoßen, so stark und andauernd war und wie die literarische Geistesarbeit unter ihnen sich niemals abgeschwächt hat. Kayserling leitet dieses Verzeichniß der jüdischen Schriftsteller, die in spanischer Sprache geschrieben, durch eine Abhandlung „über die Literatur der spanischen Juden" ein. Wir ziehen daraus folgende Bemerkungen. Nachdem Castilien und Aragonien durch die christlichen Könige zurückerobert waren, 'gaben die Juden in diesen Ländern bald die von ihnen bis dahin gepflegte arabische Sprache auf und nahmen die spanische an. Wurde doch selbst in einigen Gemeinden das Buch Esther am Purim in spanischer Sprache verlesen (wie noch jetzt in vielen marokkanischen Gemeinden dieses Buch m arabischer Sprache verlesen wird. Redact.). König Alfons X. ließ astronomische Werke aus dem Arabischen durch Juden ins Spanische übertragen, unter seinen Nachfolgern thaten dies andere Juden mit philosophischen und technischen Schriften. Unter den spanischen Minnesängern fanden sich Juden, wie dann die Poesie von ihnen vorzugsweise gepflegt ward. Die Flüchtlinge begaben sich nach Italien, Frankreich, der Türkei, später nach den Niederlanden, England, Hamburg und Wien. Ueberall brachten sie die spanische Sprache mit und bewahrten sie als ihre Muttersprache Jahrhunderte hindurch bis auf die neueste Zeit. Ebenso bewahrten sie spanische Sitten, Romanzen, Gesänge, Melodien, z. B. selbst Kinderspiele; Melodien, die in Spanien längst vergessen sind, haben sich in der portugiesischen Synagoge erhalten. Für alles dies bringt der Verf. die Beweise heran. Namentlich in den westeuropäischen Ländern haben die spanisch-portugiesischen Juden, die sich durch die Schrecken der Inquisition stark vermehrten, die spanische Literatur und zwar in allen Zweigen cultivirt. Poesie, Philosophie, Naturwissenschaften, Geschichte u. s. w. fanden bei ihnen literarische Pflege. Hatten sie doch mehrere berühmte Buchdruckereien, welche zahlreiche Werke hervorbrachten; sie bildeten mehrere Academien, welche den Flor der Wissenschaften bei ihnen unterhielten. Achteten diese auf die Reinheit der Sprache, so war dies bei den Abkömmlingen der spanischen Juden in der Türkei und den Donauländern nicht der Fall, sondern diese bildeten einen mehr oder weniger verdorbenen Dialect, der „Ladino" oder spaniolisch genannt wird. Dieser hat, im Unterschiede vom Spanischen, viele Wörter und Formen, die in Castilien gegen das Ende des 15. Jahrhunderts gebräuchlich waren, vermischt mit hebräischen Ausdrücken und Phrasen, welche wiederum entstellt sind. Gewöhnlich wird dieses Ladino mit hebräischer Quadratschrift gedruckt. Die Literatur dieses Zweiges ist bedeutend geringfügiger und erst seit einigen Jahrzehnten wieder erwacht. Seitdem lieferten die Buchdruckereien von Wien, Belgrad, Constantinopel, Salonichi und Smyrna eine ziemliche Anzahl von Werken in spaniolischer Sprache. Auch über diese giebt Kayserling ausführliche Mittheilungen. Man ersieht hieraus, daß das vorliegende Werk keinen bloß literarischen Werth hat, sondern ein starkes Licht über das ganze geistige Leben der spanischportugiesischen Juden breitet und hierdurch wichtige Momente für die Geschichte des Judenthums und der Juden aufklärt. Den, dem sein Judenthum am Herzen liegt, wird dies mit mannigfacher Befriedigung erfüllen. Ieuit Das Judenthum und der Witz in der Weltliteratur. Unter dieser Aufschrift erschien im Jahre 1882 eine Abhandlung, welche neben mancherlei Zustimmung auch vielen Widerspruch erfuhr, namentlich von antisemitischer Seite. Bor Kurzem hat nun der Verfasser, Wolfgang Kirchbach, eine Sammlung seiner Essays unter dem Titel „Gesammelte kleinere Schriften, Reisegedanken und Zeitideen, ein Lebenst e t o n. buch", herausgegeben (München und Leipzig, Heinrichs) und darin jene Abhandlung wortgetreu wieder ausgenommen. War sie innerhalb einer Zeitschrift im raschen Laufe der Zeit vergessen, so zieht sie jetzt, da sie in einem Buche gewissermaßen verewigt wurde, die Aufmerksamkeit wiederholt auf sich. Der Verfasser beginnt dieselbe: „Mit wahrer Genugthuung lasen im Jahre (1881) die Freunde der Humanität und der Wahrheit die treffliche Rede des Stistspropstes von Döllinger in München (Augsb. Allgem. Zeitg.) und den