Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-26 · Heft 52 (26.12.1889) · p. Seite 819

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 52 (26.12.1889)
Date
1889-12-26
Page
Seite 819 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227771-3227824--46745-3266327
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

819 sagen: so sind sie Alle, weil ich die Generalisirung auch für uns Christen nicht gelten lasse. Nun hoffe ich, alter Freund! Dir bewiesen zu haben, daß ich snstnli et legi. Yale! und bleib' treu Deinem Getreuen Franzl m. p." Der Artikel will also den katholischen Klerus zu einer Frontveränderung und zwar gegen die Antisemiten, jedoch nicht aus Grundsätzen der Liebe und des Rechts, der Humanität und Duldsamkeit, sondern aus dem Interesse der katholischen Kirche selbst veranlassen: vielleicht wirkt dies besser. Breslau, 15. December. Chanukkah und das Weihnachtssest. Wie verschiedene Ceremonien des alten Jndenthums in das junge Christenthum verpflanzt worden sind, und in Letzterem nach und nach andere Formen angenommen haben, so daß die Aehnlichkeit manchmal fast verschwindet, wie z. B., um vom Anfänge anzufangen — das Christcnthum die jüdische Tradition: daß die Welt am Neujahrstage erschaffen worden ist, angenommen, und die Weltschöpfung auf den 1. und den Geburtstag Christi auf den 6. Januar, als den Schöpfungstag des ersten Menschen verlegt hat, so ist auch ohne Zweifel das Lichtfest der Juden, welches meistens mit dem Weihnachtsfefte zusammenfällt, von den ersten Christen mit in das Christenthum hinübergenommen worden. Beide Feste sollen sich nach christlicher Auslegung auf Haggai 2. 20 beziehen, wo es heißt: „So schaut um, von dem 24. Tag des 9. Monats als dem Tag, an welchem der Tempel des Herrn gegründet u. s. w." Bekanntlich hat früher das Jahr naturgemäßer, mit dem Erwachen der Natur, im Frühling angefangen; bei den Juden im Nissan und bei den Christen im April, dem zu Folge fällt nach obiger Weissagung der 24. Tag des 9. Monats auf den 24. Kißlew, bezw. 24. December. Daß aber trotzdem der 25. der eigentliche Festtag, kommt daher, weil nach jüdischer Rechnung der vorhergehende Abend zum folgenden Tage gezählt wird. So fängt denn am Abend des 24. des obigen Monats das Lichtfest an, welches zum Andenken an die Siege der Makkabäer und der Wiederherstellung des Tempels und des Gottesdienstes gefeiert und Chanukkah genannt wurde. Dieses Wort bedeutet Einweihung — Weihe des Tempels, und von dieser Benennung ist Weihe- oder Weihnacht entstanden, welche wiederum nach christlicher Jdealisirung oder Symbolisirung als Einweihung des Tempels der Menschheit in Christo gedacht wurde. Streng genommen ist das jüdische Lichtfest kein eigentlicher Feiertag, aber während des Brennens der Lichter dürfen keine Arbeiten verrichtet werden; Jung und Alt freut sich und sucht sich zu amüsiren; es werden Spiele arangirt und in vielen Gemeinden wird für jüdische arme Kinder eine Bescheerung bereitet. Zehn Wochen später wird ein ähnliches Fest — das Purimfest — gefeiert, an welchem nach dem Buche Esther „Einer dem Anderen Geschenke" macht. Diese beiden Feste zusammengenommen bilden die Hauptbestandtheile des Christfestes, mit der Ausnahme des Baumes, dessen idealer Bestandtheil sich erst nach und nach entwickelt hat. Anfangs war Weihnachten überhaupt kein Fest, und man nimmt an, daß es zuerst im 2. Jahrhundert in Antiochien dazu erhoben, im 4. in der morgenländischen, und erst im 5. Jahrhundert in der abendländischen Kirche gefeiert wurde. Es wurden an demselben Paradiesspiele aufgeführt, in denen Adam und Eva erschienen, die Schlange und der Paradiesbaum grün aufgerichtet waren, woraus hervorging, daß Christus der zweite Adam war, und die Schlange die Frucht des Todes gab. Es ist allerdings schwierig, den Zeitpunkt festzusetzen, an welchem der Baum zuerst am Christieste gebraucht worden ist, aber wir dürfen keineswegs den Ursprung desselben in seiner glanzvollen Erscheinung suchen, wie wir ihn jetzt in den Häusern der Reichen finden, sondern vielmehr in der kleinen, unscheinbaren Pyramide, wie er noch heute in den Hütten der Armen anzutreffen, welcher dem achtarmigen Leuchter des jüdischen Lichtfestes nicht io ganz unähnlich ist. Beide, Leuchter und Pyramide, sind in ihrer winzigen Form bestimmt eine kleine Anzahl Wachslichter aufzunehmen. Daß aus der bescheidenen Pyramide mit der Zeit ein großer Baum geworden, ist auch nicht so ganz unwahrscheinlich, aber über die Gattung des Baumes waren die Gelehrten lange im Streit, und sind es wohl noch, in jedem Lande gehörte sie zu einer anderen. M. Silberstein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.