Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1889)
- Date
- 1889-12-26
- Page
- Seite 815 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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815 für immer zurückgehalten werden. Und er kam und drang als unentbehrlich, als souverän in die Menschenwelt ein, und er fachte mannigfachen Sturm und manche Feuersäule an, bis er sich eine offne Bahn gebrochen und unwiderstehlich in die Menschenwelt einbrach und seine Forderungen an sie stellte. Da brachen auch eure Fesseln entzwei, die Mauern und Wälle mit denen man euch umzogen, fielen, hier mit einem Male, dort nach und nach. Und da sehe ich euch mit verjüngten Kräften in die allgemeine Civilisation einströmen, als Mitkämpfer und Mitarbeiter im friedlichen Wettstreit und auf den Schlachtfeldern der Völker. . . . Die Sonne des Rechtes ging auch über euch auf und ihr erwärmtet Geist und Herz an ihren Strahlen. . . . Dies war ein großer und langer Wandel, und ihr bewieset, daß es auch imWandel ein Unwandelbares, im Wechsel ein Stetiges und Dauerndes giebt. Möget ihr auch in aller Zukunft diesen Beweis fortführen durch die Treue, die ihr dem Gotte, den ihr erkennt und bekennt, bewahret, durch die unwandelbare Anhänglichkeit an die Religion eurer Väter. Die jüdischen Ackerbau-Colonien in Nordamerika. Endlich ein zuverlässiger Bericht über die jüdischen Ackerbau-Colonien in Nordamerika, endlich ein günstiger Bericht, der den Fortbestand und den Erfolg verheißt. Es giebt Unternehmungen, die mit außergewöhnlichen Erwartungen begonnen werden und die diesen alsbald nicht entsprechen. Die Ursachen liegen theils in den überspannten Erwartungen selbst, theils in der Unzulänglichkeit der Mittel und Werkzeuge, theils weil zur Verwirklichung es dauernder Anstrengungen und längerer Zeit bedarf. Alsbald schlägt die gute Meinung in das Gegentheil um und man wendet jenen Unternehmungen den Rücken zu. Aber man harrt doch auch in denselben aus, die Krisen und schweren Zeiten werden bestanden, und nun geht es mit der Entfaltung und der Erfüllung in etwas rascherem Tempo vorwärts. Dies haben auch die jüdischen Colonien in Nordamerika erfahren. Der Enthusiasmus ging in Verzagtheit über und diese macht jetzt der Befriedigung Platz. Ackerbau-Colonien gehören für die russischen Emigranten zu den notwendigen Bedingungen. Die vielen Tausenden, die über den Ocean schiffen, können nicht alle Handwerker, Fabrikarbeiter, Kleinhändler und Hausirer werden. Sie müssen auch der Landwirtschaft obliegen können, und hierin liegt ihr bester Theil. Ein Journal in Philadelphia, der Sunday Mercury, veröffentlicht in seinen Nummern vom 20. und27.Oktbr. 1889 Einzelheiten über die Ackerbauschulen, welche im Gebiete der Vereinigten Staaten zu Gunsten der russischen Juden gegründet worden. Es ist interessant, einige Auszüge aus diesen Artikeln wiederzugeben, welche von einer Persönlichkeit geschrieben sind, die diese Colonien in Augenschein genommen und genau geprüft hat. *) Der Auswanderungszug der russischen Juden nach den amerikanischen Ländern begann im Jahre 1881 und 1882, in dem Augenblicke, wo die Volksunruhen ausbrachen, deren schmerzliches Echo in der ganzen civilisirten Welt widerhallte; diese Unruhen waren für die russischen Juden der Beginn einer Aera des Elends, der Verfolgungen und Leiden. Man sah die veralteten Gesetze wieder aufleben, welche den Juden den Aufenthalt im größten Theile des Reiches untersagen und sie in den südwestlichen Provinzen einpferchen, wo sie ersticken. In den Augen dieser Unglücklichen erschien die Auswanderung nach einem freien Lande wie die einzige Möglichkeit des Heils, und zu Hunderten und Tausenden verließen sie Rußland, um sich nach Brasilien, in die Argentinische Republik und besonders nach den Vereinigten Staaten zu begeben. Unter den russischen Emigranten, welche zu uns gelangten, war eine ziemlich große Zahl Pächter oder Ackerbauern in ihrem Lande gewesen. Ein Comito bildete sich in New* Jork, um die nöthigen Mittel aufzutreiben, den Emigranten zur Erwerbung von Land behilflich zu sein, sowie um sich in geachteten Farms niederzulaffen. Nachdem es eine Untersuchung betreffs der diesem Unternehmen günstigsten Länderstriche angestellt, wählte es den Staat New-Jersey. Beträchtliche Summen wurden zur Erwerbung von Ländereien gesammelt, und im Jahre 1882 wurden vierzig Emigrantenfamilien auf den Ländereien etablirt, welche vom Comito ihnen zur Verfügung gestellt worden und die ungefähr eine Meile von der Station Broadway gelegen sind. Fünfzehn Acres Land wurden jeder Familie bewilligt, und der Werth sollte dem Comite nach Verlauf von einer gewissen Anzahl Jahre zurückgezahlt werden, mit einem jährlichen Zinsfuß von 30/0, vorn ersten Jahre an gerechnet. Unter Anderem lieferte das Comite ihnen Vorräthe für mehrere Monate. Man muß gleich hinzufügen, daß sehr wenige von diesen Emigranten im Stande waren, den Preis für ihr Land zu bezahlen; im Gegentheil, man mußte während mehrerer Jahre ihnen Unterstützung gewähren. Endlich nach sehr harten Entbehrungen und sehr anstrengender Arbeit gelang es den Colonisten, zurecht zu kommen, und heute bilden sie drei Gruppen von Pächtern, deren Anblick für die Zukunft der israelitischen Colonisation in Amerika sehr ermuthigend ist. Nach einer geologischen Untersuchung wäre das Niveau des südlichen Theiles von New-Jersey unter dem des Meeres. Der Boden ist bedeckt mit dichten Tannen- und Eichen-Wäl- 0 S. das Novemberbulletin der Alliance isr. uuiv. 52*