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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-19 · Heft 51 (19.12.1889) · p. Seite 808

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 51 (19.12.1889)
Date
1889-12-19
Page
Seite 808 (sequence 12)
Language
German
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808 und beliebt. Der Beisetzung wohnten das Magistrats- und Stadtverordnetcncollegium, der Landrath von Alten, Graf Posadowsky und viele andere Persönlichkeiten von Rang bei. Im Trauerhause sprach Rabbiner vr. Wiener aus Oppeln. In der Leichenhalle, welche der Dahingeschiedene erst vor einigen Jahren hatte erbauen lassen, sprach Rabbiner vr. Blumenthal aus Ratibor. — Man schreibt uns aus Wien: Jacob Brüll, Rabbiner in Kojetein (Mähren), der Schwiegersohn des mährischen Lanbrabbiners Nehemias Trebitsch, verschied am 29. v. M. im 78. Lebensjahre. Seine in zwei Theilen erschienene „Einleitung in die Mischna" ist eine verdienstliche Arbeit. Von seinen Söhnen ist der eine, vr. Nehemias Brüll, Rabbiner in Frankfurt, der andere, vr. Ad. Brüll, Lehrer am Philanthropin und Herausgeber der populär-wissenschaftlichen Monatsblätter. Ieuitteton. Der Judenbaum. Eine Erzählung aus dem Steyerischen?) Von P. K. Rosegger. Zur Zeit des frommen Herzogs Ferdinand erschien in Steiermark ein Befehl, daß alle Protestanten und Juden, welche im Lande bisher gewohnt hatten, entweder den katholischen Glauben annehmen oder auswandern müßten. Zu jener Zeit haben die Menschen eine sich in ihrem Geiste spiegelnde himmlische Heimath der wirklichen auf der Erde vorgezogen. Damals sind die Greuelthaten der Verfolgungen und Kriege noch häufig zur „Ehre Gottes" geschehen, anstatt, wie später, „aus Patriotismus und Liebe zur Nation". So sind denn viele der Betroffenen willig aus der schönen Alpenheimath weggezogen in die ungewisse weite Fremde, viele sind mit Gewalt vertrieben worden, manche sind zu einem Loch hinausgehuscht und zum andern wieder hinein und haben sich in den Wäldern und Einöden des Landes armselig umhergetrieben. Das Letztere thaten besonders die Hebräer gern. Nicht ebenso sehr aus Anhänglichkeit an die Heimath — die war dem Juden zur damaligen Zeit noch fremd, — so wie er selber fremd war überall auf der Welt; doch in Steyermark hatten die Israeliten Handelsgeschäfte gegründet, das Land zum Theil ausgenutzt, zum andern Theil auch wieder gefördert und gehoben. So wollten sie sich von ihrer Habe nicht trennen, und solche, die in Städten ihre größeren Handelshäuser besaßen, bei denen einst Fürsten und Prälaten Anlehen gemacht hatten, sie verschmähten es nicht, jetzt wieder 1) Aus den „Neue Waldgeschichten von P. K. Rosegger. Dritte Ausl. (Leipzig. Hartleben)" entnommen. Der Leser wird den Geist der echten Humanität nnd die scharfe Ironie bemerken, welche diese Erzählung unter den vielen anmuthigen und lieblichen Geschichten, die der beliebte steyerische Dichter uns erzählt, auszeichnen. In dem kleinen Rahmen spiegeln sich allgemeine Verhältnisse, man möchte sagen, ein Stück Weltgeschichte, ab. Redakt.) ihr grünes Bündel von Haus zu Haus zu schleppen — rührsam und fleißig, wie die Biene neu beginnt, der man den Korb ausgehoben. Aber die Abneigung gegen deu durchaus anders gearteten, oft eigennützigen, an Schlauheit dem Christen weit überlegenen Juden war da, und anstatt auch seine guten Eigenschaften zu würdigen und dieselben etwa unter den Christen einzuführen, hat man nur seine schlimmen gesehen und dieselben noch ausgestattet mit den ungeheuerlichsten Phantasiegebilden. Man weiß ja: der Jude vergiftet die Brunnen, raubt Christenkinder, um sie am Osterfeste zu schlachten, sowie er den Heiland gekreuzigt hat — ist das nicht genug, ihn todtzuschlagen? Die Geistlichkeit hetzte, die Behörde jagte, die Bauernschaft war die Meute und das Jüdlein floh und war schutzlos unter dem Himmel Gottes. j Die Dörfer, denen ein neues Jagdgesetz strenge verbot, l nach den Thieren des Waldes zu fahnden, außer es wäre der gierige Wolf, der grimmige Bär, die damals noch das Land unsicher machten, — solche Dörfer verlegten sich jetzt ausschließlich auf das Judenfangen. Einer der schärfsten Judenfänger war Hans Holler, der Ortsrichter von Stübau. Der hatte einst von einem Juden ein steiniges Ackerlein gekauft, und zwar um schweres Geld, weil ihm hinterbracht worden, daß unter den Kieselsteinen des Ackers ein Schatz von eitel Gold und Edelsteinen begraben sei. Aber als er nachgrub, in tiefer Nacht mit Schweiß und Angst nachgrub, fand sich unter den Steinen nichts, als wieder nur Gestein, und da kam er darauf: der Jude habe ihn betrogen. Seither lebte in ihm der tiefe Haß gegen die Israeliten, und als nun der herzogliche Befehl herauskam, war er über alle Maßen vergnügt und hat demselben zur Ehre hernach mit eigener Hand mehr als halb Dutzend Juden ins Gefängniß geliefert. Da war es eines Tages, daß der Ortsrichter von Stübau

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