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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-12 · Heft 50 (12.12.1889) · p. Seite 794

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 50 (12.12.1889)
Date
1889-12-12
Page
Seite 794 (sequence 14)
Language
German
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794 Türkei. Konstantinopel, 29. November. Sobald die Conflicte in Bagdad zur Kenntniß des Ministers des Innern in Konstantinopel kamen, hat er allsogleich telegraphisch an den Gouverneur den Befehl ergehen lassen, die Urheber dieser Raufereien zu verhaften, mit aller Strenge des Gesetzes zu bestrafen und dafür Sorge zu tragen, daß die lebenden, sowie der todte Jude Ruhe haben. Der Rabbiner bleibt in seinem Grabe; die Türken gaben, da sie Energie sahen, nach und damit ist die Bagdadhetze beendigt. Konstaniinopel, 30. November. Der Statthalter von Bagdad, Mustapha Assim Pascha, wurde wegen seiner Haltung den Juden gegenüber abberufen und durch Serri Pascha ersetzt. Bonn, 8. Dec. (Notizen.) In Breslau starb am 25 Nov. der geheime Sauitätsrath Dr. Jonas Graetzer, 83 Jahre alt. Er war einer der wenigen Ärzte der Gegenwart, welche sich mit der Geschichte der Heilkunde besonders beschäftigen. Er kam zu seinen medizingeschichtlichen Studien auf dem Umwege über statistische Forschungen. Diese, unter dem Gesichtswinkel der Medizin vorgenommen, stellten die Hauptarbeit von Graetzer dar. Zur Unterlage dienten ihm vornehmlich die einschlägigen Verhältnisse von Breslau, wo er seit den zwanziger Jahren seinen Wohnsitz hatte. Er schrieb über die Armen- und Krankenpflege in Breslau seit 1851, über die Sterblichkeit in der schlesischen Hauptstadt, über den Schaden, welchen dort Epidemien von Cholera, Unterleibstyphus und Rückfallsfieber in den letzten Jahrzehnten anrichteten, u. a. m. Seit den achtziger Jahren schrieb Graetzer auch mit Vorliebe Lebensbilder hervorragender Aerzte und Statistiker. 1883 veröffentlichte er ein Buch über den Astronomen Edmund Halley und den Breslauer Kirchen- und Schulinspector und Statistiker Caspar Neumann (gest. 1715), ferner 1884 eine Schrift über Daniel Gohl, Arzt in Freienwalde und Wriezen, und Christian Kundmann (gest. 1751), Arzt und Münzsammler in Breslau. Im letzten Sommer schließlich gab Graetzer einen Band „Lebensbilder hervorragender schlesischer Aerzte" bekannt, dem er zur Einführung eine Untersuchung über die Anfänge der Medizin beigegeben hat. Einige der Biographien gehen bis auf Aerzte aus dem 15. Jahrhundert zurück; andere sind Aerzten aus unserer Zeit, wie Ludwig Traube, Leubuscher, Rühle, Goeppert, Valentin gewidmet; von Biographien aus früheren Jahrhunderten sind zu nennen die von Erato von Krafftheim, Curaeus und Gottfried Purmann. Geboren war Professor Graetzer 1806 zu Tost in Oberschlesien; er studirte in Breslau und wurde dort 1832 mit einer Abhandlung über eine Venen-Erkrankung De phlegmasia alba dolente zum Doetor promovirt. Als Arzt wirkte er ausschließlich ebenfalls in Breslau, zuletzt vornehmlich als Hospitalarzt. — Zu Sie * renz im Elsaß verstarb am 18. November der Rabbiner Marcel Hirsch im Alter von 92 Jahren. Er war zu Hagenau geboren, machte seine Studien in Frankfurt a. M., wurde im 21. Jahre Rabbiner zu Dieuze, im 40. Lebensjahre Rabbiner zu Sierens, wo er bis zu seinem Lebensende amtirte. An seinem Begräbniß nahm die ganze Bevölkerung theil und an seinem Grabe wurden von 6 Rabbinern Trauerreden gehalten. — Am 27. Nov. feierte der Geh. Commerzienrath B. Lieb ermann in Berlin mit seiner Ehefrau die goldene Hochzeit. Der Jubilar hat sich große Verdienste um die jüdische Gemeinde Berlins und deren wohlthätige und gemeinnützige Institute erworben. Es kamen ihm deshalb außerordentlich viele Beweise der Anerkennung und Dankbarkeit zu, besonders auch von der „Gesellschaft der Freunde", deren Präses er seit einer Reihe von Jahren ist. — Aus Wien wird uns geschrieben: Den 24. d. M. verschied hier Herr Moses Kallir, ein Bruder des verstorbenen Meyer Ritter von Kallir aus Brody, im 82. Lebensjahre. Der Hauptschule seiner Geburtsstadt testirte er 25000 Gulden.— Den 24. b. M. zerstörte eine große Feuersbrunst in Philippopel inehr als 50 Magazine, welche zum größten Theil den Israeliten gehörten. — Von der Donau, 29. November, schreibt man uns: Nach mehreren Jahren haben wir wieder eine Spende des Königs zu verzeichnen: Se. Majestät spendete für das israelische Bethaus zu Felsö-Bißtra 100 Gulden. — Die israelitische Gemeinde in Klausenburg eröffnete vorige Woche in feierlicher Weise ihre neue Schule, dieselbe wurde mit Staatssubvention eröffnet. — In Arad feiert nächsten Sonntag Herr Sigmund Schwarz mit seiner Gattin Josephine geb. Vogel das Fest der goldenen Hochzeit. Herr- Schwarz wurde im Februar des Jahres 1849, weil er den ungarischen Truppen in ihrer äußersten Roth 80 Centner Mehl zur Verfügung stellte, von dem Kriegsgerichte zum Tode durch den Strang in contumaciam verurtheilt und rettete sein Leben durch die Flucht. Nach der Kapitulation bei Vilagos kehrte er nach Arad zurück, wo er seither als geachteltes Mitglied der israel. Gemeinde, zu deren Repräsentanten er gehört, lebt. Er ist seit 23 Jahren Präses des von ihm ins Leben gerufenen Ausstattung-Vereins für arme Mädchen. — Die israelitische Gemeinde in Papa verliert ihren Rabbiner, Herrn Dr. S. Breuer, der an Stelle seines Schwiegervaters als Rabbiner der Religionsgesellschaft nach Frankfurt a. M. gewählt wurde. Wien, 28. November (Historische Notiz.) Wie bekannt, heirathete Kaiser Karl VI. die Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Blankenburg, die als Protestantin geboren und erzogen wurde und zur katholischen Religion übertrat, als sie Kaiser Karl VI. heirathen sollte. (Ihre

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