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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-12-12 · Heft 50 (12.12.1889) · p. Seite 795

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 50 (12.12.1889)
Date
1889-12-12
Page
Seite 795 (sequence 15)
Language
German
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Tochter, die Kaiserin Maria Theresia, verfolgte aufs Heftigste die Protestanten.) Nachdem Kaiser Karl VI. 1740 gestorben war, zog seine Gemahlin, die Kaiserin Elisabeth, nach Ungarn. Diese hinterließ fl. 311,726 Schulden, zumeist zu 6 pCt.; fl. 24,000, die sie dem Juden Alexander David in Wolfenbüttel schuldete, waren zu 5 pCt. — Ist vielleicht einem Leser dieser Zeitung etwas Näheres über genannten Alexander David bekannt? Bonn, 4. December. (Literarische Notizen.) Seit vier Jahrzehnten setzen die Thicrschutzvereine unermüdlich ihre Agitation gegen das jüdisch-rituelle Schächten fort. Durch die Gutachten von mehr als 50 der größten Autoritäten, welche für dieses Schächten als die angemessenste Tödtungsart eintraten, widerlegt, von den Regierungen und Parlamenten bis auf eine kleine Ausnahme in der Schweiz zurückgewiesen, heben sie ihre Bewegung gegen jenes immer wieder von Neuem an. Man wird fragen, wieso kommt dies? Uns scheint es, als ob der Mangel an Gegenständen ihrer Thätigkeit dazu antreibt. Da sie ein gewisses Gebiet, wie die Parforcejagden, die Fuchsjagden, die Wettrennen und dergl. nicht betreten dürfen, bleibt ihnen nur die Mißhandlung der Zugthiere und der Transport des Viehes übrig, und haben sie hierin schon viel Anerkennenswerthes geleistet. Deshalb wählten sie sich auch das jüdisch-rituelle Schächten als ein Object ihrer Agitation aus. Es liegen neuerdings wieder sehr heftige Aeußerungen einiger dieser Vereine vor. Neu ist nun ein „Bortrag von A. Levin," den dieser Herr im Thierschutzverein zu Sag an selbst gehalten und „Kciegszug gegen das Schächten" betitelt (Sagan, Schönborn 1889). Wir empfehlen diesen zwölf Druckseiten umfassenden Vortrag als höchst brauchbar, um Gegnern und Zweiflern eine klare Vorstellung von der Sache zu geben, ohne zu einem dicken Buche greifen zu müssen, dos in der Regel ungelesen bleibt. Der Verf. bringt just nichts Neues, er holt vielmehr sein Material aus der umfassenden Schrift Kayserlings und der ergänzenden Ehrmann's. Aber kurz und gedrängt, giebt er die Widerlegung alles dessen, was gegen das Schächten vorgebracht worden, und weiß es auch mit Humor und Ironie zu würzen. Wir können uns denken, daß der Bortrag auf die Mitglieder des Vereins, in welchem er gehalten worden, verblüffend getvirkt hat. — Jeuil Vermischtes. Henrici. Das Schicksal der ehemaligen Judenheher, Antisemiten genannt, interessirt uns, weil es ein Urtheil über diese Männer, ihre Tendenzen und Zwecke, ihren Charakter und sittlichen Werth gewährt. Nächst Stöcker und Bernhard Förster war einer der hervorragendsten Berliner Antisemiten Or. Henrici, der durch seine namentlich in Pommern gehaltenen Brandreden jene Tumulte veranlaßte, welche zum Schutze der Ordnung, aber auch zum Schaden der Betheiligten, mit Waffengewalt unterdrückt werden mußten. Lange Zeit hörte man nachdem von Henrici nichts. Jetzt tauchte er aus der Vergessenheit wieder empor, nämlich in der Sitzung des Reichstages vom 27. Nov. in den Verhandlungen über die Colonialpolitik. Hier sagte Abg. Richter: „Herr Wörmann hat davon gesprochen, daß sogar eine deutsche Plantagengesellschast zum Bau von Tabak sich in Togo gebildet hat. Es ist schade, daß er nicht den Träger derselben genannt hat; es ist Niemand anders als der antisemitische Agitator Henrici. (Heiterkeit links.) Dieser Henrici hat bei seiner Reise nach Togo die Unvorsichtigkeit gehabt, einen deutschen praktischen Landwirth Namens Krüger mitzunehmen, der sein Urtheil in einer Broschüre dahin zusammengefaßt hat, daß leton. Alles, was Henrici in dieser Sache gethan, nicht das Abholzen des Terrains werth sei. Henrici hat selbst zu Krüger geäußert, es sei gleichgiltig, was bei dem Plantagenbau herauskomme, er erstrebe ganz andere Ziele. Diese Ziele Henrici's sind, sich in das auswärtige Amt berufe» zu lassen. (Heiterkeit links.) Das ist die eigentliche Absicht dieser Plantagengesellschaft. Ich möchte das auswärtige Amt bitten, Henrici noch nicht in die neue Colonialabtheilung zu berufen, weil er sonst seine segensreiche Thätigkeit in Togo aufgeben müßte. (Heiterkeit links.) Henri« meinte, man dürfe nicht mit Kleinigkeiten anfangen, man müßte gleich mehrere Hunderttausend hineinstecken, Eisenbahnen bauen, Dampfboote einstellen u. s. w., um den dummen Kaufmannsjungen an der Küste (Heiterkeit) zu zeigen, was man aus Togo machen könne." — Bekanntlich ist Bernhard Förster, mit Colonialideen sich tragend, nach Paraguay ausgewandert und hier verstorben. Es ist doch ein eigenthümliches Zeichen der Vergeltung, daß Leute, welche die Juden aus ihrem Vaterlande vertreiben wollten, zum Wanderstabe greifen mußten. Selbstverständlich waren die Juden hieran nicht schuld: es war eben die Vergeltung, welche die modernen Menschen so gern leugnen möchten und doch immer wieder erkennen müssen.

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