Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- Seite 776 (sequence 12)
- Language
- German
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776 Vetter bringt gleichfalls eine Reihe von Beschimpfungen gegen die Juden vor, erklärt sich jedoch dabei in inerito gegen Haufler's Ansichten. Eine heftige Szene entspann sich, als Di\ Stern dagegen Verwahrung einlegte, daß im Gemeindei rathe unausgesetzt eine gesetzlich anerkannte Religionsgenossen-! schaft beschimpft werde und daß das Präsidium nichts daj gegen thue. Es kam zu wüsten Szenen zwischen diesem Redz ner und Dr. Lueger. Nur mit Mühe konnte der Vorsitzende Vice-Bürgermeister Steudel zu Worte gelangen. Er erklärte,! es sei bedauerlich, daß ihm keine disciplinarischen Mittel zu Ge-; bote stehen gegen Ausschreitungen einzelner Äemeiuderäthe.; Gemeinderath Sigmund Maier erklärte schließlich, daß Lueger bewußterweise Lügen verbreite, worauf ein erneuerter Skandal losbrach. Schließlich wurde der Antrag Baudrexels angenommen. Prag, 24. November. In der gestrigen Landtagssitzung hielt Generalvikar Hora ein langes Plaidoyer zu Gunsten der Einführung der confessionellen Schulen. Redner erklärt, kein Antisemit zu sein, er, sowie die Geistlichkeit stehen auf nationalem Boden, aber den guten Rath glaube er auch den Juden geben zu müssen: sich nicht immer in Gegensatz zur Nation zu stellen, unter der sie leben, damit nicht der Antisemitismus auch bei uns platzgreife. (Stürmischer Beifall der Großgrundbesitzer nnd Altczechen.) Die Jungczechen Engel und Herold begrüßen freudig I diese Erklärungen eines so hohen kirchlichen Würdenträgers.; Wenn alle Geistlichen so denken würden, könnte man sogar! die konfessionelle Schule acceptiren. Im weiteren Verlaufeder Debatte erklärt Jnwald (Jude) gegen Hora, er stehe treu j zur ezechischen Nation und wolle keine Sonderstellung und ist j deshalb überzeugt, daß im ezechischen Volke der Antisemitismus niemals Eingang finden werde, trotzdem derselbe draußen im Reiche der Gottesfurcht und guten Sitte sich so ungemein breit macht.! Von der Donau, 21. Nov. (Privatmitth.) Nachdem schon Jahre hindurch die früher an der Tagesordnung befindlichen Zwistigkeiten in den jüdischen Gemeinden, welche in erster Reihe den Bestand der jüdischen Schule gefährdeten und das ohnehin armselige Leben des jüdischen Lehrers verbitterten, aufgehört hatten, sind nun wieder beim königlichen Schulinspeetorate seitens jüdischer Gemeindevorstände j Klagen gegen Lehrer erhoben worden, deren Grund nur in Kleinlichkeiten zu suchen ist. So führt die israelitische Ge-, meinde zu Privigye gegen den Lehrer F. W. schon sechs j Jahre hindurch einen fruchtlosen Krieg und ist vom Verwal- - tuugs-Ausschusse des Neutraer Comitats schon dreimal mit, ihrer Klage abgewiesen worden, da absolut kein Grund zur Klage vorhanden ist. — Dasselbe Bewandtniß hat es in Poreßlouy, wo die jüdische Filialgemeinde gegen den schon 12 j Jahre zur vollsten Zufriedenheit der Eltern und Schulbehör-; den daselbst wirkenden tüchtigen Lehrer Sch. agitirt, um ihn seines Postens zu entheben. — In Nemes-Jücz ließ der Vorstand der dortigen Filialgemeinde gleich am ersten Tage des neueröffneten Schuljahres durch den Nagy-Tapolcsünyer Stuhlrichter und einen Lehrer der dortigen Staatsschule die Schulkinder prüfen, um auf Grund dieser Prüfung gegen den unliebsam gewordenen Lehrer aufzutreten. Der thatkräftige Schulinspector v. Libertiny nimmt sich wohl mit Wärme der Lehrer an, und trachtet auch im Interesse der nationalen Cultur den Bestand der betreffenden Schulen und die Stellung der Lehrer zu sichern, wird aber von den politischen Executivorganen nicht immer in gehöriger Weise unterstützt. — In Nyitra Zsambokret verstarb dieser Tage Frau Wittwe Hanna Lang geb. Weiß in dem hohen Alter von hundert Jahren. Sie war nie krank und bis zu ihrem Ende im vollen Besitze ihrer geistigen und physischen Kräfte. Noch in ihren letzten Lebenstagen schaukelte sie Ur-Urenkel auf ihren Knieen. S. A. Ujhelh, 19. November. (Privatmitth.) Vor Kurzem hielten die chassidäischen Rabbinen des Zempliner Komitats in Nagy-Mihüly eine Conferenz, deren Gegenstände die Zusammengehörigkeit der Chassidäer und die Gründung eines „Talmud-Thora-Vereins des Zempliner Comitats" gewesen sind. Zum Präsidenten des Talmud-ThorcuBereins wurde das Vorstandsmitglied der hiesigen sefardischen (chassidäischen) Gemeinde, Samuel Brach, gewählt. — Die hiesige chassidäische Betgenossenschaft wendete sich vor fünf Jahren an die Stadt wegen Erlangung eines Separatfriedhofes. Das Gesuch wurde aber seitens der Stadt und später auch vom Comitats - Verwaltungs - Ausschüsse auf Grund des für die Gesuchsteller sehr ungünstigen Gutachtens der Comitats-Sanitätscommission abweislich beschieden. Im Ministerium des Innern scheint man aber über die Forderungen der hiesigen Sefardim nicht gehörig unterrichtet zu sein, denn der Minister des Innern hob den Bescheid des Verwaltungs-Ausschusses auf nnd wies dieser Tage denselben an, diese odiose Angelegenheit nochmals zu verhandeln. Rumänien. Aassy, im November. (Privatmitth.) Als vor Kurzem König Karoll. mit dem präsumptivenThroufolger, dem Prinzen von Hohenzollern, unsre Stadt besuchte, brachten ihm die hier so zahlreichen Juden enthusiastische Ovationen entgegen, Aufzüge mit Fackeln und Deputationen mit Adressen. Gegen letztere äußerte sich der König, er wisse wohl, daß die Israeliten dem Baterlande und der Dynastie treu ergeben und echte Patrioten seien. Gewiß, König Carol ist nicht Schuld