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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-28 · Heft 48 (28.11.1889) · p. Seite 759

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 48 (28.11.1889)
Date
1889-11-28
Page
Seite 759 (sequence 11)
Language
German
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759 Geburtstages erhielt Prof. Dr. Dan. Sanders vom Großherzog das Ritterkreuz des Hausordens der wendischen Krone. Die Stadt ehrte den gefeierten Gelehrten durch Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Von Nah und Fern liefen außer kostbaren Geschenken, Glückwunsch-Depeschen und Briefe zu Hunderten ein. Am Abend des Festtages wurde dem Jubilar von der gesammten Bürgerschaft ein großartiger Fackelzug dargebracht. Oesterreich-Ungarn. Wien, 15. November. Das österreichische Ministerium des Innern hat Ende Oktober einen Erlaß gegen die antisemitischen Agitationen an die Landesregierungen gerichtet, welcher im Wege der letzteren den Polizei Direktionen und politischen Behörden erster Instanz mitgetheilt wurde. Die Tendenz des Erlasses drückt sich in dem Schlußpassus desselben aus, welcher folgendermaßen lautet: „Nachdem die Agitationen der antisemitischen Presse zur Ausbreitung der antisemitischen Bewegung und zur Vertiefung des Hasses und der feindseligen Gesinnung gegen die Angehörigen der israelitischen Konfession beitragen, ist nunmehr allen strafbaren Emanationen der antisemitischen Preßorgane, sowie aufreizenden Kundgebungen dieser Art in Vereins- und anderen Versammlungen mit allen gesetzlichen Mitteln entgegenzuwirken." Pest, den 17. November. In feierlichster Weise ist heute Vormittag das schöne neue Krankenhaus der Pest er israelitischen Religionsgemeinde (s. Nr. 43.) eingeweiht worden. Der festliche Akt ist in Anwesenheit hervorragendster Notabilitäten unsers öffentlichen Lebens vor sich gegangen. Der Minister des Innern, Graf Gaza Teleki, hat dieses erhebende Fest der Wohlthätigkeit ebenfalls mit seiner Gegenwart beehrt und das Munizipium der Hauptstadt war durch seine Spitzen, den Oberbürgermeister Karl Rath, den Bürgermeister Kammermeyer und dem Vizebürgermeister Gerlöczy vertreten. Den illustren Repräsentanten des Staates und jener der Stadt reihten sich in sehr großer Zahl andere vornehme Gäste an und zu ihrem Empfange standen in dem stilvollen Vestibüle der Anstalt, mit dem Direktor Professor Böke an der Spitze, die Primarärzte Professor Berthold Stiller, Dozent vr. I. Bäron nnd Dozend vr. Adolf Szili nebst ihren Assistenten in Galagewandung. Wagen um Wagen fuhr vor und die ungestörte Auffahrt der Gäste wurde von berittenen Polizei-Wachmännern in Parade-Uniform dirigirt. Auch ein zahlreiches Zuschauerpublikum hatte sich trotz des kalten, windigen Wetters vor dem Spitalgitter eingefunden. Es waren außer den vorgenannten Notabilitäten noch als Gäste erschienen: die Ministerialräthe vr. Ludwig Markusovßky und vr. Leopold Groß, die Reichstags-Abgeordneten Ludwig Krauß, vr. Armin Neumann, vr. Ambros Nemönyi und vr. Arthur Jellinek, kön. Rath Siegmund Ritter v. Falk, der Generaldirektor der Straßenbahn-Gesellschaft Heinrich Jellinek, der Oberphysikus der Hauptstadt Ludwig Gebhardt, Magistratsrath Haberhauer, Bezirksphysikus vr. Gsza Kreß, der Direktor des Rochusspitals vr. Koloman Müller, die llniversttätsprofessoren vr. Josef Fodor und vr. Andreas Högyes, der Präsident des Heiligen Vereines „Chewra Kadischa" Karl Reuß. Seminar- Professor Moses Blocht Deputation der Ofner und Altofner israelitischen Religionsgemeinde, ferner der Erbauer des Spitals, Architekt Wilhelm Freund, die Mitglieder des Vorstandes und des Ausschusses, sowie die Rabbiner und Prediger der Pester israelitischen Religionsgemeinde, die Schuldirektoren und viele Andere. Auch einige Damen waren erschienen, unter ihnen die Frau Kossowitz, welche dem Spital eine Schenkung von 70000 Gulden gemacht hat. Die glänzende Gesellschaft begab sich in einen für diesen Zweck festlich hergerichteten Saal des Pavillons für interne Krankheiten. Die Eingänge trugen Portiören aus Purpurstoff mit Goldfransen. Im Fond des Saales war eine Estrade entrichtet, hinter welcher die Wand roth ausgeschlagen war und die Porträts Ihrer Majestäten des Königs und der Königin trug. Auf dieser Erhöhung stand der Präsident, Abgeordneter Moriz Wahrmann. In seine Umgebung stellten sich dann die vorgenannten leitenden Aerzte des Spitals, die Rabbinen, Vorsteher und Ausschußmitglieder der Gemeinde. Außerdem saßen dort der anwesende Minister, die Bürgermeister und die Damen. Der Saal war dichtgefüllt und umfaßte mindestens dreihundert Gäste. Pünktlich zur angesagten Stunde, um 10 Uhr, begann die Einweihungs-Feierlichkeit mit einem Psalm, den der Obercantor Friedmann mit dem Männerchor des Cultustempels, auf einem Harmonium begleitet, in ergreifender Weise vortrug. Sodann ergriff Professor vr. Julius Böke das Wort, um die in diesen Blättern bereits mitgetheilte Geschichte des Spitals zu geben. Zum Schluffe ersuchte er den Präsidenden der Pester israelitischen Religionsgemeinde, den Herrn Reichstags-Abgeordneten Moritz Wahrmann (Eljenrufe), der sich um die Errichtung des neuen Spitals die größten Verdienste erworben (erneuerte Eljenrufe), das fertige neue Krankenhaus vom Comits zu übernehmen und seiner humanen Bestimmung zu übergeben. Unter lautloser Stille ergreift nun der Reichstags-Abgeordnete Moritz Wahrmann das Wort. Er lnelt eine erhebende. formvollendete, tief wirkungsvolle Rede an die Versammelten. „Ich bin sehr glücklich," sagte er, „daß unter meiner Präsidentschaft die Idee zur Errichtung eines neuen Spitals aufgegriffen worden und auch ihre Ausführung gefunden hat. Es fällt mir nun die so angenehme, freudige Aufgabe zu 48*

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