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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-28 · Heft 48 (28.11.1889) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 48 (28.11.1889)
Date
1889-11-28
Page
Seite 760 (sequence 12)
Language
German
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7(30 Dank zu sagen allen Jenen, welche die Ausführung der Idee unterstützt haben. In erster Linie verdient diesen Dank das Munizipium der Hauptstadt Budapest (Stürmische Eljenrufe), welches das Project mit großer Sympathie ausgenommen und dessen Verwirklichung wesentlich gefördert hat. (Eljenrufe.) Sodann verdient großen Dank der heilige Verein „Chewra Kadischa", der im Dienste seiner edlen Aufgabe schon das alte Spital thatkräftig unterstützte und nun diesem neuen Krankenhause eine große Stiftung gewidmet hat. (Bravo!) In dritter Linie danke ich allen den anderen Stiftern und Wohlthätern, sowie nicht minder den Architecten, welche ihre Fähigkeit und ihre Zeit so lange einzig und allein diesem menschenfreundlichen Institut gewidmet haben. (Eljenrufe.) Es thut mir so wohl, daß ich nicht Einzelnen zu danken habe, sondern der Gesammtheit unserer Gemeinde; denn es ist nicht das Werk Einzelner, was wir hier sehen, sondern dasjenige der Gesammtheit. Fast jedes Mitglied der Gemeinde hat zu den Baukosten sein Scherftein beigetragen. Nur Wenige fanden sich, die in ihrem verknöcherten Egoismus und unverhülltem Cynismus mit leeren Ausflüchten ihre Theilnahme an dem schönen Werke verweigerten und nichts hergaben. Nun steht dieses hehre Werk der Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit vollendet da. Unser neues Spital entspricht vollkommen dem heutigen Niveau der Wissenschaften, den gesteigerten Anforderungen der Gemeinde und dem Umfange unserer emporgeblühten Hauptstadt. Dieses Werk ist die größte Errungenschaft im Leben unserer Religionsgemeinde und ein glänzender Beweis der religiösen Gefühle ihrer Mitglieder. Man macht dem heutigen Zeitalter regelmäßig den Vorwurf religiösen Gleichmuthes und man behauptet, daß der alte Glanz und die alte Kraft des jüdischen Glaubens im Schwinden begriffen seien. Wahrlich, da kann man sich auf die Behauptung jenes alten Weisen berufen, welcher da sagte, daß der jüdische Glaube auf drei Tugenden beruhe: auf der religiösen Gelehrsamkeit, auf dem Gottesdienste und auf der Wohlthätigkeit. Und wenn die beiden ersteren Tugenden in dem ewigen Kampfe um die Existenz auch einigermaßen zurücktreten, so wird noch unwandelbar die Wohlthätigkeit geübt, deren Quelle noch niemals versiegt war und welche erhebend wirkt auf Alle ohne Unterschied der Confession und der Nationalität; die Wohlthätigkeit, welche Kranke aufsucht und Waisen und Verlassene. Die große Frage, wie die Kluft überbrückt werden könnte zwischen den Reichen und den Armen, zwischen Vornehm und Gering, ist die Judenschaft durch die Wohlthätigkeit zu lösen bemüht. Dieses Gefühl regiert in unser Aller Herzen und wird darin niemals aussterben. (Stürmischer Beifall und Applaus.) Beseelt von diesem Geiste, übernehme ich das neue Spital, welches unsere Gemeinde erhalten und pflegen wird, zu ihrem eigenen Stolz, zum Nutzen der Wissenschaft und zur Zierde der Hauptstadt, damit es den Kranken ein sicheres Asyl sei und sich noch späte Geschlechter unserer erinnern, die wir uns hier versammelt haben, um in dem heiligen Namen Gottes das Krankenhaus einzuweihen." Begeisterte Eljenrufe und stürmischer Applaus folgten dieser Rede, nach welcher sich Ober-Bürgermeister Karl Rüth erhob, um seitens der Hauptstadt Folgendes zu sprechen: „Ew. Hochwohlgeboren, Herr Präsident! Im Namen des Munizipiums unserer Hauptstadt Budapest danke ich dem Vorstande der Pester israelitischen Religionsgemeinde und allen Jenen, deren Opferwilligkeit dieses schöne neue Spital zu Stande gebracht hat. Ich wünsche, daß die israelitische Religionsgemeinde auch fernerhin die heiligen Interessen des! Vaterlandes und der Humanität vor Augen halte. Gottes > Segen und der Dank der Kranken geleite die Wirksamkeit! biefer hehren Institution! (Stürmische Eljenrufe.) Dieses neue Spital ist in jeder Beziehung schön und es wird unter den Schöpfungen in unserer Hauptstadt den ihm gebührenden Ehrenplatz einnehmen. Ich sage nochmals im Namen des hauptstädtischen Munizipiums besten Dank und flehe den Segen Gottes herab auf dieses imposante Werk der Wohlthätigkeit." (Erneuerte Eljenrufe und Applaus.) Nun erfolgte der Schluß der schönen Feier, indem Prediger Dr, Samuel Kohn ein ergreifendes ungarisches Weihegebet sprach, welches von allen Anwesenden stehend angehört wurde. Darauf trug noch der Tempelchor die Nationalhymne vor und als der Gesang verklungen war, verließen die Gäste den Saal, um das neue israelitische Spital in seinen verschiedenen Räumlichkeiten zu besichtigen. Prag, 14. November. (Privatmitth.) Habemus Papam! , Wir haben einen Oberrabbiner! vr. Ehrenfeld, Rabbiner in | Gnesen ist vorigen Sonntag zum Oberrabbiner gewählt. Der-; selbe ist ein Schüler Hildesheimers und gehörte der hoch- I orthodoxen Clique an. Was man immer von unserem früheren Oberrabbiner Hirsch sagen mag, er war ein friedliebender! Mann. Nun wir sind überzeugt, daß die Herren Tauber und Kisch auf ihrer Hut sind und dafür sorgen werden, daß die Bäume der Orthodoxie nicht in den Himmel wachsen. Strakonih, 13. November. Dank der energischen Thätigkeit des hiesigen Bezirksrichters, sowie dem unermüdlichen Eifer der Gendarmerie gelang es, den Einbrecher, der die hiesige Synagoge beraubt hatte, in der Person eines gewissen Stetka ausfindig zu machen und in Budweis zu verhaften. Bon der Donau, 12. November. (Privatmitth.) Der griechisch-orientalische Pope der Gemeinde Petrilla, Johann Preda, hetzte vorigen Sonntag Nachmittags, einen Dolch schwingend, die zahlreich versammelten Bauern gegen die Juden, wobei er auch gegen den König beleidigende Ausdrücke gebrauchte, weil das Schankrecht des Ortes den Juden übertragen wurde. Preda forderte die Leute auf, am nach-

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