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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-28 · Heft 48 (28.11.1889) · p. Seite 757

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 48 (28.11.1889)
Date
1889-11-28
Page
Seite 757 (sequence 9)
Language
German
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757 fangs nur im Tempel der inner« Stadt abgehalten wurde, änderten üblichen Gebetstücken, einige kurze deutsche Gebete, ist seit dem Jahre 1882 auch für alle übrigen Bezirke und , das Verzeichniß der Wochenabschnitte der Thora, die Kaiserzwar für die Jugend beiderlei Geschlechts eingeführt. Dieses! Hymne und 13 Nummern musikalische Beilagen, welche, bis Gebetbuch, dessen Herausgabe Hrn. Emanuel Baumgarten! auf den Segen, eine Composition des Ober-Cantors Singer, zu danken ist, enthält, außer den, erfreulicher Weise unver-!von Sulzer componirt sind. vr. Kayserling. Deutschland. Berlin, 18. Nov. Der Haushalts-Etat der jüdischen Gemeinde in Berlin für das Jahr 1888/89 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3,487,922.22 Mark ab; im Jahr vorher balancirten Einnahmen und Ausgaben mit 1,757,302.36 Mark, so daß darnach sich die betreffenden Summen in dem einen Jahr beinahe verdoppelt haben. Die Gemeindesteuer belief sich auf 608,708.75 Mark gegen 591,880.50 Mark im Vorjahre. An Zuschüssen wurden gewährt: zur Erhaltung der drei ständigen Synagogen 84,620.90 Mark, zur Unterstützung der Armen ca. 190,000 Mark, zur Erhaltung der bestehenden Gemeinde- und Religionsschulen und der Präpäranden-Anstalt ca. 108,000 Mark. Aus der Vermiethung der Stände in den drei Synagogen wurden vereinnahmt ca. 55,000 Mark. Der Zuschuß, welcher aus der Gemeindekasse zur Unterhaltung des Krankenhauses gewährt wird, beträgt ca. 48,000 Mark. Dessen Einnahmen und Ausgaben balanciren mit 224,930.99 Mark. — An Gehältern für die Rabbiner, Vorbeter, Chordirigenten, Bureaubeamten und Nuntien sind ca. 90,000 Mark verausgabt worden. — Neben der Haupt-Armen-Casse bestehen zahlreiche Stiftungen, aus denen verschämte Arme, arme Wöchnerinnen, Miethsschuldner rc. angemessene Unterstützungen erhalten. An Letztere wurden im Jahre 1888 8026 Mark gezahlt: für Bekleidung bedürftiger Knaben wurden über 5000 Mark verausgabt. Die Zahl der Vermächtnisse aus dem Jahre 1888 beträgt 32. Diese Zahlen sprechen für sich selbst und erweisen den Umfang, welchen die Organisation der jüdischen Gemeinde in Berlin erreicht hat. Erwägt man nun, wieviele jüdische Vereine hier bestehen, und wie vielfach die Privatwohlthätigkeit in Anspruch genommen wird, so muß man gestehen, daß die Opferwilligkeit der hiesigen Juden eine anerkennenswerthe ist, da sie doch ebenso zu den allgemeinen Anstalten und wohlthätigen Werke gesetzlich und freiwillig beisteuern. Berlin, 19. Nov. (Privatmitth.) Aus den veröffentlichten statistischen Nachweisen aus dem preußischen Staate betrug die Zahl der aus rein jüdischen Ehen geborenen Kinder im Jahre 1888: 8836 gegen 9050 im Jahre 1867. Dagegen war die Sterblichkeit unter den Juden wesentlich geringer als bei den anderen Confessionen. Was aber hervorzuheben, ist das höchst günstige Berhältniß in der Zahl der unehelichen Kinder bei den Juden. Im Jahre 1888 hatten 65,252 uneheliche Kinder evangelische Mütter unter 615,628 Geburten, so daß also ca. der neunte Theil uneheliche waren. 24,975 hatten unter 356,257 Geburten katholische Mütter, so daß also der 14. Theil uneheliche waren. Jüdische Mütter hatten 258 uneheliche Kinder unter 8836 Geburten, so daß also erst das 34. Kind unehelich war. Die Juden nehmen also hierin den Borrang ein. Die Nationalliberalen hier haben sich behufs der Wahlen zu der Stadtverordneten-Bersammlung mit den Conservativen und Antisemiten zu einem Dreibunde vereinigt, um die Freisinnigen, namentlich Virchow, aus der Stadtverwaltung zu verdrängen. Man sieht daraus, was Einzelversicherungen werth sind, wenn es Parteizwecke gilt. Berlin, 20. Nov. Ein Telegramm der „Franks. Ztg." besagt Folgendes: „Gestern Abend sprach der bekannte Pfarrer Thümmel in einer großen Versammlung des evangelischen Bundes in der Tonhalle. Eingeladen waren durch Säulenanschläge nur Evangelische. Prediger Weser forderte bei Eröffnung der Versammlung die etwa anwesenden Katholiken auf, den Saal zu verlassen; doch ging Niemand hinaus. Trotzdem wurden einige Herren als Katholiken bezeichnet und unter großem Lärm und Tumult thätlich angegriffen, so daß eine Intervention der Schutzleute nothwendig wurde, die einige Personen aus dem Saal entfernten. Es vollzog sich also die bekannte Szene, die in den Stöcker-Versammlungen unter der Parole „Juden 'raus" jetzt im evangelischen Bunde unter der Parole „Katholiken raus" sich abspielt. Besonders thätig waren evangelische Studenten. Dann hielt Thümmel unter großem Jubel einen Vortrag mit starken Ausfällen gegen die Katholiken". (Wir haben während der antisemitischen Hetzerei stets gesagt: heute mir, morgen dir! Jene war eben eine traurige Schule für confessionellen Fanatismus und die Rohheiten desselben. Auch in anderen Ländern, wo sich der Antisemitismus breit machte, haben andere Confessionen und Nationalitäten in jüngster Zeit gleiche Behandlung erfahren. Redakt.) 4S

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