Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1889)
- Date
- 1889-11-28
- Page
- Seite 756 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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756 und Ende, Erstes und Letztes. Alles geht daraus hervor, Alles dahin zurück; er ist die Wahrheit, deren Wirklichkeit die Welt bedeutet. Hier begegnen sich Denken und Sein, Subjectives und Objectives, Reales und Ideales getreu verwirklicht, geeignet und gereinigt in ewigem Beisammensein, ohne Leid und Neid in höchster Vollkommenheit und Seligkeit. Und wer den ewigen Gottesgedanken zu denken und zu fassen im Stande ist, in ihm lebt und wirkt, der ist zur Theilnahme berufen an dieser Vollkommenheit und Seligkeit." Bonn, 19. Nov. Wenn man in Frankreich über die radikale Feindschaft gegen Alles, was positive Religion betrifft, bitter zu klagen hat, da sie sich ebenso heftig in der praktischen wie in der theoretischen Sphäre bekundet und bethätigt, so scheint sich doch aUmählig auch ein gemäßigter Geist einzustellen und gewissermaßen eine Mittelpartei bilden zu wollen. Hierhin gehört eine neue französische Uebersetzung der Bibel, von welcher vor Kurzem der 5. Band „die Propheten" erschienen ist, E. Ledrain, la Bible, traduction nouvelle d' apr&s les textes liebreu et gree, t. V.: Les Proph&tes, Paris, Alpb, Lemerre, 1889. Schon beim Beginn seines Unternehmens sprach Herr Ledrain aus, daß er die Religionen weder angreifen noch vertheidigen wolle; er bezwecke vor Allem, das Genie des Stammes bewundern zu lassen." Im 3. Bande sagt er: „So lange die Menschheit bestehen wird, wird sie stets einen großen Genuß darin finden, aus diesen fernen und reinen Quellen der menschlichen Poesie zu schöpfen." Sein Vorbild ist hierbei Herder's „Geist der hebräischen Poesie", und es ist ihm deshalb zwar auch um die treue Wiedergabe, aber auch um die ästhetische Form bei seiner Uebersetzung zu thun. Um die Kritik der Abfassungszeit der h. Schriften, so wie um den dogmatischen Gebrauch, den die positiven Religionen von ihnen gemacht haben, kümmert sich Ledrain nicht, sondern sucht nur in den Geist und Sinn einzudringen. Wie weit ihm dies gelungen, soll hier unerörtert bleiben, da es uns nur darum zu thun ist, den Standpunkt dieses neuen französischen Uebersetzers zu kennzeichnen. Er will „die Seele der alten Civilisationen in einen ihrer größten Meisterwerke, der Bibel, lebendig machen." Der Grad der Civilisation, welchen das Volk Israel einnahm, zeigt bisweilen, daß es eben an denselben Mängeln litt, welche sich bei allen Nationen jener Epoche zeigen, wohingegen seine schriftlichen Monumente den erhabenen Geist, welcher weit über jene Zeitepochen hinausreicht, an zahllosen Stellen erweisen, so daß sie Meisterwerke bilden, welche der semitischen Race zur höchsten Ehre gereichen. Ein belgischer Kritiker sagt daher, daß diese Uebersetzung nur dazu dienen wird, zu zeigen, wie ruchlos es wäre, einen Stein auf eine Race zu werfen, die solche Archive der Größe habe und die Schmach zu nähren, die der Antisemitismus für unser Jahrhundert enthält." Wir wollen hoffen, daß die Uebersetzung des Herrn Ledrain in Frankreich diesen Erfolg in vollen Maße erreiche. Bonn, 20. Novembr. Wir haben es vor Kurzem (im Nr. 44) ausgesprochen, welche Befriedigung es uns verschafft, endlich auch die Schriften Lessiug's, die bei ihrem bleibenden Werthe auch noch in unserer Zeit von besonderer Bedeutung sind, zu ihrem Rechte hinsichtlich ihrer äußeren Ausstattung kommen zu sehen. Man weiß, wie viel eine solche schöne Gewandung zur Verbreitung eines literarischen Werkes beiträgt, und daß ihr nicht wenige Schriften, die jetzt vielen Absatz haben, diesen dem prächtigen Aeußeren verdanken, da sie sich dadurch zu Geschenken eignen. Von den Original-Ausgaben Lessing's durch die G. I. Göschen'sche Verlagshandlung in Stuttgart ist nunmehr die Ausgabe in gr.-8o in 12 Bänden beendet. Diese zeichnet fick durch großen Druck, schönes Papier, würdigen Einband, Vollständigkeit und Correctheit so aus, daß sie den besten Ausgaben unserer Classiker sich würdig anreiht. Wir machen daher auch unsere Leser auf diese vorzügliche Ausgabe aufmerksam, die sich z. B. zum Chanukkah-Geschenk besonders eignet, da auch der Preis (33 M.) für diese vorzügliche Leistung mäßig genannt werden kann. Die Originalausgabe Lessings durch die Göschen'sche Buchhandlung ist gewissermaßen ein Appell an die deutsche Nation, sich ihres großen Genius zu erinnern und seinen Meisterwerken von Neuem Eingang zu verschaffen in alle Stätten wahrer Bildung, besonders in die Büchersammlungen der Familien — möge der Erfolg ein entsprechender sein! — Pest, 17. November. Von dem „Jahrbuche der historischen Gesellschaft Julius Barasch" in Bukarest (Analele Societati istoriee Julin Barasch) ist die erste Hälfte des 3. Jahrganges erschienen. Dasselbe enthält außer Berichten und Mittheilungen, welche sich auf die Gesellschaft beziehen, die Geschichte der Juden in Plojest, wo sich seit ungefähr achtzig Jahren eine spaniolische und eine deutsch-polnische Gemeinde befindet. — Von Meisel's ros« no „Homilien über die Sprüche der Väter zur erbauenden Belehrung über Beruf und Pflicht der Israeliten" erscheint nach 34 Jahren eine neue Auflage (Breslau, Wilh. Jacobsohn u. Comp.). Es wäre zu wünschen, daß die vielen Fehler der 1. Aufl. in dieser neuen Auflage in den folgenden Heften verbessert würden; in dem uns vorliegenden 1. Hefte ist es nicht geschehen. — Jüngst erschien das vom Vorstande herausgegebene und von dem Religionslehrer Mor. Anscherl redigirte „Gebetbuch für den sabbathlichen Jugend-Gottesdienst in der Wiener israelitischen Cultus-Gemeinde" und zwar für den Vormittags- und Nachmittags-Gottesdienst (Mussaph und Mincha) in geschmackvoller Ausstattung (Wien 1889). Der Jugendgottesdienst, der in Wien seit 1870 besteht und An-