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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-28 · Heft 48 (28.11.1889) · p. Seite 753

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 48 (28.11.1889)
Date
1889-11-28
Page
Seite 753 (sequence 5)
Language
German
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753 über die Behandlung des Ungeziefers am Sabbath anstellt. und zwar in einer solchen Breite, daß sich meine Feder aus Schicklichkeitsgründen dagegen sträubt, nur einen Theil davon wortgetreu zu übersetzen. Warum sollen wir nicht offen bekennen, daß ein Mann, wie Mendelssohn, trotz seiner unsterblichen Verdienste um das Judenthum in einem schweren Jrrthume befangen war, als er, um demselben einen Dienst zu leisten, die Lehre aufstellte, daß das Judenthum keine Dogmen habe und somit diejenige Religion sei, welche die Deisten einzig und allein anerkennen, eine bloße Moralitätsanstalt, welche man der abergläubischen Menge zu Liebe mit einem Flitterwerke von mystischen Ceremonien behängt habe. Ich muß bei dieser Gelegenheit eine Ehrenschuld abtragen, indem ich bekenne, daß mir zur Zeit, als ich in Nr. 44 des vorigen Jahrganges den Aufsatz: „Was thut dem Religionsunterrichte an höheren Schulen noth," schrieb, nicht bekannt war, daß der greise Professor A. A. Wolff in Kopenhagen bereits im Jahre 1825 in seinem Schriftchen: „Einige Worte über mein Religionsbuch" auf das Falsche in Mendelssohns Anschauungen hingewiesen hat, während ich dieses Verdienst Leopold Löw zuschrieb. Allerdings hat Wolff Mendelssohn in Schutz zu nehmen versucht, indem er ganz nach der Art. wie die alten Theologen die talmudischen Schriften behandelt haben, ihm ein „scheint gemeint zu haben" unterschiebt. Eine solche unparteiische Darstellung, welche nicht unwirkliche und unmögliche Ideal-Gestalten zeichnet, nicht Potemkin'sche Landschaften hervorzaubert, sondern sich begnügt, das sittlich Hohe in seiner Größe darzustellen, ohne dessen Schattenseiten zu verdecken, wird die Herzen der Jugend mehr erwärmen, als jede apologetische Einseitigkeit. Und damit stehen wir auf ehrlichem traditionellem Boden, denn auch der Talmud tadelt an König Chiskiah (Berach. 10, 6), daß er sich seiner Frömmigkeit, und an Nehemia, daß er sich seiner Uneigennützigkeit gerühmt, an dem letzteren auch noch, daß er von der Amtsführung seiner Vorgänger abfällig gesprochen habe (Synh. 93. 6). Das ist also nach dem Talmud biblischen Gestalten gegenüber berechtigt, um wie viel mehr dürfen wir an jüngeren Erscheinungen das tadeln, was wirklich Tadel verdient, besonders, wenn wir aus diesem Tadel lernen. Ich will jedoch nach dieser längeren Abschweifung auch die positive Seite meiner Anschauung wieder in den Vordergrund rücken. Nicht die wissenschaftliche Vollständigkeit, sondern die sachliche Vollständigkeit, nicht die äußere Thatsache, sondern die innere Persönlichkeit machen den religiösen Werth der jüdischen Geschichte aus, und davon will ich im Folgenden Bilder aus verschiedenen Zeiten als Beispiele geben. (Fortsetzung folgt.) Liierarischer Wochenbericht. Bonn, 18. November. Herr Dr. I. Rülf, Rabbiner in Memel, der eifrige und verdienstvolle Wohlthäter der polnisch-russischen Juden, hat ein umfassendes philosophisches Werk veröffentlicht: „Wissenschaft des Weltgedankens und der Gedankenwelt, System einer neuen Metaphysik, zwei Bände (Leipzig, Friedrich, 1889)." Die eingehende Beurtheilung eines solchen streng philosophischen Werkes liegt unserem Blatte fern. Jndeß bestehen zwei Momente, welche uns veranlassen müssen, Kenntnißnahme dieser umfassenden Arbeit auch bei unsren Lesern zu verbreiten: zuerst, weil es schließlich darauf ankommt, ob dieses philosophische System mit den Grundlehren des Fudenthums übereinstimmt, und dann, weil wir die Pflicht haben, von allen bedeutenden und ihrem Ziele nahekommenden Bestrebungen eines Glaubensgenossen Kunde zu geben. Allein gerade aus diesem Gesichtspunkte muß es uns weniger darum zn thun sein, ein eigenes Urtheil über die Erfolge zu fällen, welche ein Jude erzielt hat, als vielmehr das maßgebender nichtjüdischer Autoren wiederzugeben. Bei der eigenthümlichen Lage, in welche unsre Glaubensgenossenschaft in den letzten Jahren gerathen ist, empfiehlt sich diese Behandlungsweise am meisten. lieber das Werk des Dr. Rülf haben wir nun zwei ausführliche Recensionen vorliegen. Die erste ist in der „Gegenwart" von Eduard v. Hartmann, diesem ausgesprochenen Antisemiten, erschienen und spricht mit vollem Lobe über Rülf's Arbeit. Er beginnt: „In dieser Metaphysik tritt ein Autor als philosophischer Systematiker auf, der sich bisher nur in kleineren Broschüren und auf journalistischem Gebiet bethätigt hat, aber darum kein Neuling ist. Er bekennt sich als ein Schüler Zeller's aus dessen Marburger Zeit, der die Grundgedanken seines Systems schon vor 25 Jahren in seiner Inauguraldissertation niederlegte und seitdem in seiner äußerst knapp bemessenen Muße beständig mit den metaphysischen Problemen beschäftigt blieb. Er bekundet in diesem umfangreichen Werke eine bedeutende speculative Anlage von gründlicher Schulung, einen starken Drang zur erschöpfenden Systembildung und eine ungewöhnliche Frische und Leichtigkeit der Darstellung. Seine wichtigsten Vorbilder sind Spinoza, Leibniz und Hegel. Von Spinoza hat er die Begeisterung für den Monismus, von Leibniz die nachdrückliche Betonung des Kraftbegriffs, von Hegel die Grundsubstanz und Grundform seines Denkens. Er kämpft gegen allen Dualismus in der Metaphysik und ist überzeugt, daß nur unter dem Zeichen des Einheitsgedankens die Verständigung der Geister erreichbar ist; er kämpft aber auch gegen allen naturalistischen Pantheismus, der Gott in das All auflöst, anstatt das All in Gott zu finden re." — Die zweite Beurtheilung in den Mün- ^chener „Akademischen Monatsheften" ist von dem wohlbe- ÜiüsüÜ

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