Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1889)
- Date
- 1889-11-21
- Page
- Seite 745 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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745 die Schönheitskönigin und deren Ehrenfräulein, Pagen, Herolde, geharnischte Ritter und Knappen; dann folgten die Königin Elisabeth zu Pferde unter einem Thronhimmel, Oliver Cromwell, der Herzog von Marlborough und andere berühmte Persönlichkeiten, welche Abkömmlinge von Lordmayors von London gewesen sind, ferner die populärsten Lordmayors während des siebenhundertjährigen Bestehens des Lordmayorats, darunter Sir Richard Whittington, alle in der Tracht ihrer Zeit und beritten. Sir Henry Jsaacs wurde allenthalben stürmisch begrüßt, namentlich im jüdischen Viertel seines Bezirkes, wo er dem Zuge zu Fuße folgte und so den jüdischen Sabbath nach seiner religiösen Ueberzeugung beobachtete?) Dem Umzuge schließt sich Abends in der Guild- 1) Aus den Zeitungen ist bekannt, wie lange Verhandlungen darüber geführt wurden, ob Sir Henry Jsaacs, da der Tag, an welchem der Lordmayor-Zug nach altem Brauche stattfinden mußte, auf einen Sabbath fiel, diesen in den hierfür bestimmten prachtvollen alten Wagen oder zu Fuß machen solle. Letzteres wurde von der .Instanz, die darüber zu entscheiden hatte, abgelehnt. Wir erinnerten uns dabei an eine ähnliche Situation, in welcher sich Moses Mendelssohn einmal befand. Der König Friedrich II. hatte ihn und zwar gerade auf einen Samstag zu einer Audienz nach Sanssoucis besohlen. Dies ist faktisch, wie S. 114 in Kayserlings Moses Mendelssohn" 2. Aufl. S. 114 zu lesen. Hierzu erzählte mir ein alter Herr, als ich Anfangs der dreißiger Jahre in Berlin studirte: hall das übliche Lordmayors-Banket an, bei welchem Lord Salisbury den Trinkspruch auf die Minister mit einer voraussichtlich politisch hochwichtigen Rede beantworten wird. Bonn, 17. Nov. (Notizen.) Man schreibt uns aus Aschaffenburg: Am 29. October d. I. feierten Herr Jacob Rosenhaupt und Frau dahier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Rosenhaupt, welcher viele Jahre als Prediger und Lehrer segensreich wirkte, weilt schon mehrere Jahre hier in unserer Stadt, um in Ruhe den Abend seines Lebens mit seiner Gemahlin zu verbringen. — Dem Jubelpaar, das sich noch großer Rüstigkeit erfreut, wurden mehrfach Ovationen zu Theil. Mendelssohn befand sich in der größten Verlegenheit, wie er an diesem Sabbath zur bestimmen Zeit angemessen erscheinen könne, da es gerade Sabbath war. Er verfügte sich zu dem damaligen Berliner Rabbiner und kam mit diesem überein, da ein Befehl des Königs eine unabweisliche Verpflichtung enthalte, andrerseits den Glaubensgenossen kein Anstoß zu geben sei, daß M. durch die Stadt zu Fuß gehen, vor dem Tvore einen Wagen besteigen solle, um rechtzeitig nach Potsdam und Sanssoucis zu gelangen. Ob dies faktisch richtig sei, wissen wir nicht; jedenfalls scheint dem gewissenhaften Sir Henry Jsaacs eine ähnliche Entscheidung geworden zu sein. Redaktion. Jeuit Äakob Karpeles. Unsere Leser wissen, daß wir uns stets bemühen, Charaktere, die sich durch Würde, Festigkeit und ernstes Streben auszeichnen, aus der Reihe unserer Glaubensgenossen hervorzuheben und für die Erinnerung festzuhalten. Im Feuilleton des „Berliner Tageblattes" gab jüngst Dr. Gustav Karpeles einen Artikel, in welchem er seinen „Namensvetter", Jakob Karpeles, der vor Kurzem in Paris verstarb, schildert. Wir entnehmen demselben Folgendes: Als er nach Paris kam, war sein sehnlichster Wunsch, Heine kennen zu lernen. Im Cercle Balois, im Palais Royal, war damals ein Lesekabinet, wo sich zwischen drei und > fünf Uhr Nachmittags alles, was in Paris an deutschen Be-! richterstattern beisammen war, einfand. Dorthin kam auch! Heine in gesunden Tagen ziemlich regelmäßig. Und dort' lernte ihn Karpeles kennen. Heine fand Gefallen an dem: fleißigen, gefälligen, stillen und liebenswürdigen Manne. Er zog ihn in seinen Kreis, nachdem er sich verheirathete, auch in sein Haus. Und Karpeles ist bis zum Tode des Dichters einer seiner treuesten Freunde geblieben. Einer der Wenigen, die das Vertrauen des armen Poeten nie getäuscht haben, der einzige vielleicht, der sich auch durch Heines üble Laune, i c t o n. durch seine scharfen Witze auf Kosten der Freunde nie in seiner Freundschatt beirren ließ. Ich meine, das spricht für beide Theile. Bei dem Einen entsprang die Freundschaft aus i Verehrung und Hingebung, bei dem Andern fand sie ein - dankbares Echo. Hier ist die Ursache, dort die Wirkung der; Freundschaft.! Wer sich der Mühe unterziehen wollte, die alten Jahrgänge der Augsburger „Allgemeinen Zeitung" durchzublättern, der würde dort unter verschiedenen Zeichen aus Paris die gesammelten Werke meines Namensvetters finden. Er würde dabei bemerken, daß Karpeles ein origineller Kopf war, der nicht nach der Schablone arbeitete, daß er ein ehrlicher Mensch war, der keine Schönfärberei und keine Schwarzseherei trieb, sondern die Dinge so schilderte und beurtheilte, wie sie sich wirklich zugetragen, daß er ein guter deutscher Patriot auch in der Fremde geblieben, und daß die Liebe zur Heimat, zum deutschen Vaterlande, den warmen Grundion aller seiner Berichte und Bilder abgegeben hat. Hierauf berichtet der Vers, dieses Artikels von heiteren Verwechselungen, die zwischen ihm und seinem Namensvetter! stattfanden. Eine Anekdote, von der gut katholischen Frau! Heinrich Heines, die von der naivesten Unwissenheit war, > mag hier wiedergegeben werden. —T-TÜr