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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-21 · Heft 47 (21.11.1889) · p. Seite 744

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 47 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
Seite 744 (sequence 12)
Language
German
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744 Bulgariens, durch einen löblichen Wetteifer angelrieben, auch Schulen gründeten, uni den Bedürfnissen der Zeit zu genügen, veränderte sich die Stellung unserer Glaubensgenossen und die Ereignisse öffneten ihnen endlich die Angen. Um die hauptsächlichsten guten Erfolge dieser Wandelung hervorzuheben, brauche ich nur zu erwähnen, daß die meisten guten Schüler, die aus unserer Schule hervorgehen, in das Gymnasium eintreten, um dort ihre Studien zu vollenden; im vergangenen Jahr zählte das Gymnasium 10 jüdische Schüler; in diesem Jahre werden es 20 sein. Man muß hinzufügen, daß die benachbarten Gemeinden ebenfalls Kinder in das Gymnasium unserer Stadt schicken, abgesehen von den beiden Schülern, die auf Kosten der Alliance erhalten werden. Da der Anfang einmal genlacht, so wird das Gymnasium sicher in einigen Jahren 80 bis 100 jüdische Schüler zählen. Wer die Sitten unserer Glaubensgenossen dieser Stadt vor einigen Jahren gekannt hat, wird den außerordentlichen Fortschritt erkennen. Es schien früher unzulässig, daß jüdische Kinder andere als jüdische Schulen besuchten. Uebrigens hat das Gymnasium, ebenso wie die gleichen Anstalten in Frankreich oder Deutschland J), keinen eonfessionellen Charakter. Der Besuch des Gymnasiums durch unsere jungen Glaubensgenossen wird gewiß einen glücklichen Einfluß auf die Beziehungen zwischen den Israeliten und den Christen der Hauptstadt ausüben. Die Regierung wird für sie auch die Schule der Brüderlichkeit zwischen den verschiedenen Zweigen der bulgarischen Familie sein. Als der Militärdienst den bulgarischen Israeliten auferlegt wurde, erscholl durch alle Gemeinden lautes Stöhnen. Um diese Unruhe sich zu erklären, muß man sich daran erinnern, daß seit der Niederlassung der Türken in Europa (ohne von früheren Zeiten zu sprechen) nur die Muselmänner Soldaten waren, die Christen und die Juden bezahlten der Regierung eine besondere Steuer an Stelle der Blutsteuer. Man wundere sich deshalb nicht, daß die Juden mit Angst der Stunde entgegensahen, wo ihre Kinder in die Armee ausgenommen werden sollten. Wenn heute die ottomanische Regierung den zahlreichen Christen, welche die Türkei bewohnen, die Militärpflicht auferlegte, würde man sicher dieselben Gefühle der Furcht und des Widerwillens bei den griechischen, katholischen und armenischen Gemeinden des Reiches bemerken. Im Anfang gab es in Bulgarien israelitische Soldaten, welche sich dem Militärdienste zu entziehen suchten, aber seitdem hat sich die Situation sehr geändert und die jungen israelitischen Soldaten haben so tapfer ihre Pflicht in dem letzten serbisch-bulgarischen Kriege gethan, daß der Prinz Alexander sie öffentlich 1) In Deutschland haben die Gymnasien mit wenigen Ausnahmen einen eonfessionellen Charakter. Redact. beglückwünschte und mehrere decorirte. In diesem Feldzuge haben wir unsere Tobten und unsere Verwundeten gehabt, und ich hörte einen hohen Beamten der Stadt folgenden Ausspruch thun: „Ich habe aus dem Munde des Prinzen Battenberg selbst gehört, daß die israelitischen Soldaten sich sehr gut im Feuer bewährt haben und ich bin mit ihrem Muthe und ihrer Diseiplin sehr zufrieden." Türkei. London, 1. November. Das „Jewish Chronicle" veröffentlicht eine Correspondenz aus Bagdad, in welcher die Lage der Juden daselbst als eine sehr schlimme dargestellt wird. Dieselben wollten, mit einer schriftlichen Erlaubniß des Generalgouverneurs versehen, einen ihrer hervorragendsten an der Cholera gestorbenen Rabbiner in dem Grabdenkmal, welches für dasjenige Josua's gilt, beisetzen, konnten dies aber nur mit Gewalt gegen den Willen des muselmanischen Wächters des Grabes ausführen. Auf Grund einer falschen Anklage des Letzteren ließ nun der Generalgouver- ■ neur den Oberrabbiner und viele andere hervorragende Juden! verhaften, ohne Urtheilsspruch eines ordentlichen Gerichts. i Die erschreckten Juden von Bagdad telegraphirten nach Konstantinopel, allein der Generalgouverneur fing das Telegramm auf und stellte die Sache Dem Gloßvezir in einer ganz anderen Weise dar. Sobald nun die Anglo-Jewish Association in London von diesen Vorgängen Kunde erhielt, machte sie Lord Salisbury davon Mittheilung und dieser hat, den Ernst der Lage anerkennend, sofort an Sir W. White in Konstantinopel telegraphirl, die Angelegenheit gründlich zu untersuchen. Großbritannien. London, 10. November. Gestern am 9. hat der Umzug des neuen Lordmayors Sir Henry Jsaacs bei etwas trüber, aber milder Witterung stattgefunden. Der Menschenandrang auf den festlich geschmückten Straßen, durch welche der lange, unabsehbare Zug sich bewegte, war ungeheuer, namentlich in dem hart an Whitechapel streifenden Bezirk, den Jsaacs im Stadtältesten-Kollegium vertritt. Der Zug trug der Schaulust mehr als je Rechnung. Nicht weniger als 16 Kapellen, darunter mehrere berittene, sorgten für den Ohrenschmaus. Eine Abordnung der Pariser Feuerwehr, welcher fast alle Mannschaften der Londoner Feuerwehr folgten, wurde sympathisch begrüßt. Nachdem die verschiedenen Citygilden mit ihren Fahnen vorübergezogen waren, entwickelte sich vor den Augen der Zuschauer ein Stück ächten Mittelalters. Künstlerisch zusammen gestellte Gruppen veranschaulichten den Sport und Zeitvertreib Altenglands. Eine Gruppe, betitelt die Vorbereitung für das Turnier, umfaßte LLM 8888

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