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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-21 · Heft 47 (21.11.1889) · p. Seite 743

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 47 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
Seite 743 (sequence 11)
Language
German
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743 bezweifeln dies nicht; jedenfalls liegt in dieser Auslassung ein Versprechen, an die Ausführung dieses, geradezu unentbehrlichen Werkes die Hand anzulegen. Große Schwierigkeiten werden bei gutem Willen nicht zu überwinden sein. Wir hoffen deshalb, daß bald die ersten Schritte sichtbar werden. Rumänien. Bukarest, im October. Es wäre ungerecht, wenn wir nicht anerkennen wollten, daß unter dem jetzigen conservativen Ministerium, im Gegensatz zum Regimente Bratiarw's, die Juden in Rumänien viel mehr Ruhe und Sicherheit genießen, was wiederum erweist, daß nicht das rumänische Volk uns feindlich gesinnt ist, vielmehr nur die große Classe der Streber. Neulich fand sogar eine Procession von etwa 4000 Israeliten, Männern und Frauen, durch die Straßen von Bukarest statt, um einige Thorarollen feierlich nach der neuen Synagoge der Aschkenasim zu bringen, und dieser feierliche Aufzug ging ohne die geringste Störung vor sich. In Crajova wurde am 24. September eine neue sephardische Synagoge mit großem Pompe und unter Anwesenheit der Behörden und Honoratioren gefeiert. Allerdings ist noch keines der drückenden Ausnahmgesetze aufgehoben oder deren Handhabung milder geworden; aber wir sind schon zufrieden, daß wir in Ruhe leben und unserem Erwerbe nachgehen können. — Ein schönes Zeugniß für den Geist, der uns Juden beseelt, ist durch einen jüngsten Vorgang abgelegt worden. Die Ephoren der Civilhospitäler hatten einen internen Assistenten, wie man sagt, mit Unrecht bestraft. Die anderen Internen protestirten dagegen, und da sie hiermit keinen Erfolg hatten, strikten sie. Alle Studirenden der Medicin christlichen Glaubens erklärten sich für solidarisch mit jenen. Die rumänischen Studirenden bilden einen Verband und versammeln sich jährlich bald in dieser, bald in jener Stadt des Landes. Auf den Wunsch Bratianos wurden die jüdischen Studenten von diesem Verbände ausgeschlossen, und dasselbe ist der Fall mit der medicinischen Studentengesellschaft. Demungeachtet verweigerten auch die jüdischen Mediciner für die ausständischen Collegien einzutreten, so sehr sie auch von oben her darum ersucht wurden. Es machte großes Aufsehen, als auch die jüdischen Studenten sich mit ihren christlichen Collegen für solidarisch erklärten und ihre Thätigkeit abbrachen. Als die Ephorim sich entschlossen, Hilfsärzte anzustellen, fanden sich mehrere christliche Mediciner bereit, aber kein einziger Jude. Mögen dies die christlichen Studirenden erwägen und ihre feindselige Gesinnung aufgeben. Bulgarien. Bonn, 11. November. (Privatmitth.) Bor Kurzem wurde von einem zuverlässigen Berichterstatter eine Darstellung veröffentlicht, wie seit ca. zwanzig Jahren in Bulgarien Volksschulen gegründet wurden, die jetzt fast in jedem Dorfe blühen und die jüngere Generation bereits zu selbstbewußten thätigen Bürgern herangezogen haben. Ein bulgarischer Kaufmann in Odessa faßte den Gedanken, daß durch Schulbildung allein die bulgarische Nation zu einem neuen nationalen Dasein geweckt und gebildet werden könnte. Er machte sich mit allen seinen Mitteln zum Apostel dieser Idee und fand in seiner Nation den lebhaftesten Anklang. Dadurch wußte man alle Schwierigkeiten zu überwinden, Schwierigkeiten, welche nicht von der türkischen Herrschaft ausgingen, der es ganz gleichgültig war, ob die Bulgaren ihre Kinder auf ihre Kosten unterrichten ließen oder nicht, sondern die diesen Schulen von den griechischen Popen und der griechischen Bevölkerung in den Weg gelegt wurden, welche auf diese Weise die Bulgaren ihrem Einflüsse entwischen sahen. Jetzt nun, da die Bulgaren einen selbständigen Staat bilden, verstärkt sich dieser Trieb nach höherem Unterrichte immer mehr und in allen Städten erstehen Gymnasien nach deutschem Muster. Hierin unterscheiden sich gegenwärtig die Bulgaren recht sehr von allen übrigen Donau- und Balkanvölkern, von den Rumänen, Serben, Montenegrinern und Griechen. Dieses Beispiel wirkte denn auch auf die Juden in Bulgarien zu einem förmlichen Wandelungsprozesse, worüber uns der Bericht des Direetors der Alliance-Schule in Philipopel an das Centralcomite eine interessante Mittheilung macht. Es heißt da: „Bei meiner Rückkehr in dieses Land, welches ich im Jahre 1884 verlassen hatte, fielen mir die Veränderungen auf, welche in dieser kurzen Spanne Zeit die Verhältnisse und politischen Ereignisse in einer Bevölkerung hervorgebracht haben, die früher Allem so verschlossen war, was von nah oder fern an neuen Ideen auftauchte, welche zu verbreiten die Schulen zur Aufgabe haben. Die Gemeinde zu Philipopel, welche stets eine der religiösesten Bulgariens gewesen, hatte seit lange in den Schulen eine Gefahr für den Glauben gesehen, und sie fürchtete für die Jugend den Einfluß der Bildung. Diese Art Widerstand hörte selbst nicht auf, als die Alliance Schulen in Philipopel eröffnete, so mächtig war das Borurtheil gegen die Bildung; sie zeigt sich durch eine Art Gleichgültigkeit gegen die Schule, welche die mir vorangegangenen Directoren oft gerügt haben und welche die wahre Ursache der wenigen Resultate war, welche die Schule während mehrerer Jahre zu erzielen schien. Aber je mehr sich Alles um uns herum organisirte, je mehr die öffentlichen Schulen sich vermehrten, man in dem kleinsten Dorfe neue eröffnete; je mehr die anderen religiösen Gemeinden 47* mmamm £ B

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