Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1889)
- Date
- 1889-11-21
- Page
- Seite 741 (sequence 9)
- Language
- German
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741 theilung, daß die deutsch-soziale (antisemitische) Partei zuj nächst neun Candidaten für die nächste Reichstagswahl gej Wonnen hat. Es sind dies die Herren Fabrikanten O. Beyer- Reichenbrand, Gymnasial-Oberlehrer Dr. Paul Förster-Berlin, Ingenieur Th. Fritsck-Leipzig, Ingenieur Pr. Häberlein-' Berlin, Chemiker Dr. W. HentschelLeipzig, Buchhändler A. Hübner (Wohnort?) Dr. med. A. König-Witten, Premier-! Lieutenant a. D. Liebermann v. Sonnenberg-Leipzig und Redacteur Werner-Leipzig. In welchen Wahlkreisen diese j Kandidaten untergebracht werden sollen, wird zunächst noch verschwiegen. (Das sind also die neun Kegel, und ein König ist auch darunter. Sie zählten „die Häupter ihrer Lieben" und siehe^ es fehlten nur — Stöcker und Böckel, und es fehlten! weitere, die sich aufführen ließen. Zu bedeuten hat dies 1 nichts, als daß diese Antisemiten sich vereinsamt fühlen, und l deshalb das Bedürfniß haben, sich bemerklich zu machen, da-! mit man nicht ganz vergesse, daß sie da sind. Es sind da! alle darunter, die schon ein oder zwei Male eandidirten und! durchfielen, Pr. Förster z. B. mit — zwei Stimmen!) Leipzig, 10. November. Bei der gestern stattgehabten Wahl zweier studentischer Vertreter in den Vorstand der Akademischen Lesehalle sind zum ersten Male seit einer langen Reihe von Jahren die Kandidaten des antisemitischen Vereins deutscher Studenten unterlegen. (Es ist dies immerhin ein günstiges Symptom von der Umwandlung, die sich selbst in Leipzig, der gegenwärtigen Heimstätte des Antisemitismus, allmählig vollzieht, und zwar! in der Leipziger Studentenschaft.) '! Wiesbaden, 8. November. Das „Amtsblatt" veröffentlicht die mit Zustimmung des Bezirks-Ausschusses für den ganzen Umfang des Regierungs-Bezirkes Wiesbaden zwecks? Vermeidung - ungebührlicher Thierquälereien beim Schlachten! nach jüdischer Methode (Schächten) erlassene Polizeiverordnung. Dieselbe lautet: § 1. Das Viehschlachten nach jüdischer Methode (Schächten) ist nur denjenigen gestattet, welche das Schlächtereigewerbe betreiben, sowie denjenigen, welche die Approbation eines Rabbiners zum Schächten glaubhaft Nachweisen. Nach § 2 werden Zuwiderhandlungen mit einer Geldstrafe von 1 bis zu 60 Mk. ev. einer entsprechenden Haft bestraft. Unter dem Viehschlachten kann doch nur das Schlachten von Rind und Schaf verstanden werden, denn es kann Niemanden verwehrt sein, eine Gans oder ein Paar Tauben schlachten zu lassen. Die fernere Bestimmung ist mit den jüdischen Vorschriften in vollem Einklang, welche sogar verlangen, daß der von einem Rabbiner approbirte Schächter sich von Zeit zu Zeit abermals prüfen und approbiren lasse, ob er noch die rechte Befähigung, sein Schlachtmesser vorschriftsmäßig scharf zu erhalten besitze und seine Kenntniß des Gesetzes nicht verloren habe. Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. November. Die Vorhersagung, in welche unsere neuliche Schilderung über die Vorgänge im Lager der „vereinigten Christen" auslief, ist rascher, als es selbst der ausgebildetste Sanguinimus erwartete, in Erfüllung gegangen. Zum ersten MGle seit Beginn der offenen Katzbalgerei zwischen den „deutsch-nationalen" und den „schwarz-gelben" Antisemiten und der damit im Zusammenhänge stehenden innerantisemitischen Familienwäsche sind gestern die Wähler in zwei Wiener Bezirken, in Neubau und auf dem Alsergrund, zur Vornahme von Bezirksausschuß-Wahlen an die Wahlurne getreten und in beiden Bezirken endete der mit ziemlicher Erregung und unter Anwendung aller üblichen Agitationsmittel geführte Kampf mit der vollständigen Niederlage der Antisemiten. Gewiß, es handelte sich gestern nur um die Besetzung einer Reihe von Mandaten in Bezirksver-! tretungen, also um Körperschaften, die, wenn man von den! immerhin nicht unwesentlichen Vorbereitungen für die Landj tags- und Reichsrathswahlen absieht, im eigentlich politischen Leben keine nennensmerthe Rolle spielen, dabei aber nichtsdestoweniger in ganz konkreten materiellen Dingen, wie Steuerfragen und dergleichen von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Im Uebrigen wurde, wie schon hervorgehoben, weil man eben das Gefühl hatte, daß es sich, ganz ohne Rücksicht auf den momentanen Siegespreis, um eine in ihren Consequenzen hochwichtige Kraft- und Belastungsprobe handle, beiderseits mit einer bei derartigen Communalwahlen nicht gewöhnlichen Energie gekämpft, und das Resultat war — das eingangs erwähnte, zum großen Erstaunen der Unterlegenen und vielleicht zum noch größeren Erstaunen der Sieger. Daß den Ersteren das Hauptverdienst an dem gestrigen ^Wahlergebnisse zukommt, steht außer allem Zweifel. Getviß verdienen die Anstrengungen der fortschrittlichen Parteien und ° deren Unterstützung, durch das Gros der hauptstädtischen! Presse in ihren verschiedensten Schattirungen alle Anerkennung,! allein dieselben hätten gewiß nicht zu einem so gründlichen j Umschläge geführt, wenn nicht die Antisemiten selbst so nachdrücklich und umsichtig das Geschäft der Belehrung und Aufklärung der Wählermassen in die Hand genommen und da-! mit ihren Gegnern in dankenswertester Weise das Terrain geebnet hätten. Seit Wochen ist es ja die Hauptarbeit der j verschiedenen antisemitischen Fractionen, welche kurze Zeit hindurch die Gesammtpartei der „vereinigten Christen" bildeten, mit Zuhilfenahme der breitesten Oeffentlichkeit nachzuweisen, was die Welt in Wirklichkeit von den Anhängern der bislang alliirten Fractionen zu halten habe. Während Pr. 4