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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1889-11-14 · Heft 46 (14.11.1889) · p. Seite 729

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
53 (1889)
Issue
Heft 46 (14.11.1889)
Date
1889-11-14
Page
Seite 729 (sequence 13)
Language
German
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729 Städten noch Gastrollen. Er wird demnächst zur Feier seines Jubiläums nochmals im K. Hoftheater hier auftreten, da er jetzt noch durch seine phänomalen Stimmmittel zu begeistern im Stande ist. — Aus Halle a. S. wird uns geschrieben: Der zum Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde gewählte Here vr. S. Feßler, bisher Rabbiner in Landsberg a. d. Warthe, hat seine Stelle bereits angetreten. — Aus Pest wird uns berichtet: In Theresiopel feierte den 31. v. M. Herr Ga spar Kunetz unter Betheiligung seiner ausgebreiteten Familie das Fest der goldenen Hochzeit in voller Rüstigkeit. — Aus Berlin schreibt man: Der „Reichsanzeiger" meldet: Laut Bekanntmachung des Senats der Akademie wurde das Stipendium der Michael Beer'schen Stiftung für jüdische Maler und Bildhauer im Betrage von 2250 Mark dem einzigen Preisbewerber, dem Bildhauer Isidor Konti in Wien, verliehen. I e u i t t e t o n. Der Humor im Midrasch. Wir haben in Nr. 38. 39. 41. 42. Stellen aus dem Midrasch angeführt, in welchen in ernster und würdiger Weise Rechts- und metaphysische Fragen behandelt werden. Aber auch der Humor fehlte dem Midrasch nicht. Jener Witz, der dem jüdischen Stamm in seiner Eigenart zugeschrieben wird, der Witz, welcher über die Uebel des Lebens hinweghilst, ohne sich diesen entwinden zu können, welcher ein Trost- und Hülfsmittel selbst der Mißachtung und Gewaltthätigkeit einfältiger Machthaber dem Stolz des Reichthums, des Geburts- und Rassenübermuths gegenüber gewährt, der die Wunden überdeckt und von der Außenwelt abschließt, ohne daß sie zu bluten und zu schmerzen aufhören, er fand sich auch bei jenen sinnreichen und scharfblickenden Männern des Midrasch ein. Ein Beispiel hierfür in Folgendem nach der Bearbeitung des Hrn. Or. A. Wünsche: Bechoroth 8, 2. Der Kaiser fragte den R. Josua ben Ehananja: Wie lange dauert es, daß eine Schlange trächtig ist und gebiert? Er antwortete ihm: Sieben Jahre. (Der Kaiser:) Die Alten (Gelehrten) des Athenäums (in Rom) haben sie doch aber gepaart und sie hat schon nach drei Jahren geboren? (Der Rabbi:) Sie waren schon vorher vier Jahre trächtig. (Der Kaiser:) Sie (die Gelehrten des Athenäums) sind doch aber Weise? (Der Rabbi:) Wir sind noch weiser als sie. (Der Kaiser:) Wenn Du weiser bist, so gehe hin, besiege sie (stelle einen Wettstreit mit ihnen an) und bringe sie zu mir. (Der Rabbi:) Wie viele sind ihrer? (Der Kaiser:) Es sind 60 Menschen. (Der Rabbi:) So mache mir (rüste mir aus) ein Schiff mit 60 Häusern (Gemächern) und in jedes Haus stelle 60 Polster (Stühle). Als der Rabbi dahin kam, begab er sich zu einem Fleischer, welcher gerade ein Thier (ein Stück Vieh) zergliederte. Er sprach zu ihm: Ist Dein Kopf zu verkaufen? Dieser antwortete ihm: Ja. Darauf jener: Für wieviel? Darauf dieser: Für einen halben Sus. Der Rabbi gab ihm denselben und sprach zu. ihm: Gieb mir Deinen Kopf. Der Fleischer gab ihm den Kopf von dem Thiere. Darauf jener: Habe ich denn den Kopf des Thieres von Dir verlangt? Ich habe doch Deinen Kopf verlangt. Doch wenn Du willst, daß ich Dir ihn lassen soll, so gehe und zeige mir die Thür (den Eingang) zu dem Athenäum. Darauf dieser: (Dies zu thun) fürchte ich mich, da sie Jeden, welcher ihn zeigt, tödten. Darauf jener: So trage ein Bündel Holz und wenn Du daselbst (am Eingänge) anlangst, so setze es ab zur Erde, wie einer, der ausruhen will. Er (R. Josua) ging nun hinein, fand aber, daß innen und außen Wächter waren. Wenn die Weisen Tritte (im Sande) von Hineingehenden sahen, so tödteten sie die äußeren Wächter, sahen sie aber Tritte von Herausgehenden, so tödteten sie die inneren Wächter. Da verkehrte R. Josua seine Sandalen (und es sah so aus, als wenn Jemand herausgegangen wäre), in Folge dessen ztödtete man die inneren Wächter; darauf verkehrte er noch-! mals seine Sandalen (und es sah so aus, als wenn Jemand! hineingegangeu wäre, in Folge dessen tödtete man die äußej ren Wächter. Der Rabbi ging nun hinein und fand, daß! die Jungen oben und die Alten unten saßen. Da dachte er: Entbiete ich jenen (den Jungen) zuerst den Gruß, so tobten mich diese (die Alten), denn sie werden sagen, wir sind besser, denn wir sind die Alien; entbiete ich aber diesen (den Alten) j zuerst den Gruß, so tobten mich diese (die Jungen), denn sie werden sagen, wir sind besser, denn wir sitzen oben und jene sitzen unten. Er sprach daher: Friede sei mit Euch Allen! Sie sprachen zu ihm: Was machst (willst) Du hier? Er antwortete ihnen: Ich bin ein jüdischer Weiser und bin gekommen, um von Euch Weisheit zu lernen. Da sprachen sie zu ihm: Wenn dem so ist, so wollen wir Dich etwas fragen. Es ist recht! versetzte er, besiegt Ihr mich (kommt Ihr mir bei), so könnt Ihr mit mir machen, was Ihr wollt, jedoch besiege ich Euch, so müßt Ihr mit (bei) mir auf dem Schiffe speisen. Darauf richteten sie an ihn die Frage: Ein Manu ging und freite ein Weib, man gab sie ihm aber nicht, was dachte er, da er um eines freite, das noch vornehmer als jenes war (das jenes ii&ertraf)1)? Da nahm 1) Es war ihm doch schon die Lehre geworden, daß man ihm das erste nicht gab, um so weniger wird man ihm dies geben.

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