Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 53 (1889)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1889)
- Date
- 1889-11-14
- Page
- Seite 724 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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724 unb Leviten auch im Exil als Ursache der anfänglich geringen Levitenzahl nicht zu denken. Wären die Leviten so gänzlich die früheren Jahrhunderte hindurch vom Tempeldienste ausgeschlossen gewesen, so würde es uns doch überraschen, sie im Exil auf ihre vermeintlichen Rechte so stark pochen, und später doch jedenfalls in ihren Functionen als eine geschlossene Körperschaft stehen zu sehen. Vielmehr muß auch hier eine alte, tradirte Einrichtung anerkannt werden, die natürlich im Laufe der Geschichte, auch im Wechsel der politischen Verhältnisse mancherlei Schwankungen und Reibungen unterworfen war. Wir können daher dem Verf. wohl zugeben, daß zu Zeiten ein Kampf zwischen den Leviten und den Priestern stattgefunden, und er bringt hierfür bis zu den letzten Zeiten des Tempels mancherlei Beweise bei. Es konnte auch kaum anders sein, da es in der Natur des Verhältnisses lag, daß die Leviten nach größeren Vorrechten und Erträgnissen strebten, die Priester aber sie zurückweisen und wiederum nach dem Alleinbesitz der Zehnten trachten mochten. Wo sich daher der Verf. auf bestimmte Texte stützt und eine gesunde Auslegung derselben giebt, wird ment ihm beistimmen müssen. Allein um einen so andauernden Kampf durch alle Jahrhunderte, der auch nicht selten das Volk in Mitleidenschaft zog, zu schildern und ihm eine wichtige Stelle in der Kulturgeschichte des alten Israel anzuweisen, muß der Verf. auch bisweilen die Phantasie walten lassen und zu ..vielleicht", „wahrscheinlich", „es mögen" seine Zuflucht nehmen. Ganz besonders standen ihm das vierte und fünfte Buch Moses entgegen und widersprachen ihm nachdrücklich. Jndeß die gegenwärtig geltende Kritik weiß hierüber hinwegzukommen. Weil die Texte dieser Bücher der Hypothese widersprechen, sind sie erst in späterer Zeit abgefaßt oder die betreffenden Stellen sind spätere Einschiebsel nach einer bestimmten Tendenz. Auf diese Weise kommt man um alle Schwierigkeiten herum. Stimmen wir also mit dem Verf. in nicht wenigen Punkten nicht überein, so erkennm wir doch in seiner Arbeit eine verdienstliche Monographie, welche auf wichtige Momente aufmerksam macht und einige detaillirte Fragen glücklich löst. — Dr. I. So ein), Rabbiner in Göttingen, hat einen „Israelitischen Amtskalender für Rabbiner, Prediger, Lehrer und Cantoren auf das Jahr 5650" (Berlin, Engel 1889) herausgegeben, der sehr zweckmäßig eingerichtet und recht reichhaltig ist. Außer allen zum Kalender gehörigen Beigaben enthält das schön und bequem ausgestattete Buch einen „Notizkalender", um Tag für Tag einzeichnen zu können, was im Amte vorkommt. Hierzu dienen dann auch besondere Abtheilungen für Trauungen, Confirmationen, Termine, Sterbefälle u. s. w., ein alphabetisches Verzeichniß der deutschen Rabbiner und eine Zusammenstellung der aus Juden bezüglichen Gesetze. Wir wünschen recht großen Absatz, damit Dr. L. auch für die folgenden Jahre Ausgaben veranstalten kann. — "De :il l111cj>i ici c ijiicijl'ci i Deutschland. Berlin, 30. Oet. Wer Stöcker kennt, ivird schwerlich von Folgendem überrascht. Die Christlich-Socialen haben bekanntlich beschlossen, für die nächste Zukunft von der öffentlichen Agitation Abstand zu nehmen. Was dieser Beschluß bedeutet, beweist ein der „Freis. Ztg." zugehendes vertrauliches Circular, welches von dem ersten Vorsitzenden der Christlich-Socialen in Berlin, Herrn Adolf Stöcker, selbst unterzeichnet ist. In diesem vertraulichen Circular heißt es, daß die gegenwärtige Haltung der Christlich-Socialen nur ein Waffenstillstand sei. Die Stunde werde schon kommen, wo sie mit alter Kraft und neuem Muth sich wieder in's Vordertreffen stellen. Sie müßten deshalb jetzt um so fester Zusammenhalten, neue Mitglieder sammeln und den Geschäftsbetrieb durch Beiträge und freiwillige Gaben unterstützen. An jedem Freitag wollen die Christlich - Socialen zusammenkommen, und Herr Stöcker werde jedesmal die Versammlung leiten. Zum Schluß wird dann noch einmal hervorgehoben, daß die Christlich Socialen im rechten Augenblick j die volle Arbeit wieder aufnehmen. Am Schluffe dieses ver-! traulichen Circulars befindet sich in besonders hervorragen-! beni Druck der Ruf: „Alle Mann auf Deck." Dieses Circular beweist aufs Neue, daß der angebliche Rücktritt der j Christlich Socialen lediglich eine Coulisse ist, hinter der dieselben auf höheren Befehl verschwinden, um aufs Neue heri vorzubrechen, sobald sie herangepfiffen werden. Berlin, 1. Noventber. Die Angelegenheit der Schul- Vorsteherin Boretius ist noch lange nicht zu Ende. Die Entscheidung der städtischen Schuldeputation in dieser Angelegenheit wegen Zurückweisung jüdischer Schülerinnen beschäftigte am 30. Oct. den Potsdamer Thor-Bezirksverein. Der Sitzung wohnten neben anderen Stadtverordneten auch die Mitglieder der städtischen Schuldepntation. Stadtv. Prof. Leo und De. Otto Hermes bei. Dr. Otto Hermes gab die Erklärung ab, daß alle Mitglieder der Schuldeputation mit Ausnahme eines Geistlichen das Vorgehen des Frl. Boretius auf das Schärfste verurtheilt und diese ihre Ansicht auch dem Provinzial-Schulcollegium, als der Vorgesetzten Schulbehörde, unterbreitet haben. Der von ihm und Prof. Leo gestellte Antrag, dem